Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 100 (23.12.1886)
- Date
- 1886-12-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1737 Nach dieser ziemlich lang grwordnen Einteilung, gehe ich nun zum eigentlichen Gegenstände meines gegenwärtigen Berichtes über; da 'i nKT das Alpha und Omega eines jüdischen Gemeinwesens bildet und daher auch nur diese den Gradmesser abgibt, nach welchem wir das jüdische .Volksleben als auf einem höheren oder niederen Standpunkt stehend bezeichnen können, so sei vor Allem conftatirt, daß Galizien und Bukowina in Beziehung von Gesctzestreue im großen Ganzen wenigstens, wenn auch nicht den allerersten Rang einnehmend, jedoch getrost unter den Ersten gezählt zu werden verdient, die in unentwegter Rcligionstreue und unerschütterlicher Anhänglichkeit an die ererbten, traditionellen Glaubenswahrheitcn der Väter mit Leib und Seele, dem unverfälschten, echten und rechten Judenthume alle Ehre machen, und wäre cs nur zu wünschen, daß auch außerhalb Galiziens und der Bukowina, wenigstens auch nur gleiche Zustände in dieser Beziehung herrschen möchten. Wohl gibt es auch hierzulande Abtrünnige, die mit dem Strome der Zeit schwimmend, ihr Lebensschisflcin dadurch zu erleichtern wähnen, daß sie den ihnen beschwerlichen, unnütz scheinenden Ballast von mm und rrem über Bord werfen, um dann mit vollen, geblähten Segeln ovn rvn7 “pnno sein zu können, wohl gibt es Einige, die einer Wetterfahne gleich, den h.Mantel der Religion die tik mmr nach jenem launischen svn nr\ nach dem sogen. „Geist der Zeit" wenden und drehen möchten, diese Wenige aber bilden nur vereinzelte Ausnahme, wodurch die Behauptung, daß der Geist des unverfälschten, traditionellen Judenthumcs hier noch im Allgemeinen n"2 seine ungeschmälerte Herrschaft ausübe, wenig oder gar kernen Abbruch erleidet. So wird beispielsweise 77:n 7y vjr P7nm in den erwähnten Länder», vom «'Omee E"’i rer 7-.7N, durch Oefsnen der Berkanssladen an diesen h. Tagen, wie es anderwärts leider an der Tagesordnung, nichts gehört, und wenn auch, wie erwähnt, die Lust und Tendenz hierzu bei Manchen, von der Kultur (?) beleckten, vorhanden sein dürfte, so wagen cs dieselben doch nicht, diesen destruktiven Tendenzen vor der Oestenilichkeit Ausdruck zu geben, und zwar einfach, schon aus dem Grunde nicht, weil sie in diesem Falle gar bald die rächende Nemesis in Gestalt des Ausbleibens der frommen, religiösen Kundschaft ereilen wurde; sie müffen daher, nvlens vvlons wenn auch mit schwerem Herzen gute Miene dazu machen, und daß dann, bei manchem dieser Mußjuden ncr? nü mr7 rr7r -prs, ist eine im Leben sich so oft bewährende Thatsache, daß sie nicht erst bei diesem Falle besonders conftatirt zn werden braucht. Steht es nun mit der Heiligung des rer und r"v hier n"2 recht zufriedenstellend, so ist es mit einem andern, nicht minder bedeutenden Faktor des gesctzcstrcuen Judenthumcs nicht minder gut bestellt, und zwar, meine ich, mit dem hochwichtigen und '.bedeutungsvollen mm lernen, das vielleicht in keinem europäischen Laude in so weiten Kreisen mehr oder minder Pflege findet, als in Galizien- Bukowina, hier wird nämlich fast ausnahmslos jeder jüdische Knabe von seiner frühesten Kindheit an angehalten, daß er bis zu seiner “e wenigstens den größten Theil der Zeit dem Studium der p"mn obliege, ob mit mehr oder weniger Erfolg, ist Nebensache, die Hauptsache aber ist, das dem Kinde gleichsam mit der Muttermilch der h. Geist der mm inprägnirt wird, der es denn auch in später» Jahren, wenn es zum Manne herangerefft, und den Kampf ums Dasein im Schweiße seines Angesichtes mühselig durchzukämpfen hat , nicht gänzlich verläßt', da doch die Jugendeindrücke, welche der Kiudergeist als wipn ndti empfangen, nie und nimmer gänzlich verwischt werden können. So viel auch — und Manches nicht ganz mit Unrecht — gegen das hierländischeSchulsyftem, welches den übelbelenninndeten, vielvcrschricenen Namen Chederwesen führet, von pädagogischer und nichtpädagogischer Seite, eingewcndct wird, so müssen wir dennoch, ohne für dasselbe, oder gar für dessen nicht zu bestreitende Auswüchse eine Lanze einlegcn zu wollen, offen zugestehen, daß es nur dieses viel verlästerte Cheder war und ist, welches bisher, gegenüber dem riesigen, bedauerlichen Abfalle, den das traditionelle Judenthum anderwärts erlitten, von sich sagen konnte nom •:», daß cs nämlich den schützenden' Wall bildete, in dessen Umsriedung das conseroative Judenthum sich ungefährdet erhalten konnte, cs setzen baher. die Gefetzcstreuen all ihre Hoffnung für die Zukunft nur daraus, daß cs ihnen n'"pp2auch fernerhin, nach wie vor gelingen werde, diese Pflanzstätten der.Tan und die Bollwerke der heiligen Religion, in altem frommen Geiste, nicht „angekränkelt von des modernen Zweifels Bläffe" erhalten zu können. Nun aus eben demselben Grunde, aus welchem den Gläubigen, Religionstreucn der jüdische Unterricht nach althergebrachtem Systeme heilig und unverletzlich gilt, so daß res yj';r •e 72 aus eben demselben Grunde suchen die „Weltverbesserer," denen die unerschütterliche Phalanx der gcsetzestreuen, galizischen Juden ein Dorn im Auge ist, ihre Sturmcolonnen vornehmlich gegen das jü-