Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 79-80 (6.10.1886)
- Date
- 1886-10-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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um nur hier', sondern in noch zahlreichen anderen jiV drschen Gemeindeir des lurtischcil Reithes iimner nm Abend des I V.^Lchebnt, der der denselben ein Fasttag ist, in den Synagogen öffentlich verlesen, woraus der nächstfolgende Tag als ein Fest- und Frendenrag begangen wird. Tie auf dieses Fest bezügliche hegende oder Geschichte lautet solgcndermastcn: „lYo war im Jahre 2"a"i?"n"n (1352) nach der Zerftöruug dev zweiten Tempels oder im Jahre fiiso nach der jüdischen und il.st) nach der allgemeinen Zeitrechnung. Damals herrschte in der jüdischen Gemeinde zu Saragossa der Brauch, das; dieselbe am Namenstage ihres .Königs mit allen ihren Thorarolleir, die in seidene Gcrvänder gehüllt und mit Hlbcvueu .(fronen geschmückt waren, durch die Straffen der Stadt nach dem königlichen Palastc zog, vor dessen Pforte sic der von seinen Große» umgebene Landcsfürst auf's Huldreichste empfing. Beim Anblicke der irdischen Majestät erhob nun der Lbcrrabbiucr feine beiden Hände, segnete dieselbe und flehte auf deren Haupt und Reich altes Gute und Schöne vom Himmel herab. Run war cs damals in den jüdischen Gemeinden Spaniens Sitte, das; die Thorarollen nicht um sogenannte Gz-Ghaiiru (hölzerne Rollen) gelegt, sondern in Futterale, die man pp'n nannte, gesteckt wurden, gleich einer Mcgillah, und aus der Spitze dieser Futterale ruhte eine silberne Krone. Dieser Gebrauch, die Thorarollen gleich Mcgillorh in Futteralen cmfzubcwcchrcn, ist noch heute in Mittelasien stark verbreitet und in der großen Synagoge zu Khokand findet man sogar mehrere solcher Futterale ans Silber gearbeitet. und mit Edelste inen besetzt, die aber immer nur an beu hohen Festtagen zur Verwendung kommen. Bei der Huldigung ihres Königs benutzten nun die Juden Saragossa's gewöhnlich nur die Futterale zu den Gcschesrollcu, währcud sie Letztere selbst, um sie nicht zu profankrcn, in der Synagoge zurücklicßcn. Nun traf es sich, das; ein gewisser Chajlnl Sclann' dem Glauben feiner Väter untren wurde und zum Gh'riftcnthuln übcrtrai. Gr wusste auch sich bei dem Könige so in Gunst zu setzen, daß dieser ihn mit Würden, Ncichthümcrn und Auszeichnungen überhäufte und ihn sogar zu seinem ersten Rarhgebcr ernannte. Eines Tages nun, als der König mit den Großen seines Reiches bankertirte, kam das Gespräch auch auf die Juden und äußerte sich dieser sehr lobend über dieselben, die cs me an Liebe und Loyalitätsbewciseu ihm gegenüber fehlen layen, und sich sogar an seinem Namenstage der Mühe unterziehen, mit allen ihren Thorarollen vor ihm zn erscheinen, um ihm so zu huldigen und ihn zu segnen. Als der Renegat diese königlichen Worte Härte, erblasste er vor Jngrimm,'erholte sich jedoch sogleich und sagte daun: Mein Herr und Gebieter täuscht sich gewaltig, wenn er meint, das; die bilden Liebe und Loyalität für ihn hegen, da bei diesem Volke Alles nnr Heuchelei und Verstellung ist. Selbst, wenn sie am Namenstage meines hohen Gebieters mit ihren geschmückten Thorarotten vor ihm erscheinen, so ist dies nur eine Heuchelei, da die Futterale leer sind, denn sie lassen die Thorarollen in der Synagoge zurück, um sie nicht durch den Anblick eines christlichen Fürsten entweihen zn lassen. Als der König diese Worte hörte, ergrimmte er heftig und schwur, daß er alle Inden seines Reiches vertilgen lassen werde. Richtig wurde schon wenige Tage nachher ein Teeret ausgeferrigt, in welchem der König befahl, das; an seinem Namenstage alle Juden Saragossa's hingcschlachtct werden sollen. Rach denselben soll dann die Reihe an die übrigen Inden seines Landes kommen. Unter den Schamoschim (Synagogcndienern), die damals in Saragossa lebten, war auch einer, Namens Ephraim Baruch. Diesem erschien in der Stacht vor dem Namenstage des Königs der Prophet Elias im Traume, benachrichtigte ihn von dem traurigen Schicksale, das der Gemeinde bevorsiand und forderte ihn zugleich ans, die Thorarollcn in ihre Futterale zurückzngcben. Der Schämest schenkte jedoch diesem Tranmgebilde keine Beachtung und schlief ruhig weiter. Da erschien ihm der Prophet Elias nochmals, und ermahnte ihn, die Thorarollen unverzüglich in die Futterale zurück',ugebeu und auch Niemandem etwas davon mitzntheilen. Der Schämen sprang mm schnell ans dem Bette und that, was der Prophet von ihm geheischt batte. Als am andern Tag die jüdische Gemeinde Saragossa's mit den Futteralen ihrer Thorarollcn vor dem Könige erschien, da fuhr dieser barsch den Rabbiner und die Vorsteher an, warf ihnen vor, daß sie, um ihn zu verhöhnen „mit den leeren Futteralen vor ihm erscheinen", und habe er daher bcschloncn, alle Juden seines Reiches tödtcn zu lasten. Mil dem Gemetzel werde auch unverzüglich begonnen werden. Ccffuct diese Futterale, die Ihr in Euren Armen traget, ries der König voller Ingrimm, damit alle meine Untcrrhaucn sehen, sollen, wie das verdammte Jndengezücht seinen Spott mit mir treibt und mich statt mir der Thora mit leeren Pappendeckel- und Holzschachteln segnet.' Bei diesen Worten erschrocken die Juden gewaltig und Todtenbläne mallen sich ans ihren Gesichtern. Als der König ihre große Verlegenheit sab, da rief er seine Diener herbei und befahl ihnen die Futterale den Annen der Juden