Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1886-12-27 · Heft 101 (27.12.1886) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 101 (27.12.1886)
Date
1886-12-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2446951-2449600-2449695--25590-2514918
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

M12 pol" ausüben, um cs „ausrottcn" au lassen mib daun wieder über beit Schächter schimpseu, weil er das angelogenc „Monopol" nicht ansnbcn will, das ist in Rumänien gonvernamental-anrisemitische Xfonif. Es scheint, daß der „Liberalul" heute vereint, was er gestern eigentlich tvollte, es sei denn er tvollte gestern eigentlich blos heben. Aus welchem Grunde der christliche Fleischer jüdisch schachten lassen will, sagt der „Liberalul" nicht; er wird sich dessen auch hüten, denn es ist der Vortyeil des christlichen Fleischers, und wenn er dies eingestellt, so beraubt er sich des Hetzgrundes. Er sagt aber auch nicht, mit welchem Recht der christliche Fleischer an den Schochet das Verlangen stellt, ihm jüdisch zu schlachten. Es wäre sehr interessant zu erfahren, ob in Jassy ein „christliches Fleischer-Monopol" exisiirt, kraft dessen die „Juden" verpflichtet seien, ihnen Koscher-Fleisch, soweit angängig, herzustellen, damit sie es theuerer verkaufen können. Den Antisemiten aller Länder kann man es eben niemals recht machen. — Die „Nona Nevista", ein sogenanntes sozialistisches Blatt in dem mit Antisemitismus gesegneten Jassy, bringt die Mittheilung, daß die Augenkrankhciten sich daselbst vermehren und weil es bekannt fei, daß diese Krankheiten den Inden (aber nicht in Rumänien!) cigenthümlich, so solle man Maßregeln ergreisen". Das ist sehr mysteriös und ungeheuer zweideutig: soll man gegen die Augenkrankheiteu oder gegen die Juden Maßregeln ergreifen? Oder sind schon alle anderen Gründe abgebraucht, und nun sollen die Augenkrankheiten als Vorwand herhalten, um den Juden was am Zeuge zu flicken? In Rumänien ist alles möglich und es wird mich gar nicht wundern, wenn über Kurz oder Lang die Jassyer Israeliten einer speciellen Verfolgung ausgcsetzt würden, weil sie angeblich augeuleidend, also ohnehin geschlagen seien. — Das Bukarester jüdische Krankenhaus „Caritas" ist kürzlich „nach beendigten Ferien" wieder eröffnet worden. Ein Schulhaus, ein Opernhaus u. s. w. mit Ferien ist ganz begreiflich, aber als Krankenhaus, welches Ferien hat, dürfte das genannte einzig dastehen. Sie können sich von dem wankenden Zustande des Krankenhauses ans dem Umstande einen Begriff machen. Verschuldet ist dies durch die Nichtanerkennung jüdischer Gemeinden und die Untersagung der Fleischtare. (Vielleicht schreibe ich Ihnen. nächstens Länger über unsere jüdische Angelegenheiten.) F m i I l c t o n. ZK l ch a e k. ttrzählung von S. Lohn, Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung.) Prinz Lichtenstekn war der liebenswürdigste Wirth, den man sich denken konnte. Er harte keine Kosten gespart, das rasch improvisirte Abschiedsfest zu einem glänzenden zu machen. Es war ein prächtiges Feuerwerk abgebrannt worden, man harte ein lukullisches Malst verzehrt, die Gesundheit des Obersten, der scheidenden Kriegskameraden und des Hausherrn waren in den edelsten, feurigsten, ungarischen und französischen Weinen ausgebracht worden; für jene, die an hohen Hazardspielen ein aufregendes Vergnügen fanden, hatte der Hausherr ein Bänkchen gehalten und bei diesem erfreulichen Anlässe mit der größten Liebenswürdigkeit sechshundert Dukaten verloren, kutz alle Welt halte sich königlich amüsirt, und Niemand dachte daran vor dem nächsten Morgen aufzubrechen. Nur Baron Horneck war der Einzige, der nicht so animirt als die Andern zu sein schien. Er war zerstreut, blickte häufiger auf die Uhr als dies der gute Ton verstattet, hatte dem Karlenspieke, dem er sonst mit großem Eifer huldigte, fast keine Aufmerksamkeit zugcwcndet, und sich auch mehrmals, durch die zahlreichen, fürstlichen Lakaien, die bei der Tafel hinter den Stühlen der Gäste bereit standen, deren Befehle auszuführen, erkundigen lassen, ob nicht sein Bursche mit seinem Reitpferde schon angelangt sei. Zuerst war dies feinen Tifchnachbarn nicht ausgefallen, weil er als Offizicr du Jour früher nach der Stadt znrückkehreu mußte, aber als er sich etwa um halb elf erhob, seinen Säbel umschnallte und sich zum Fortgehen anschickte, sprach sein Spielnachbar: „Sie haben ja noch Zeit, die Bisitenronde beginnt erst um zwei, die erste wird ein Unteroffizier, der Wachtmeister Olbers, vornehmen .Sie sind, ja heute zum Verzweifeln diensteifrig .... wollen Sie sich schon in „Friedcnszciten den Maria - Theresia - Orden erobern?“ Allein Horn eck ließ sich nicht znrnckbalten und machte, wie er sich ausdrückte, um die Gesellschaft nicht zu „deraugirenein „Complimeiit allemand“ und schlich unhörbar aus deur Zimmer. Etwa eine Viertelstunde, nachdem Lorenz unbemerkt aufgebrochen war, wurde die Gesellschaft plöylich allarmirt. Ein reitender Bore, denen erstes Ziel W. gewesen, überbrachte dem Ritlmemer, Graf Altheim und dem Lieutenant Prinz Kalteru- Moggendorf, den Befehl sofort zu ihrem neuen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.