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Der Israelit · 1886-09-28 · Heft 77-78 (28.9.1886) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 77-78 (28.9.1886)
Date
1886-09-28
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Stolz bilden und in der Regel etwa lauten: „Mein lieber Cohn, Sie haben in dieser Angelegenheit wieder so große Dienste erwiesen, daß ich Ihnen meine Anerkennung nicht versagen kann. Ich bleibe Ihnen in Gnaden wohlgewogen. Wilhelnl." Dabei ist zu bemerken, daß Cohn für seine Mühewaltung kein Honorar annimmt, Cr dient seinen! Kaiser als Freiwiltiger, ans patriotischer Begeisterung, aus ganz speeifischer Hingebung an dessen Person und Familie. Seine intimen Freunde kennen diese Gesinnung so genau, daß sie allen Trustes behauptet haben, Cohn hege die Absicht, in seinem Testamente den Kronprinzen zum Universalerben einzusctzen und seine leibliche Tochter, eine in jeder Hinsicht vortreffliche Dame, ans ihren Pflichttheil zu beschränken. Ter Kaiser weiß denn auch einen so treuen Diener nach seinem Wcrthe zu schätzen. „Da muß ich bahn fragen," ist stets seine Formel, wenn es sich um einen finanziellen Schritt handelt und niemals ist sein unbeschränktes Vertrauen im geringsten schwankend geworden. Baron Cohn hat sein Dieustloca! im ersten Stock des ehemaligen Palais des Prinzen Friedrich, das der Kaiser gekauft und mit dem kaiserlichen Palaste verbunden hat. Der Hof-Staatssecrctär v. Bork haust um volle zwei Stockwerke höher. Ursprünglich hatte man ihm wohl seine Bureaux in einem entlegeneren Tracte zugcwiesen, er lvnrde jedoch beim Kaiser vorstellig darüber und versicherte ihn, es würde für die Majestät gleichsam beleidigend sein, wenn sie ihr Vermögen einmal sollte mit ihren eigenen Angen inspiziren wollen und zu diesem Zwecke „da hinten 'rum" gehen müpen. Daraufhin bekam Graf Pückler die Weisung, für ein entsprechenderes Local zu sorgen. Der Kaiser verkehrt mit seinem Hofbankier überhaupt auch persönlich in der gnädigsten Weise, wie cs eben der persönlichen Vertrauens stell n ng desselben entspricht. So manchesmal erzählt sich Berlin ein hübsches Wort, das bei solchen Anlässen gefallen. Cinmal z. B. kommt Baron Cohn zum Kaisertum ihm zu seinem Geburtstage zu gratnlircn. „Ach Gott, mein lieber Cohn," bemerkt ihm der Kaiser, „die rechte Freude hat man doch nicht mehr, man wird eben trotz alledem von Jahr zu Jahr älter." — „Majestät," erwidert Cohn, „das har gar nichts zu sagen, wir geben Sie doch nicht unter pari." Cs versteht sich von selbst, daß diese Beziehungen auch bestinunend für Cohn's Vcrhältniß zur Berliner Gesellschaft sind. Cr steht bei derselben, namentlich bei der amtlichen Well, in keinem geringen Ansehen und der Finanzminister soll ihn mir besonderer Aufmerksanzkeit behandeln. Judepen nützt er seine Stellung gjrsellschastlich wenig aus. Cr führt eme bei seinem Vermögen, das mau ans vier Millionen Dhalcr schätzen will, ausfallend einfache Lebensweise. Lbglemr er in Berlin ein schönes Hans besitzt, ziel» er es vor,' dasselbe zu vermielhcn, und wohnt selbst zur Mierhe in zwei simplen Parterrezinunern eines Hotels, so daß er eigentlich in Denan bei feinem Bankgeschäft und nicht in Berlin zu Hanse ist. Cr bezahlt ans diese Art weniger Stenern und das entspricht völlig seiner Steigung zur Sparsamkeit, lieber diese volkswirthschaftlich ganz schätzbare Eigenschaft muß er sich manchen Scherz gefallen lassen: aber das macht ihn in seinen Grundsätzen nicht wankend. „Aber Cohn," sagte ihm einst eine hochgestellte Person, die ihn besonders schätzt, „Sie leben ja wie ein Schuster, was machen ^ie denn mit das viele Je!d?" — „Ich vermehre cs," entgegnete er kurz und bündig. Mit Vorliebe gicbt er seinen Intimen kleine Tiners, mit Champagner und Stadtneuigkeiten, welch letztere er mit Erfolg culrivirt. Im Allgemeinen ist er ziemlich zurückhaltend, ja bescheiden in der Geltendmachung seines Einflusses. Man hat ihn z. B. wiederholt gefragt, warum er seinen Schwiegersohn, einen Breslauer Bankier O., nicht mit einem pap enden Titel, zum mindesten doch mit einem Commerzienraty, versehen lasse. „Nein, nein, so was thue ich nicht," war immer seine Antworr. Cr will für sich und seine Familie keine Benefizien erzielen. Diese Uneigennützigkeit schließt den Stolz aus seine Stellung nicht aus. Tie nicht systematisirbare Ansnahmestelle zum Hofe, die er einnimmt, ist seine einzige persönliche Genugrhuung. Im llebrkgen ist er frisch und gesund und har sich fest vorgenommen, dreknndneuuzig Jahre alt zn werden: so alt ist auch feine Mutter ge orden. Berlin, 21. September. Kaum jemals ist die sittenlose Verworfenheit eines Theiles der A tisemitenpresse, eine Verworfenheit, welche ohne Treu und Glauben auch vor dem Heiligsten nicht zurückbebt und bis in den Tod hinein schändet und Verleumder, klarer zu Tage getreten, als in der letzten Woche anläßlich des Hinscheidens des Abgeordneten Ludwig Löwe. Während wir unmittelbar nach dem Tode dieses Mannes melden konnten, daß die antisem. Prene schweige, wurden wir wenige Stunde» daraus durch die giftigen Angriffe, welche gegen den Tvdten in einer Schmutzpresse erhoben wurden, eines Beperen belehrt. Ta»; das „Deutsche Tageblatt" den Neigen eroifnere und den „Valides Anrifenürismus^wie sie Löwe nannre, in allen ^charrirnngen des Gapenwues zu besudeln wagte, wird Keinen Wunder nehmen, welcher dieses saubere Trgau zu kennen die Chre har: auch von

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