Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 77-78 (28.9.1886)
- Date
- 1886-09-28
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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vm imw (iJJti)cinit. WinbläUchen ttwllcu wir schweigen, welches in schamlos frivolem Scherze den Versior- . h’itcn mit dem JHcidjcljunö Tr)ms vergleicht und seine» Nekrolog mit de» Worte» Salomonis schlicht: „Keffer du lebender Hund als ein todter Löwe!" Tiefes tllcklässe des „lebenden Hundes" richtet sich von selbst; nur das „fromme" von den Herren Stöcker und Aschcnbrenncr rcdigirte „EhristL.-soz. ^orrcspondenzblatt" möchten wir citiren, welches angesichts des Todes von Laster, Straßmann und Löwcs ausruft „Fallen sch' ich Zweig auf Zweig" und sich zwar jedes Kommentars über diesen höheren Wink enthalten will, diese Todesfälle aber immcr- Imi für sehr bemcrkenswerth halt. Ist cs nicht besser, bemerkt dazu die „Freisinnige Zeitung", stir-cr Gesinnung treu zu sterben, als wenn der eine Zweig des antisem. ehrwürdigen Baumes nach Amerika flüchten muß und der andere Zweig im Lchuldthurme verkommt, oder glaubt etwa das Blättchen, so fragt die „Volkszeitung", daß mau nur gesund werden kann, wenn man einen Falscheid geleistet hat? Nun, die hohen Ehren, welche dem wdtcn Volksttlbunen von der Bürgerschaft dargebracht wurden, haben der Hetzpresse die Lust zu weiteren Verunglimpfungen benommen, und unermüdlich hascht sie nach neuen „Stoffen" zum Ansachen der ersterbenden Flamme. Saimnct}v muß wieder das Pamphlet des Specntanten Drnmont verhalten, und endlich bespricht cs auch der „Reichsbotc" in langem Leitartikel; er tadelt zwar die vielen Unwahrheiten und Uebertreibungen, rühmt aber sonst das vortreffliche Buch, indem er zur ssharaklcrisirung der Machtstellung der französischen Juden hcrvochcbr, daß selbst der Erzbischof von Paris von den Juden gezwungen worden sei, gegen seinen Glaubensgenossen Trumout öffentlich aufzutme». Doch auch Trumout ist bald abgcschricbeu und ein „neues Bild" erscheint. Hatte da jüngst dw „Kölnische Zeitung", als die gelammte unabhängige Presse Europas einen Schrei der Entrüstung ob der Frcvelthat der bulgarischen Banditen erhob, die Pöbclhaftigkeir sich gestattet, zu schreiben: „Alle großen und kleinen Propheten von Moses bis Eohn kcien entrüstet und liefen durch die Straßen und schrieen Auwaih...." Wir glaubten aus gcscll- ' Ärmlichen Rücksichten gegen unsere Leser von diesen rcrachtungswürdigen Hexereien des „Weltblarres" keine Notiz nehmen zu sollen; da aber ein anderes indisches Blart, mir sehr vernünftigen Gründen an das Ehrgefühl der Juden „von Moses bis ^ohn" appclline, dem Antisemiteublarie keinen Bmrrüg nwhr an Jnftraien und Abonnements zu- .ommen zu lassen, erhebt die „Krcuzzeirung" ein Zetergeschrei ob dieser „acht semitischen Drohung". Ja, „das'kommt davon, wenn mau «rillisemitiich ist", - ruft das edle Blatt aus, „und )vie hatte Israel feiner Zeit gelärmt, als die Antisemiten die Parole ausgegeben hatten: „Laust bei keiner» Juden!" Tie Logik dieser Leutchen ist doch zu herrlich. Jene VaterlaudSretter haben ohne Grund und Ursache ihre Angriffe gegen friedliebende Bürger gerichtet, sie hatten Adreßbücher „christlicher Firmen" drucken lassen und den Bannfluch gegen alle llcDcrtrctcr des Gesetzes ausgesprochen, und heute nennt Freiherr von Hammcrsteiu es eine „acht semitische Drohung", wenn wir unsere Gelder nicht Zeitungen hingcben wollen, die gleich den Gassenjungen Himer uns lärmen und höhnen? Wir können daher nur den Protest wiederholen, das Anftandsgefühl unserer Glaubensgenossen wird zu ermessen wissen, inwieweit es sich geziemt die Judenfeinde in ihren Bestrebungen durch die That zu unterstützen. Aber alle diese Angriffe können kein sonderliches Interesse mehr erregen, sie bilden nur die Blechmusik vordem Qnartalswechscl, und leben muß doch schließlich jeder Mensch!*) Bl. Clbirrg, 21. September. Unser Rabbiner Dr. Kopfstein ist zum Rabbiner in Bad Ems gewählt morden. Dr. K. gehört der gesctzcstrenen Richtung an und wird dcßhalb seinem hiesigen Aufenthalte keine Thränen nachwcinen. Für Ems ist die Wahl um so erfreulicher, als für die Badegäste cs von der höchsten Bedeutung sein muß, die Schcchita von einer religiösen Persönlichkeit geleitet zu sehen. Ed. Sc. (5'ydtknhucn, 22. Sept. Wie ich Ihnen im April berichtete, wurde im März d. I. in einer ans den Vorstehern und Repräsentanten der Synagogen-Gemeinde recrutirtcn Versammlung der Bau des Lren-Kodesch in unsrer Synagoge, dessen wir 13 Jahre hindurch entbehren mußten, fest beschloß en. Diesem Beschlüsse ist jetzt die That gefolgt. Wir besitzen nun ein erhabenes prachtvolles Heiligthnm, dessen Aufrichmng für uns nnniöglich gewesen wäre, wenn nicht die' auch in diesem Blatte erwähnte edle Spenderin, Fran Marie Schereschewskn, zu diesem frommen Zwecke einen ansehnliche» Betrag gegeben hätte. *> An NI. der Red.: Vir können das Vorgehen jenes Vianes nichr gurbeixen. Veiolgr wird eine deranige Aufsorderring nichr: denn, wer eine Anreize in der .Kölnischen Zeirung" m yeröiinulichen tür nsrLig sinder, wird es deshalb uidfi unter' innen: dagegen find derlei Inslnualionen nur gecigncr. c?ehässigkeiren hervorrurnfcn. j