Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 77-78 (28.9.1886)
- Date
- 1886-09-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXVII. Jahrgang. (elfte iVilngp JU 3!r. 77 $c 78 brs Leitender Artikel. Zum Nc'rijal-rsftste. Bon vr. H. Säuger. Tic Zeit von n"i bis 2''rv ucmtcii wir „Die zehn Bus; tage." Wie wir uns dabei zu verhalten haben, wird uns mit kurzen Worten in dem Abschnitt der heiligen Schrift, welcher von n”i handelt, angedeutet. Während es bei der Darbringung der Opfer an den übrigen Tagen des Jahres und besonders an Festtagen immer heißt: crcipm „Ihr sollt ein Ganzopser darbringen," ergeht am n"*i an uns die Aufforderung rftij? crvirj?: „machet ein Gauzopser!" Rabbi Jizchak macht hiezu die Bemerkung: 2",ti n"~! t'2 E'ct? mxryz r>2i2*n rzy n"2pns ,nnr. m2 orn« r"rr2 arr« nr*^ •V'p^n nx D'p‘7« zy"> „Der Heffige, gelobt sei Er, sprach: Thuet Buße, in den zehn Tagen von n"~ bis 2"rr und Ich werde Euch frei sprechen am r"rr und schaffe Euch als neue Geschöpfe, so wie es heißt: Und Gott machte die Ausdehnung." Dunkel, ja räthselhast scheint diese Bemerkung. Suchen wir eine Erklärung hicsnr! rp"n r.« L'pvrr zy"i „Und Gort machte die Ausdehnung" heißt es am zweiten Schöpfungstage, nachdem Gott schon vorher gesprochen jrp“! \t „Es werde eine .Ausdehnung", llnsere Weisen fragen: Wenn Gott gesagt hat „Es werde eine Ausdehnung," wozu war es nöthig zu sagen: „Und Gott machte die Ausdchmlng,"während bei der Schöpfung des Nichts fteht -hk \~n HiK\t „Gott sprach: cs werde Licht und cs ward Lichts" Die Antwort lautet: Gott hat, die Ausdehnung, nachdem er gesprochen „Es sei. eine Ausdehnnng" und damit die Schöpfung derselben vollendet, ihr doch erst dadurch, daß es heißt: „Und Gott machte die Ausdrynung" die Form, Gestalt und Bestimmung für alle Ewigkeit gegeben. _ Auch bei der Schöpfung der Himmelslichter, Sonne, Mond und Sterne sprach Gott. Sein „Werde" und dann heißt cs r.vrjr:n tk 2'p?-r zy" „Und Gott machte die Lichter." Das Licht war schon am ersten Schövsungstage geschaffen. Unsere Weilen cr- Uärcn. auch hiebei: Wohl war der Stoff zur ganzen Schöpfung am ersten Tage geschaffen worden, aber seiner Bestimmung wurde ein jedes Einzelne erst in den folgenden Tagen übergeben, sowie auch dann erst i!un die Form für alle Seiten ausgeprägt wurde. Der Mensch ist zwar auch dltrch (Lottes Schöpferwort ins Dasein gerufen und durch die Schöpferhand wurde auch ihm Gestalt und Form für alle Ewigkeit unveränderlich aufgedrückt uud seine Bestimmung ihm angewiesen; die materielle, lörperliche Seite des MenschengeschöpscS wurde ihm von seinem Schöpfer in ganz bestimmter Form gegeben, aber nicht so der geistigen Seite desselben, nicht dem Geiste, der doch das Wesentlichste und Wahrste des Menschen ist. Ten Geist des Menschen har Gott der Herr und Schöpfer nicht in gewisse Grenzen gebannt, sondern frei und ungehindert kann und soll der Mensch seinen Flug beginnen und immer höher sich ausschwiugen. Während also die ganze übrige Schöpfung von. Gott geschaffen und ihr die Form, Gestalt und Bestimmung streng und unabänderlich angewiesen wurde, ist es dem Menschen in die Hand gegeben, sich selbst glcichsarn erst zu schaffen, sich selbst die Bahn und Richtung für feinen Geist vorzuschrcibeu. Seiliem Geiste die Bestimmung anzuweisen, sein Geistesleben zu regeln und zu bilden, darüber ist der Mensch-Herr.— Der Mensch ist also, und sei er körperlich noch so schön geformt und gestaltet, uichts weiter, als ein Stoff, ans dem erst dltrch seinen eigeneu Willen, durch die Bestimmung, die er seinem Geiste anweist, durch die Pflege, die er ihm angcdeihen läßt, der wahre /Mensch sich entwickeln soll. crvrjn Und Ihr sollt ein Ganzes, ein Aufwänsstrebendes, ein Aufsteigendes aus Euch machen. Wie viel ganze echte Menschen gicbt es? Wie Biele weisen ihrem Geiste eine stets auswärts steigende Richtung an? Und wer und was hindert uns daran, diese auswärts strebende Richtung zu wählen und cinzubalrcn? Ricmand und Richrs sonst als wir selbst. Wenn man gewöhnlich im Leben etwas sich Donümmf und erstrebt, und besonders nach der materiellen Seite hin. da spannen wir alle mäste an, um unser Vorhaben durchzuführen: und wenn noch so viele Hindernine und Schwierigkeiten zu beseitigen und zu bewältigen wären, man läßt sich nicht leicht znrückschreckcn man kennt keine Schwierigkeit, die der feste Wille nicht zu beseitigen im Stande wäre. Sollte das nrckr ebenwgm rnöglich fein, wenn es sich mn das Erstreben der geistigen Güter, wenn