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Der Israelit · 1886-09-28 · Heft 77-78 (28.9.1886) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 77-78 (28.9.1886)
Date
1886-09-28
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Ihuciti' Beilage ju Nr. 77 Sc 78 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Eorrespoudenzen. D e u t s ch l a n b. Mainz, n). September. Der „PcsterAoyd" enthält eine interessante Skizze, der wir Folgendes entnehmen: Eine der urwüchsigsten Persönlichkeiten derSpreeülesidenz ist der H ofba n k i e r C>, o 1) n. Eigentlich muß man sagen: Moriz Freiherr v. Eoh» Ereelleuz, denn ei ist wirksich Baron und der Herzog von Koburg hat ihn thatsächlich zur Ereelleuz geinacht. Seine ini iiiiftcn Freunde, Ivel che an ihm eine gewisse Borliebe für wohlklingende Ehrentitel bemerkt haben mögen, tituliren ihn mitunter „Freiherr Aaron >> i'i)l)ii, Edelmoiiu aus Dessau," was gewiß ausiuljillch genug lautet. Bo» Feit zu Zeit versichern üe ihn aätK, auch mit jenem Ernst, mit dem um» tim de» Scherz behandeln soll, sie hätten neuerdings schritte gethan, um ftiite Erhebung in den Grafen, siaiid zu beiotrkeL Wd da eS »Oer feinen Jntimcii h in hochgefteAe Herren giebt, klingt selbst rin solcher Lcherz gewissermaßen schmeichelhaft. „Graf Cohn," da-? ginge allerdings etwas weit, obgleich es in Frankreich sogar einen „Duc de Lävy" giebt, der übrigens nicht aus Palästina stammt, sondern einem allerchristlichsten Geschlecht des. Faubourg Saiut-Ger- »iiii» angchört. Selbst im demokratischen Italien giebt cs nur eine» Cavaliere Levi, welcher Professor der Kinderkrankheiten an der »ikdieiiischeii Schule zu Florenz ist, aber feinen Baron Eoh», wie im eo». leivotivcn Preußen. Auch die Orden, welche Baron l^oh» besitzt, sind gar nicht gewöhnlicher Art. Er besitzt de» Stern zum Rothen Adlerordc» zweiter iIasse, ferner baierische, dessauische, kobnrg'sche und badische hohe Orden, endlich, was das ltugewöhnlichsle ist, ist er Lommandeur des Hohekrzollern'schen Hausordens, eine Auszeichnung, die ganz besonders ^kennzeichnend ist für die Gunst, in welcher der Hofbankicr a.n allerhöchster Stelle steht, Welches Erstmukru schauerte durch Berlin, durch ganz Preußen, als Baron Cohn diese» Orden bekam, und zwar, was die Verleihung noch sensationeller machte, gleichzeitig mit Herrn v. Puttkamcr, dem Biceprästdente» des Ministeriums! Ja noch mehr, der Baron besitzt sogar einen Orden, der nur in einem einzigen Eremplare vorhanden ist. Selbst Heraldiker und Hofkaleiider-Capacitäten dürften das nicht sänimtlich wisse», und doch ist dieser Orden ei» preußischer oder vielmehr die ml hoc geschaffene Variante eines solche». Als nämlich, der (damals »och nicht baroniv sirte) Bankier vom König Friedrich Wilhelm IV. . seinen erste» Orden erhalten sollte,chatte der Monarch das Zartgefühl, sich die Frage vorzulegeii, ob sich das auf deiiEOrdeuszeichen vorkoinmciide christliche Kreuz auch mit dem »»christlichen Glaiibensbekeimt- »iß des zu Dekorirciidcii vertrage» würde. Er berneinlc sich diese Frage, wußte aber auch spfort Rath und entwarf eigenhändig eine eolorirte Zeichnung, welches jenes Ordenszeiche» mit der königlichen Romeuschiffre an Stelle des Kreuzes darstcllte. Nach dieser Zeichnung wurde die Decoration angcfepligt, ein liniknm in der großen Ordensmiisterkarte der Wekt und dereinst ein Mnsealstürk ganz besonderer Art. Wie der Leser sich wohl denken wird, können die Bcrdienste eines so behandelten Finanzmaiincs »m die Dynastie nicht gering sein. Die Verdienste beginne» schon in Dessau, wo er das von seinem Vater ererbte Bankgeschäft noch jetzt in Ehren führt. Wie vor ihm sei» Vater, war auch er ursprünglich nur Bankier des Herzogs von Dessau. Da kam das Jahr 1848 mit seine» plötzlichen Umstürzen »nd eincS Tages brauchte der damalige Prinz von Preuße» augenblicklich hunderttausend Thaler. Eoh» streckte sie vör°ü»d der Prinz hat ihm dies später auch als König und Kaiser nicht vergessen. Dies war der Anfang der freihcrrltch v. Cohu'schen Größe. Eoh» wurde Hofbankier und erhielt die Verwaltung des kaiserlichen Privatvermögeus. Seitdem steht auf seiner Visitenkarte: „Königlich preußischer Hofbankier und Verwalter der Schatulle Sr. Majestät des Kaisers." Seitdem ist auch diese Verwaltung daS Hauptinteresse seines Lebens; erst in zweiter Reihe kommen seine eigenen Geschäfte. Tag und Rächt denkt und träumt er nur davon, wie er der Schatulle seines Kaisers nützen möchte. Er hat ihr auch j» der That in glänzender Weise gzWcholfeu. Mit Erstaunen sah der Monarch unter Toyu's geschickten Händen vergessene Werthe wieder auflebe», nicht beachtete Hilfsquellen plötzlich ergiebig werdest. Capitalien bildeten sich, wie von selbst, und Erträgnisse stellten sich wie durch einen Zauberschlag ein. Die kaiserliche Schatulle gedieh in ganz merkwürdiger Weise und immer häufiger sah der Monarch sich veranlaßt, an seinen Hofbankier eines jener kurzen Handbillets abgehcn zu lassen, welche Cohn's höchsten

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