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Der Israelit · 1886-09-28 · Heft 77-78 (28.9.1886) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 77-78 (28.9.1886)
Date
1886-09-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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cs sich um das höchste Lebensziel,'.lurim cs fiel) mu die höchste Pflicht handelt, uns sich einen Menschen, ein Gott ähnliches Wesen zu mache», da ihn ja seine Gestalt, seine Kräfte nnd'.'Fähkgkcitcn, sein Verstand, seine Vernunft. sein Gefühlsleben darauf hinweist, danach mit aller Macht 311 streben? Gewiß ist es möglich, sicherlich liegt die Mm ft iu uns seit Anbeginn der Schöpfung, aus dem Stoffe, aus dem Gott uns geschaffen, ans dem er uns zur Menschengestalt geformt hat, auch einen wahren, echten Menschen zu bildert und zu schassen. Wollen wir denn aus der meisterhaft schönen Menschenform eine Mißgestalt machen! Wollen wir uns eine andere Bestimmung geben, als.wozu der Schöpfer »ns bestimmt wissen will! Wollen wir den hohen, edlen Geist, den gesunden Verstand, die reine Vernunft, das gefühlvolle Herz , womit der Schöpfer unS begabt hat, in uns verkommen lene«, unterdrücken, vernichten und nur den rohen Stoff unseres Körpers pflegen! Wollen wir nur die Form als den wahren, echten Menschen ansehen und sie allein pflegen und entwickeln! Was sind wir denn, wenn unser Körper recht blühend, gesund und kräftig ist? Nichts weiter, als vielleicht das schönste unter allen Geschöpfen; aber darum noch nichts Besseres, Edleres, Höheres. Ihr sollt aber ein Höheres, ein auswärts strebendes, ein auswärts Steigendes ans Euch machen. Darum spricht der Heilige, gelobt sei Er: „Thuet Buße in den 10 Tagen von bis r"n\" Der Schopsungstag, an dem ^Gott den Stoff zu allen Welten und Wesen geschaffen, an dem Er die Kräfte und Fähigkeiten zur Entwickelung und Bildung und zur Erhaltung seiner Schöpfung in dieselbe gelegt hat, er ist für alle Zeiten vom Schöpfer bestimmt und anserschen, um an ihm über seine Welt zu wachen, zu scheu, ob und daß sie seine Absicht erfüllt, die Bestimmuug enthält und erreicht, wie Er cs gewollt. Darum ruft er Alles vor seinen Richrerstuhl, aus daß eilt Jedes Rechenschaft ablege. Und nun, wenn die Schöpfung im Großen und Ganzen noch immer s0 ist. so-sich entwickelt und fvrtbildct, wie cs des Schöpfers Absicht von Anbeginn war, nur der Mensch, den Er zum Herrn, und Verwalter darüber eingesest, steht vor Ilun als ein seine Bestimmungen verfehlt habendes Geschöpf, das mit Absicht, mit Bewußtsein ans sich etwas Anderes gemacht und gebildet hat, als wozu sein Schöpfer es geformt har; der Mensch hdu da und muß bekennen, das; er die Form an sich allein gebildet und bewahrt, den Geist aber ans seiner Bahn gerückt, ihn abwärts geleitet, statt auswärts. hin zur Erde, statt hinaus ln die Hohe; daß er den Geist kn Fesseln geschlagen, nur znm Dienste der Form verwendet, auuutt die Form zur edlen schale des. Geistes zu machen: wenn der Mensch so vor Gott konuni, in dieser Gestalt wird ihn der Schöpfer nicht als 3 c i n Geschöpf erkennen und anerkennen. Das ist ja nicht der edle Mensch, den Ich geschaffen, den Ich gewollt, spricht Gott, gehe hin, rrmw?! rrz"j, lehre mu, betrachte beit heurigen Schöpsungstag auf's Neue als den Tag, an dem ich dir die Form verliehen znm Menschen; gehe hm und werde Mensch! Zehn Tage gebe ich dir Zeit, bcii richtigen Weg eiuzusthlageu, den Weg, der dich auswärts'führt. „Wenn du diese» einschtägst, dann werde ich am Bersöhnrmgstage dich rein und schuldlos ansgcheiff lassen und werde dich als ein neues Geschöpf schaffen, aus daß du von nun an and} in Wahrheit ein Mensch wirst und auswärts strebst deinem. Meuscheuziele zu. Dieses Ziel, es liegt hoch, zn-rsr*. „Machet aus Euch ein Ganzes, aufwärts Strebendes, Ausstekgendes V* Das ruft uns der m zu. Das ist die unendliche Liebe und Gnade unseres Schöpfers, das; Er uns immer auf's Neue erlaubt, an zu fangen, auch wenn wir vorher nicht über die Form hiuausgekommen, anzufangen, edle, gute Menschen zu werden. Mochte dieser Wunsch unseres Schöpfers auch unser Wunsch sein am Zeituttgsirachrichien und Correspouderrze«. Deutschland. Frankfurt a. M Das zweite von der Familie Rothschild aus dem Röderberg errichtete Krankenhaus, und zwar ein Kinderhospital, wurde ^vorgestern mit der Ausnahme einiger Patienten eröffnet. Posen, im September. Die jüngste Nr. dc>5 Ind. Literüturblatres bringt bei Gelegenheit der Besprechung einiger neuen jüdischen Kalender einen heftigen "Ausfall gegen eine von hier ans dem „ISraclit" mitgerheilte Acußernng über den Liebermann'fchen Kalender. Es wurde f. Z. gerügt, dw> dieser Kalender, der doch ein jüdischer Volkskalender sein soll, eine Erzählung bringe, die lediglich ü: Spöttereien über einen ralmudischen Ausspruch und die angebliche Beschränktheit alrjüdifcher Rabbiner gipfelt. Diese Aeußernug bringt mm Leu Krimdes jüd. Lit. Blattes gewaltig in Harnisch. Man muß hierbei nicht außer Acht raffen, daß über de- Kalender im Allgemeinen nichts erwähnt wurde, da das Referat, wie ausdrücklich bemerkt wurde, keim Reeenüon sein sollte.

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