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Der Israelit · 1886-10-06 · Heft 79-80 (6.10.1886) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 79-80 (6.10.1886)
Date
1886-10-06
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Ut'.m ttür aller Z,wcisc! nbcrhobcn. Aber, iner gibt uns die Gewißheit?" „„Wenn Du, lieber Onkel, mir nicht gestattest, das Mädchen zu Heimchen, so machst Tn mich unglücklich für mein ganzes Wellen."" „Ich möchte Dir gerne helfen. Ich will nach Denn zn meinem Rabbi reifen nnd ihn um feine Ansicht befragen. Du siehst, dag ich gern alles thne, was in meinen Kräften steht." Von Venlo nach Denn war in jener Zeit eine lange und beschwerliche Reise. Dankbar erkannte Kaufmann an, was sein Onkel für i'hn zu thun sich erboten hatte. „„Wenn Du erlaubst, lieber Onkel,"" sagte er, ,,„'o werde ich Dich begleiten."" Am nächsten Sonntage machten sich die beiden Männer ans den Weg. Rabbi Laser hatte einen Wagen gemiethet; Kaufmann spannte seine eigenen Pferde ein nnd kutschirte selbst. Rach einer langen nnd beschwerlichen Fahrt kamen sie Mittwoch Morgen in Köln an. In dieser Stadt durften zu jener Zeit keine Juden wohnen, und solche Glarrbcnsgenosten, welche die Stadt passiren wollten, mussten einen Geleitschein lösen, für welchen sie zwei Brabanter Thaler (nicht ganz 10 MI zu zahlen hatten. Zwei bewaffnete Soldaten gingen neben dem Wagen her und geleiteten ihn bis ' über die Schiffbrücke nach Deutz. Rabbi Jehndah Lob Mehler war einer der merkwürdigsten Menschen, die je gelebt haben. Gr entstammte einer altbcrnhmten Rabbinerfamilie und war einer der gelehrtesten Männer seinerzeit. Im Besitze seiner Nachkommen (Gebrüder Lob in Frankfurt am Main) befinden sich noch die Nesponsen, die er mit dem weltberühmten Ehacham Zcbi und dem nicht minder berühmten Verfasser des Schebuth Jakob gewechselt hat. Gr war Landesrabbiner des Kurfürsienthums Köln und galt am ganzen llntcrrhein nnd auch sonst weit und breit als die höchste Autorität in jüdisch religiösen Angelegenheiten. Mehr noch als ob seiner talmndnchcn Gelehrsamkcit, wurde er wegen seiner ascmschen Lebensweise verehrt. Von seinem 50. Lebensjahre an fastete er von Sabbat zu Sabbat. Nachdem er am Sabbat die dritte Mahlzeit verzehrt hatte, trank er beim Ausgange des Sabbats den Habdalah-Wem nicht mehr, sondern lies; ihn von Andern trinken. Dann nahm er nichts zu sich, selbst nicht einen Tropfen Wasser, bis er am Freirag Abend den Kidnschwein krank. Jeden Morgen, Sommer und Winter, nahm er ein Tauchbad, bevor er die Synagoge besuchte. Das allwöchentliche Fasten wurde um' durch die Feiertage mib Halbseiertage unterbrochen. Dabei vollzog er die vielen Geschäfte seines ausgedehnten Rabbinaw mit großer Pünktlichkeit. Auch hielt er eine große Ieschibah nnd trug seinen zahlreichen Schülern mit dem größten Scharfsinne den Talmud var. Diese merkwürdige Lebensweise schwächte nicht im Geringsten seine körperliche und geistige Kraft und verkürzte auch nicht seine Lebensdauer; denn er erreichte das hohe Alter von 90 Jahren, nachdem er 40 Jahre, bis zu seinem Tode, sein allwöchentliches Fastelt (mit Ausnahme der obenerwähnten Tage) nicht ein einzigesmal unterbrochen hatte. Was wir hier unfern Lesern mitthcilen, ist nicht das Produkt der Phantasie eines Dichters, sondern die hier erwähnten Thatsachen sind im Meinorialbuche' der israelitischen Gemeinde zu Deutz verzeichnet. Rabbi Lob Meister war zur Zeit unserer Erzählung bereits ein hochbctagter Mann und befand sich eben, am Mittwoch, auf der Höhe seiner Fastenzeit. Als Rabbi Laser und sein Begleiter bei ihm eintratell, saß er über einen großen Folianten gebeugt. Wiewohl er seiiren ehemaligen Schüler seit fast 20 Jahren nicht gesehen hatte, erkannte er ihn sofort. Er sprang aus, streckte ihm die Hand entgegen nnd rief: „Scholom alechem, Rabbi Laser." Der Angeredcte küßte die ihm dargebotene Hand nnd sprach unter Thränen: „Gelobt sei der allgütige Gott, der mich begnadigt hat, meinen geliebten Rabbi in der Fülle der Kraft und Gesundheit wiederzusehen." Der Rabbi reichte auch dem jungen Pferdehändler die Hand zum Gruße. Auch Kaufmanns Angen wurden naß, als er die Hand des vielbewunderten großen Rabbi an die Lippen führte. „Setzt Euch, Raboßai", sagte der Rabbi , indem er sich selbst wieder niederließ. „Was führt Euch zu mir?" Rabbi Laser legte seinem Lehrer die Frage vor, nur deren Beantwortung er ihn bat. „Was Eure Furcht betrifft", sagte der Rabbi, nachdem er den Schnlchan Aruch Eben Haefer aufgeschlagen nnd darin uachgeiehen hatte, „daß das Mädchen vielleicht keine Jüdin sei, so ließ sich dem leicht abhelfcn. Ihr braucht nur das Mädchen kedin ukedaß megaicr zu sein (ins Judenthum aufzuuchmen). Damit sind aber Eure andern Bedenken noch nicht beseitigt. "Allein, auch diese sind nicht sehr gewichtig. Ihr meim. man müßte das Kind als einen Aßnphi betrachten, wobei ein Ebaschasch Mamscrnß vorläge; ich bin nicht der Änsichr. Das Kind ist gestohlen worden und nicht von der Straße aufgelefen."

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