Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 100 (23.12.1886)
- Date
- 1886-12-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1785 die Männer, als sie ihm in die Hände sielen, als seine Brüder an und erwies ihnen Gutes, wiewohl sie ihn, als er in ihrer Gewalt war, nicht als Bruder anerkannt und behandelt hatten." Auch die Inenden, Irregeleiteten, ja selbst die Böswilligen sind und bleiben unsre Brüder; wir dürfen sie nicht hassen und nicht anfeinden, sondern nur ihre bösen Grundsätzen bekämpfen und ihre schlimmen Pläne zu vereitlen suchen. So sind die Wege unsrer heiligen Gotteslehre, von denen es heißt (Mischle C. 3. B. 17): Ihre Wege sind Wege der Lieblichkeit, und alle ihre Pfade sind Frieden. Zu dem bald beginnenden neuen Jahrgange wenden wir uns wiederum an unsre thcnrcn Gesinnungsgenossen, sie zu bitten, wie bisher und noch in erhöhtem Grade, thälig mitzuwirkcu in der Aufrcchtcrhalttmg der erhabenen Grundsätze, welche der „Israelit" zu seiner Aufgabe gemacht hat. Zunächst gilt es, demselben eine stets größere Verbreitung zu verschaffen*), damit es ihm gelinge, in immer weiteren Kreisen segensreich zu wirken, die Herzen unsrer Brüder und Schwestern mit Liebe zu Gott und Seiner heiligen Lehre zu erfüllen und sie aus ihre große» Pflichten aufmerksam zu machen; die Jugend in Gottesfurcht zu erziehen und die Erwachsenen zu Kampfesmuth und für Ausdauer im Kampfe zu begeistern, im Kampfe gegen die bösen Geister unsrer Zeit, gegen die Geister des Abfalls, der Sünde, der Genußsucht und der Eigensucht. Wir unterlassen es, auf die Gediegenheit und Reichhaltigkeit unsrer Zeitschrift aufmerksam zu machen; unsre Leser sind ja größtentheils alte Freunde, welche feit vielen Jahren den „Israeli t," sein Wollen und Wirken kennen und zu schätzen wissen. ssmn -mb» tjq ans fean in nssji „So möge denn der „Israelit" auch fürder Gunst und Wohlwollen finden in den Augen Gottes und der Menschen." — Iettnugsrrachrichlen und Korrespondenzen. Deut s ch l.a n d. Mainz, 20. Dez. Bei einer iu Wien stattgehabrcn Gerichtsverhandlung war Herr Rabbiner *) Vir haben eine große Anzahl Prosvecte mir Illunrarionsprobe» drucken lassen und Linen dir Freund« des .Israelit/ dieselbru soviel als wöglich zu verbrriren. Jede beliebige An- Mhl wird auf Verlangen franco zugefaadr werden. Zugleich find wir gerne Lereir, unbenriuelreu Freunden des .Israelit" für Vermittelung von Abonnements und Znseratenaufträgeu eine angemessene Provision zu gewähren. Dr. Gübemann als Zeuge borgeladen, nm über jüdische Namen Auskunft zu ertheilen. Auf die Frage des Präsidenten: Was bedeutet der Raine „Avigdor?" antwortete der Zeuge: „Dieser Name ist nach meiner philologischen lleberzeugung kein althebräischer, obwohl er schon ein hohes Aller besitzt. In den Gebeten des Mittelalters wird Moses manchmal auch Avigdor genannt. Ich glaube, daß dieser Name eine Hcbräisirung des lateinischen Victor ist." Demnach scheint Herr Rabbiner Dr. Gü bemann nicht z« wissen, daß der Name tu ’-n (Avigdor) nach Talmud Megilah 13b ein Beiname unseres großen Lehrers Moschch ist, und daß demnach der iu Rede stehende Name bereits in der heiligen Schrift (1. B. d. Chronik C. 4, V. 18) erwähnt wird. — Es ist diese Expertise ein Scitenftück zu dem berüchtigten Wiener Rabbinats-Gutachten in dem Ritter'schen Prozesse traurigen Andenkens. Berlin, 19. Dezember. Der jüngst hicrsclbst verstorbene Sauitätsratb I)r. Oesireich hat 30,000 Mark nicht, wie wir mitgetheilt hatten, für jüdische Studirende, sondern für das unter Leitung des Dr. Holzmmm stehende Lehrerseminar hinterlassen. Ferner hat der Verstorbene für die jüdische Alterversorgungsanstalt lctztwillig 21,000 Mark bestimmt. — Der Buchhändler Baee, der erste jüdische Antiquar Berlin's und ein gewiegter Talmudist, ist Freitag im Alter von 62 Jahren verschieden. Frankfurt a. M., 17. Dezember. Iu der jüngsten Mtglieder-Versammlung des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur machte Herr Dr. Biberfeld in einem Vortrage über König Wenzel und seine Zeit sehr interessante Mittheilungen über die durch diesen Regenten in's Werk gesetzte Inden-Schulden-Tilgung. Den fortwährenden Geldverlegenheiten, in welchen sich der König Wenzel befand, glaubte er mit einem Male dadurch ein Ende machen zu können, daß er eine Reducticn der Forderungen jüdischer Gläubiger im ganzen , deutschen Reiche eintreten ließ. Schon in den ersten Jahren seiner Regierungszeit plante er wiederholt Anschläge gegen die Juden; doch scheiterten dieselben an dem Widerstand der Städte. Bon Seiten dieser Letzteren waren cs nun auch weniger Gründe der Humanitär, die sie veranlaßt hätten, sich der Juden anzunehmen, als vielmehr eigennützige Rücksichten: man sah eben in jenen traurigen Zeiten die Juden gerade als eine Waare an, aus der jeder Einzelne möglichst viel Gewinn zu ziehen suchte, und die Städte nun waren stets darauf bedacht, daß von dem Vermögen der Juden