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Der Israelit · 1886-12-27 · Heft 101 (27.12.1886) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 101 (27.12.1886)
Date
1886-12-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Regimente, das an der galizischen Grenze stand, zu stoben. Elfterer habe sofort das Eommando der Escadrou statt seines 311111 Major avancirtcn Vorgängers zn übernehmen. Aus einigen Zeilen, welche der Oberst des DragonerregimentS in W., dem Boten für Atthcim mitgcgcben, erfuhr dieser auch, daß das llhlanenrcgiment, dem er jetzt .angehörte, die Bestimmung habe, dem russischen Armeekorps, das, 60,000 Mann stark, unter Snwarow über Gulizien in Mähren cinrncke, bei seinen weitern Märschen als Avantgarde und Quartiermacher zu dienen, und man nun erwarten dürfe, daß die Feindseligkeiten bald eröffnet werden würden. Die letzte Nachricht wurde mit großem Jubel und Enthusiasmus begrübt, man trank in höchster Begeisterung, auf das Wohl der Kaiser von Oesterreich und Rußland, ans das Wohl der verbündeten Armeen, auf die zukünftigen Siege, aus den baldigen Einzug der siegreichen Verbündeten in Paris. Aber all der Jubel durste die Gerufenen nicht abhaltcn, sich sofort mit bestem Danke für das ihnen zu Ehren veranstaltete herrliche Fest zu verabschieden, während alle Andern, sich von dem liebenswürdigen Hausherrn gern noch dazu verleiten ließen, bis zum Tagesanbruch zu bleiben. * * * Michael und Sara hatten ihren Weg ange- Ireten, und jener versprochen, sobald als möglich zurückzu kehren. Michael war. ein ungewöhnlich kräftiger Mann, er trug keine Kostbarkeiten 6e; sich, das Päckchen an der Spitze seines tüchtigen Knoteustockes, enthielt keine solche, und dieser konnte in den Händen eines so starken und gewandten Mannes eine furchtbare Waffe werden, und fo trat er ohne Beforgniß mit seiner Pflegeschwester seine nächtliche Wanderung an. — Der Loden war hart gefroren, der Winter- Himmel von einem wunderbar schönem Blau, die goldenen Sterne zitterten am weiten Himmclsbogen, wld die volle Mondcsschcibe verbreitete ein so intensives Licht, daß die Straße fast t^cshell beleuchtet war. Sie hatten nur eine kurze Zeit, etwa eine Viertelstunde aus der Zkaiserftraße zn gehen, dann zweigte sich der . Weg ab und fiihrte zunächst nach Neuhof, in feiner Verlängerung nach Posewitz. Auch die Hauptstraße war zu dieser Jahres¬ und Tageszeit wenig belebt: aber doch waren sie hier und da einem verspäteten Wanderer begegnet, der ihnen den landesüblichen Gruß zurief» aber, auf der, auf Fürstlich Lichrensrein'schen Territorium gelegenen ziemlich breiten für Fuhrwerke und Reiter geeigneten Straße ward es noch öder; so daß sie auf der ganzen weiten Schneelinie deS Weges und auch rechts und links, so weit das Auge reichte, keine Spur eines lebende»- Wesens erblickten. — Sie waren lauge Zeit nur mit ihren unangenehmen Gedanken beschäftigt, ohne ein Wort zn sprechen, gegangen, endlich brach Michael das Schweigen und rief: „Vielleicht sind unseres Vaters Besorgniffe doch unbegründet. Bei längerem Bedenken erscheint mir meine ursprüngliche Ansicht doch die richtige und diese Flucht vor dem Schurken, eine überflüssige. Du bist ein sehr schönes Mädchen... ." Michael brach schanihaft ab, er wollte seinen Gedanken, „das das Begehren eines wüsten Gesellen herausfordern kann" nicht in Worte kleiden, und fuhr erst nach kurzer Pause fort, „aber diese Sorte Nichtswürdiger, sind auch in ihren Neigungen wetterwendisch. Vielleicht denkt er nicht mehr an Dich, und verspottet uns noch wegen Deiner Flucht — anders kann man ja Deine plötzliche Abreise nicht bezeichnen. Und das Alles schweigend ertragen zu müssen, gehört mit zu den schwersten Bitternissen, die ich in dieser Welt erfahren. ... Ich bin ja stark genug Dich zu schützen, und wenn Du, so's Gott beliebt, mein Weib sein wirst, dann.freilich wer weiß, wie lange es noch dauern wird, dis wir durch Gottes Gnade vereinigt werden .... in Momenten schwerer Geistesbedrücknng fürchte ich, nie meines Lebens Ziel zu erreichen, fürchte ich, wir werden auf dieser Welt nie vereinigt werden, mein ganzes Leben, mein ganzes Dasein, erscheint mir ziel- und zwecklos!" „Rege Dich nicht unnöthkg auf, lieber Michael," erwiderte Sara, und schon der melodische Klang ihrer tiefen Altstimme wirkte beruhigend auf Michael. „Ich bin überzeugt, ich hätte auch in W. unter Deinem starken Schutze, unter dem Auge meines Vaters nicht zu befürchten gehabt, daß Sara ftockre und fuhr erst nach kurzer Panse fort, „mich der Zudringliche noch einmal anspräche; — aber wie leicht hätte ein Streit, ein Wortwechsel zwischen Dir und diesem Menschen entstehen können. Du bist zwar ein kluger, besonnener Mann, aber es gibt doch Tinge, die leicht Deinen Zorn entfachen. Das sollte nach Möglichkeit vermieden werden und darum hat mein Vater recht, daß er mich zu seinem Geschäftsfreunde nach Boskowitz schickt. Hoffentlich wird unsere Trennung von keiner langen Tauer sein. Es heißt ja allgemein, daß der Krieg schon erklärt ist und die Feindseligkeiten sobald das russische Hilfskorps angelangt sein wird, beginnen werden. Vielleicht geschieht dies schon in wenigen Tagen, dann rückt das Dragoner-

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