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Der Israelit · 1886-12-27 · Heft 101 (27.12.1886) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 101 (27.12.1886)
Date
1886-12-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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xxvn. Jahrgang. M‘ 101 ♦ ©in Genlrat - Grgan für das orthodo.re Iudentßum. Hcrausgcgcbcn von Or. Lehmann in Mainz. Montag, den 27. Dezember 5647 (1886). Da mit dem 1. Jan. 1887 eilt neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. Leitender Artikel. Die Wiedervereinigung der Brüder. (Zu Paraschalh nri) Mainz, den 23. Dezember. Als Jakob die Freudenbotschaft erhalten hatte, daß sein so lange und schmerzlich beweinter Sohn Joseph noch am Leben sei, beschloß er .denen Einladung Folge zu leisten und mit seiner ganzen Familie nach Mizrajim zu nbcrsiedeln. „Uub es zog Israel hinweg um» Alles, was ihm war, und kam nach BeerScheba und opferte Opfer dem Gotte seines Vaters Jizchak." (1. L. M. Kap. 46 V. 1). Unsere Weijen henrerken dazu im Midrasch: Rabbi Josua ben Lewi sagte: Ich bin umhergezogen bei allen Erklären! der Agadah im Süden, ans daß sie mir diesen Vers erklären; allein sie vermochten es nicht. Raw Hnnua fügte hinzu: Als Rabbi Josua ben Lewi nach Tiberias kam, fragte er Rabbi Jochanan und Rabbi Schimeon ben Lakisch. Rabbi Jochanan sagte: Weil der Mensch verpflichtet ist, seinen Vater mehr als seinen Großvater zu ehren. Rabbi Schimeon ben Lakisch sagte: Wegen des Bundes der Stämme brachte er Opfer dar. Dieser so rathselhaft scheinende Midrasch hat sctt vielen Jahrhunderten die Geister beschäftigt, und auch wir haben im vorigen Jahr eine Erklärung desselben in diesen Blättern versucht. Neuerdings habe» wir in dem treulichen Werke des bcrühmren Rabbi Jakob Ettlmger *:>• m» eine vorzügliche Erklärung gesunden, die wir in Nachfolgendem darlegen wollen. Aus der Antwort des Rabbi Jochanan erseh n wir, was eigentlich Rabbi Josua in dem citirten Verse Schwieriges fand. Er verstand nicht, warum die heilige Schrift uns erzählt, daß Jakob Opfer darbrachte dem Gotte seines Vaters Jizchak, da doch Abraham der Begründer der Gotteserkenntniß auf Erden war und daher diesem dieMre gebührt hätte,-hier, ausdrücklich hervorgehoben zu werden. Daraus gibt Rabbi Jochanan die zutreffende Antwort, daß, wenn auch im Allgemeinen Abraham, diese Ehre verdient hätte, dennoch Jakob verpflichtet war seinen Vater niehr als seinen Großvater zu ehren. Die Antwort des Rabbi Schimeon ben Lakisch -aber: „wegen des Bundes der Stämme brachte er Opfer dar," erscheint völlig unverständlich; denn, was hat das mit der Frage des Rabbi Josua ben Lewi gemein? Um diese schwierige Midraschstelle zu erklären, müssen wir einen tieftraurigcn Zug hervorheben, der sich durch die Geschichte de« Menschengeschlechtes hindurchzieht. Es ist dieses die stets wicderkchrende, traurige Erscheinung des Hasses und der Zwietracht unter Brüdern. Schon bei den ersten Menschen, die von einem Vater gezeugt und von einer Mutter geboren waren, tritt diese unheilvolle Zwietracht hervor: Äajin erschlägt seinen Bruder Hebel. Immer wieder sehen wir innerhalb der einzelnen Familien diese traurige Erscheinung wiederkchrcn. Abraham muß sich lossagen von Lot, der ihm wie ein Bruder war, in:« nrnx Iischmaöl durfte nicht mit seinem Bruder Jizchak zusammendleiben, sondern uiußre hinwcggetrieben werden aus seines Vaters Haus; Esaw haßte seinen Zwillingsbruder Jakob und trachtete ihm nach dem Leben. Dieselbe Erscheinung trat im Hause Jakobs zu Tage. „Und Israel liebte den Joseph mehr als alle seine Söhne,

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