Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 101 (27.12.1886)
- Date
- 1886-12-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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1758 well ein kluges Kind cr ihm war (vergleiche Onkolos und Raschi). Als nun seine Bruder sahen, daß ihn mehr liebte ihr Vater als alte seine Brüder, da hauten sie ihn, und dieser Haft wurde schlieftlich so stark, daft sie beschlossen, ihn zu tödten. Sie hätten den Beschlutz ausgeführt, wenn nicht der älteste Bruder Röuben den sofortigen Mord verhindert und der einstutzreichste Bruder Jehudah die . Andern dazu bestimmt hätte, statt des Todtschlages etwas zn begehen, was der Sünde des Brudermordes kaum nachstand. Zum Sklaven ward Joseph verkauft, der persönlichen Freiheit beraubt und einem grenzenlosen Elende preis-gegeben. Gott aber hielt seine schützende Hand über der: bedauernswerihen Jüngling und lieft ihn nicht im Elende verkommen. Nach unsäglichem Leiden erklimmt Joseph eine der höchsten Stufen menschlicher Herrlichkeit. Nun gerathcn seine Brüder in seine Gewalt; aber er vergilt ihnen nicht, was sie ihm Böses gethan hatten. Wohl stellte er sie auf die Probe, ob sie den alten Haft noch sich bewahrt hatten. Durch seiner Mutter Sohn, durch seinen Bruder Binjamin prüft er sic, und als nun in rührendster Weise der starke Jehudah für seinen jüngsten Bruder eiutritt, sich erbietet, als Sklave statt seiner zurückznbleiben und dabei auch des Kummers des greisen Vaters um den verlorenen Sohn Joseph erwähnt, da kann sich Joseph nicht länger zurückhalten: er gibt sich seinen Brüdern zu erkennen und beruhigt die Bezweifelnden. Laut weinend umarmt und küßt cr sie, sic, die einst sein Flehen um Erbarmen schnöde zurückgewiesen hatten. Ja, er lädt seine Brüder ein, zu ihm zu kommen, damit er sie und ihre Familien versorge. Er verzeiht ihnen das an ihm begangene große Unrecht so vollständig, daft er es ihnen gegenüber als eine segensreiche Fügung Gottes darftelll. „Uno nun betrübet Euch nicht, und es möge Euch nicht verdrießen, daft ihr mich hierher verkauft habt, denn zur Lebenserhaltung hat mich Gott vor Euch hergcschickt." . Mit welchen Gefühlen der Freude und der Dankbarkeit gegen Gott, mußte Jakob die 'Nachricht empfangen, daß sein Sohn Joseph nicht allein noch lebe, nicht allein zu hohen Ehren gelangt sei, sondern daß dieser air^ >as an ihm begangene Unrecht vollkommen verziehe und daß eine vollständige Aussöhnung zwischen den Brüdern stattgefunden hatte. Auch Jizchak und JischmM hatten sich später versöhnt. (Vergleiche 1. B. M. Kap. 25 V. 9): auch zwischen Jakob und Esaw harre eine Aussöhnung stattgefunden: allein, die Brüder blieben getrennt und eine Wiedervereinigung derselben war unmöglich geworden. Joseph aber hatte seine Brüder eingeladen, mit ihrem Bater, mit ihren Franc« nnd Kindern und mit all ihrer Habe zu ihm zu kommen; er wollte mit den Seinen eine einzige Familie bilden. Der Bund der Stämme war von da an fest geeinigt. Wenn wir genau nachforschen kn der Geschichte unsrer Väter, so werden wir finden, daß zwischen dem Verfahren Abrahams gegen Jischmaül und demJizchacs gegen Esaw ein bedeutender llnterschied stattgefunden. Als Jischmaöl nicht in den Wegen Gottes wandelte, da vertrieb ihn Abraham ans seinem Hause. Jizchak aber verstieß den Esaw nicht, selbst nachdem Esaw heidnische Frauen geheirathet hatte, deren götzendienerischem Treiben Jizchak und Riwkah das Leben verbitterten. Selbst als Esaw ein ysm, ein Bösewicht geworden war, flehte Jizchak zn Gott, daft Er ihn in Gnaden wieder aufuehmen möge (Megilah 6a.). Wir ersehen daraus, daß Jizchak die Wiedervereinigung seiner Söhne mit aller Macht hcrbciznführen strebte, während Abraham keinen Versuch machte, den vertriebenen JifchmaÄ für die Traditionen des väterlichen Hanfes wiederzugewinnen. Und deßhalb brachte Jakob Opfer dar dem Gotte seines Vaters Jizchak, um Ihm für die Wiedervereinigung der Stämme des Hanfes Israel zu danken nnpn rro by. Was Jizchak erstrebt hatte, seine Söhne im Dienste des einzigen i Gottes zu einigen — für Jakob war es zn Thatsache geworden; in feiner Familie war der Nitz nicht unheilbar geblieben, alle seine Söhne waren wieder vereint in der Verehrung des Welteuschöpfers. Der Haß der feindlichen Brüder hat sich in der Geschichte Israels noch oft wiederholt. Es befehdeten einander Menascheh und Ephrajim zn den Zeiten Jiphtachs: elf Stämme kämpften gegen Binjamin und hätten ihn beinahe vernichtet: später trennten sich die Reiche Juda und Israel von einander nnd bekämpften sich vielfach. Auch das ruhmreiche Hans der Hasmonöer spaltete Juda in zwei feindliche Lager und bereitere sich durch Bruderzwist den Untergang. Selbst nach der Vernichtung der Selbstständigkeit unseres Volkes haben die Streitigkeiten zwischen den Brüdern viel Unheil über unsere Väter gebracht. Auch unsere Zeit ist von diesem schrecklichen Uebel nicht verschont geblieben: auch jetzt ist Israel in zwei Lager gespalten. Um so trostreicher ist die Haphtarah des kommenden Sabbats, in welcher uns Gott durch seinen Propheten verheißen läßt, daß dieser Riß kein unheilbarer sein wird, daß unsere irrenden Brüder zn uns zurückkehren und sich wiederum mit uns vereinen werden in der Verehrung des allmächtigen Gottes nnd in der Beobachtung Seiner heiligen Gebote.