Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 79-80 (6.10.1886)
- Date
- 1886-10-06
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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IM flrcfipai’tei ju fiefctmcit, im Stillen aber mit derselben sympathisirell und pactireu und auf diesem Wege die Macht der ovtljüb. Kanzlei zu schwachen suchen. Als nun in M. Sziget in letzterer Zeit die Frage der Konstitnirung anstanchte — dieselbe schlumnierte solange cs möglich war, da der ehrwürdige Rabbiner Rabbi Juda Teifelbaum?2"r sich hütete dieselbe anfzurüttcln, uül damit keinen Anlaß zu Zwistigkeiten zu bieten — kam der tiefgewnrzelte Haß der Neuerungssüchtigen gegen die orth. Glaubensbrüder zum Durchbruch. Sie wollten sich um keinen Preis dazu verstehen, sich als aut. orth. Gemeinde koustituireu zu lassen, sondern als Status guo-Gemeinde erklären.- Kein Mittel war ihnen zu niedrig, nm .die orth. Brüder zu verleumden und zu verfolgen! Diese bedauerlichen Vorgänge machten hierzulande großes Aussehen, denn M. Sziget ist eine der bedeutendsten Städte Ungarns, und eine?82L"2 c:ki ry. Die — oder — die Status guo-Partei — was identisch ist, denn sie nannte sich mit ersterem Namen — veröffentlichte in jüngster Zeit eine Flugschrift unter dem Namen 121'? ny. Dasselbe strotzt von Unwahrheiten und tendenziösen Entstellungen, wcßhalb ich hier kurz den wahren Thatbestand darlcgen werde. Nachdem die hohe königl. ung. Negierung daraus gedrungen, daß sich die Gemeinde konsiitnire, setzte sich eine elfgliederige Kommission zusammen, deren geistige Führung zufällig aus Männern von neologer Gesinnung bestand, um die Lokalstatuten abzufassen und der Gemeinde vorzulegen. Obwohl die Statuten, weil nicht in orthod. Sinne verfaßt, den Gefallen des Rabbiners s. A. nicht fanden, .ließ er doch dieselben vor die bald nachher einberufene Generalversammlung gelangen, in der Hoffnung, daß es ihm durch gütliches Zureden und seine flammende Rede gelingen werde, die Gegner zu belvegen, die Statuten nach seinem Sinne umzuändern. Aber er machte die Rechnung ohne den Wirth. Die Gegner machten einen solch wüsten Lärm, daß er nicht zu Worte kommen konnte. Als die Kommission die Statuten behufs ministerieller Bestätigung nachLudapest schickten, wurden dieselben, infolge eines Protestes der orthod. Partei, mit der Weisung rerournirt, die gewünschten Aenderungen, resp. Umarbeitung vorznnehmen. Nachdem die alten Statuten im.Gemeinde-Archiv zur ewigen Ruhe bestattet wurden,'wurde eine neuerliche Kommission zusammeugesevt, um andere Statuten im Sinne der Orthod. abzufaffen. Nachdem die Kommission ihre Arbeit vollendete, wurden dieselben dem Rabbiner s. A. vorgelegt, der sie auch bestätigte. . Infolge dessen wurden dieselben von der Generalversammlung angenonnnen: auch wurden sie vom Minister für Kultus und llmerricht bestätigt. Die Neologen von Profession, und die dem Rabbiner prinzipiell Opposition lunchenden Leute und Lerrtcheu, schlugen ungeheuren Lärm, und nahmen zu den Behörden Zuflucht. Infolge einer Anzeige, die seitens der Gegenpartei an den Kultusminister gerichtet wurde, sistirte er die Inkorporation, gestattete sie jedoch wieder, als er über den wahren Sachverhalt aufgeklärt wurde. Als die Gegenpartei sah, daß hier auf diesem Wege nichts auszurichten sei, griff sie zunt Mittel der Trennung. Alle Anstrengungen seitens der orthod. Partei, sie von diesem Schritte abzuhalten, alle Koncessionen von nicht absolut religiöser Natur, die ihr dargeboten wurden, blieben erfolglos; man bot ihr an, die Sache vor eilt aus 3 ung. anerkannten rabbin. Koryphäen zusammengesetztes Schiedsgericht zu bringen, alles umsonst. Die Herren hatten sich in den (Gedanken der Trennung zu weit hineingelcbt, als daß sie vor der Thüre Umkehr machen sollten. Scheinbar willigten sie zwar kn eilt ans 3 galizifchen Rabbinen zusammengesetztes Schiedsgericht, aber nur deßhalb, weil sie wußten, daß die Orthod. aus verschiedenen Gründen hartnäckig daraus bestehen, daß die Altgelegenheit nur von einem ans vaterländischen Nabbinen bestehenden Schiedsgerichte entschieden werde. Da die Gegenpartei irr der Minorität ist, ist es natürliche Folge, daß, wenn die Trennung vollzogelt werden sollte — sie ist es bis zur Stunde nicht — die Orthod. die Mnttergemeinde bilden werden. Von einer Vergewaltigung kann hier ebensowenig die Rede sein, lvie von „falscher Politik." Um die Gewissensbisse einiger ehrlicher, aber einfältiger Leute, die sie zu ihrer Partei zählen, zu beschwichtigen, schickten sie einen Sendboten an 22.1 von Schinova, um ihm ein Schreiben zn ihrert Gunsten zu entlocken; durch Uebcrrednngskünste gelang es ihnen auch. Als aber der Genannte vort anderer Seite aufgeklärt wurde, zog er das erste Schreiben zurück, und gestand in zwei andern öffentlich seinen Jrrthum ein. . Ans ein Schreiben, das die Gegenpartei au y".:rr 2~n richtete, erfolgte eine Antwort voll heiligen Feuers und Eifers gegen sie, ebenso von mehreren r 2122. Bon Alldem schweigt wohlweislich das Pamphlet. Als geistige Urheber dieses Zwistes sind diejenigen Leute in der gedachten >Ltadr zn betrachten, die vermöge ihrer Lebens- und Weltanschauungen Reformer echter Sone sind.