Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 77-78 (28.9.1886)
- Date
- 1886-09-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Jlnfrc Ijeiliflc Meliflioii macht es uns zur Pflicht, treue uud begeisterte Anhänger unsres Vaterlandes zu fein. Wir dürfe« jedoch uns von der etvigen Wahrheit nicht entferne», die den Kernpunkt unsres Daseins bilden soll. Es hat uns der allgütige Gott diese Tage der Einkehr verliehen, damit lvir unS prüfen, damit wir untersuchen, ob wir unS auf dem richtigen Wege befinden, damit wir zu diesem znrnckkehren, wenn wir von ihm abgekrrt sein sollten. — Viele von unsren Brüdern müssen ihre Kinder in nichtjüdische Schule schicken. Habt Ihr auch dafür gesorgt, daß sie hingeführt werden zu dein Baume des Lebens, daß sie genährt werden mit der himmlischen Kost der göttlichen Offenbarung, daß sie schöpfen lernen aus den Quellen des Heils? Ist das nicht geschehen, woher sollen denn die Kinder die Wahrheit kennen lernen, für die Wahrheit sich begeistern, um sie zum Horte ihres Lebens zu machen? — Die Heranwachsende Jugend widmet sich dem Geschäfte oder den Studien. Habt Ihr dafür gesorgt, daß sie bei Ausübung ihres Berufes nicht in Eonflict geraihe mit den Vorschriften des Judenthums, daß sie sesthalte an der heiligen Sitte der Väter? — Die Heranwachsende Jungfrau lvird in Allem unterrichtet, was die Bildung unsres Zeitalters erheischt; sie lernt verschiedene Sprachen, Musik und andere schöne Dinge. Habt Ihr es aber auch verstanden, die Begeisterung für unsre heilige Religion in ihrem Herzen zu erwecken, sie bekannt zu machen mit der Geschichte unsres Volkes und dessen erhabenen Literaturschätzen, mit den großen Pflichten, die ihr als Jüdin, als künftige Hausfrau und Mutter obliegen? Die edlen Frauen Israels waren es, um deren Tngend willen Gott unsre Voreltern ans der ägyptischen Sklaverei erlöst hat, sie sollen auch heute noch die Hüterinnen und Schützerinnen .unsres heiligen Glaubens sein. — Der Jüngling tritt in die Armee ein, um seinem Berufe alsVenheidigernndBeschswer des Vaterlandes obzuliegen. Wie die Verhältnisse einmal sind, muß er als Soldat manchmal die eine oder die andere Vorschrift unserer heiligen Religion übertreten. Es liegt in der menschlichen Natur, daß man vor der ersten Ueberrretnng mehr, geschützt ist, als vor einer Wiederholung derselben. Aber gerade dieser Umstand sollte uns anspornen, mit verdoppelter Kraft, den üblen Folgen vorznbengen. Da gibt es Väter, die so schwach und leichtsinnig sind, daß sie mitansehen, wie die Heranwachsenden Söhne den Sabbat entweihen oder verbotene Speisen genießen. Und die Väter trösten sich und sprechen: Später, als Soldaten, muffen sie ja doch das eine oder das andere Gebot verleben. — Wie weit sind doch diese Leute von der Wahrheit entfernt! Weil solche Gefahren drohen, füllten sie mit aiier THaltensl den Eharakter der Söhne so zu kräftigen suchen, daß diese, nachdenl sie in den bürgerlichen Stand znrückgetreteu sind, mit bevfeiDeu Sorgfalt die Gehöre unsres Gottes beobachten wie zuvor. 'Nicht nur die Jugend, auch das vorgeschrittene Alter ist in steter Gefahr, vorn rechten Wege abznirren, von der Wahrheit sich zu entferneil. Welchem Berufe der Mensch sich auch widmet, vielgestaltig tritt ihm die Versuchung entgegen, und nur zu oft unterliegt er derselben. Da kommen die Tage der Einkehr, der Prüfung, die uns anfrütteln sollen aus unsrem Schlummer, auf daß wir jede Leidenschaft zu beherrschen lernen und zurückkehren zu der Wahrheit ewigem Quell. Liebevoll streckt uns der allgütige Gott Seine Varerhand entgegen, um uns zu sich zurückzusüheen. „Er ist unser Gott, es gibt keinen anderll!" Möge Er uns Alle einschreiben und besiegeln für das Buch des Lebens, auf daß wir Ihm dienen in Wahrheit. — Aie Sprüche der Witter. II. Buch, zweite Abtheilung. __ XXXXI1. Mainz, 23. September. TDJ& b'zf pw. „Hub misse, daß die Gabe des Lohnes an die Frommen in der zukünftigen Welt ftattsindet." Eliescha ben Abujah war ein großer Gelehrter, ein Schüler des Rabbi Elieser und des Rabbi Josua, ein Genoye des Rabbi Akiba, ein Lehrer des Rabbi Melr. Einst lag er im Schatten eines Baumes und ftndirte. Da kam ein Mann mit seinem Sohne des Weges. Und der Vater sprach: Siehst Du, mein Sohn, das Vogelnest auf diesem Baume? Steige hinauf und hole es mir. Lasse aber die Vogelmutter fliegen, wie es km Gesetze Mosis vorgeschrieben ist. Ter Jüngling gehorchte dem Vater, stieg ans den Baum, ließ die Vogelmnrker fliegen und nahm das Rest fammt den Jungen. Da brach der Ast, ans den er sich gestellt harte; der Knabe fiel zu Boden, brach das Genick und starb. Jammerud trug der Later die Leiche seines Sohnes hinweg. Elifcha aber sprach: Zwei Gotresgebore har dieser Knabe erfüllt, und bei beiden wird langes Leben verheißen, bei der Ehrerbietung gegen die Eltern und beim Fortsckicken der Vogelmutter. Und bei Erfüllung dieser beiden Goiiesgebore mußte dieser Knabe sein junges