Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 77-78 (28.9.1886)
- Date
- 1886-09-28
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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„Du (muicim deßhatb Deine Pläne nicht auf' zugelum; ich Ijoffe \u (Moll, das; cs uns gelingen wird, Näheres über die Tvcunilie des Rrädcheus zu erfahren. Am besten könnte der Räuber selbst darüber Auskimst geben. Hast Du beim (Bericht die Anzeige gemacht und ist der Mensch samml seinem Spießgesellen verhaftet worden?" „„Ich wollte die Anzeige machen; allein Li-'schcn bat mich inständig, das nicht zu thnn. Ihr verrncintlichcr Later habe sich gegen sie stets liebevoll benommen und sie namentlich vor den von seiner Iran oft genug beabsichtigten Mißhandlungen geschützt. Ich habe ihren Litten nachgegebeu und die Anzeige unterlassen."" ~ „Wir müssen sehen, daß der Räuber gutwillig uns Auskunft ertheilt, man muß ihm dafür eine große Belohnung gewähren; ich will es mich gern eine größere Summe kosten lassen." „„Du, Onkel?"" „Höre mir zu, Kaufmann, ich will Dir eine Eröffnung machen. Du weißt, daß wir ein Töchtcrchen hatten, mit dem Du als kleiner Knabe manchmal gespielt hast. Deine Mutter hat Dir erzählt, unsre Esther sei gestorben. Sie that das deßhalb, damit Tu die Tante und mich durch Deine kindlichen Fragen nicht ausregest. Unser Kind lebt vielleicht heute noch. Es ist uns gestohlen worden. Ein ehemaliger Knecht meines seligen Schwiegervaters, Namens Zodik, hat das Kind geraubt, um sich an der Tante zu rächen, die ihm einen Korb gegeben hatte, als er um sie warb." „„Großer Gott, da ist vielleicht Lieschen „Unsre Tochter. Es kann sein, es kann auch nicht sein. Die Welt ist groß, und cs ist schon mehrfach vorgekommen, daß indische Kinder geraubt sind worden. Du kannst Dir denken, daß uns Alles daran liegt, uns darüber Gewißheit zu verschaffen. Willst Du uns dabei behilflich sein?" „„Ob ich will!"" „Die Pferde, die Du mitgebracht Haft, können Dein Vater und Dein jüngerer Bruder verkaufen. Freilich verstehen sie das Geschäft nicht so gut wie Du. Sollte jedoch durch Deine Abwesenheit etwas daran verloren werden, so bin ich gern bereu, den Schaden zu ersetzen." „„Sprich nicht so, lieber Onkel. Mir Vergnügen würde ich mein ganzes Vermögen daran setzen^- um über Esther's ..Herkunft, Bestimmtes in Erfahrung zu bringen/ Ich reite sofort nach Tongern zurück, mierhe mir in der Rahe einige handfeste Männer und begebe mich mir ihnen zu Gorrhelf. Ich bedrohe ihn mit der gerichtlichen Anzeige, wenn er sich wcigerr, mir Auskunft zu enheücu. verspreche ihm aber eine große Belvhmukg, roenn er mir die volle Wahrheit sagt."" „Ihne das, mein Solm; nimm Dich aber wohl iu Acht, daß Du Dein Leben nicht auf's Reue gefährdest." „„Habe keine Sorge um mich; ich werde schon vorsichtig sein."" Am andern Tage in der Frühe machte sich .Kaufmann auf den Weg, um das Wkrthshaus in der Nähe von Tongern aufznsucheu. Wir müssen nun in unsrer Erzählung um einige Wochen zurückgreifen. Frau Gotthelf war, wie wir berichtet haben, ihrem Manne und dem schwarzen Philipp in den Garten nachgceilt; sie fürchtete sich jedoch, ihnen in den Wald zu folgen. Als sie in das Hans zurückkehren wollte, fand sie die Hiuterthüre verriegelt. Ihr ahnte nichts Gutes. Sie ging wieder in den (Karten, wohin auch bald ihr Mann kam, der die nutzlose Verfolgung anfgcgeben hatte. „Tie Hiuterthüre ist verriegelt." rief sie ihm entgegen, „wer weiß, was der Jndenbakg angestellt hat!" Gotrhclf erwiderte nichts; er begab sich zu der Hofthüre und klopfte an dieselbe. „Lieschen, mach auf!" schrie er aus Leibeskräften. Es kam keine Antwort. „Lieschen, fürchte Dich nicht; es soll Dir nichts geschehen. Mack' nur die Thüre auf!" Wiederum kam keine Antwort. Gotthelf holte nunmehr eine Leiter herbei, stellte sie an das Hans, stieg hinauf, erbrach das Fenster von Lieschens Zimmer und stieg hinein. Das Zimmer war leer. Er ging in den Hof hinunter. riegelte die Hofthüre auf und gewahrte feiner wartenden Frau Einlaß. „Das Mädchen ist nicht da", sagte er. „„Siehst Tu"", schrie die Frau, „jetzt hast Du die BesÄeerung! Die Dirne ist mit dem Inden entflohen. Sie werden uns anzeigen, und nicht lange wird es dauern, und die Gensdarmen werden kommen! Ich habe Dich immer vor dem Indenbalg gewarnt; Du wolltest aber nicht hören. Ich aber hätte klüger sein sollen! Mir meinen Händen harre ick die Dirne erdrosseln sollen! Jetzt laß uns unser Geld und unsere .Kostbarkeiten zusammcuraffcu nu) eiligst enlüiehen."" „Sei nicht rhörichr, Weib", antwortete Gorchelf. „Lieschen wird uns nicht verratheu und auch nicht dulden, daß der Pferdehändler uns anzeigt. Wir wollen zu. Belte gehen; ich bin müde."