Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 77-78 (28.9.1886)
- Date
- 1886-09-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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IM t'du'it finDiincH. — In Folge dieser Betrachtung n'nide <rlifd)a ein Abtrünniger. „Hätte (vUi'iljn \\c-- imifü," bemerken die Wcisen zu diesem Borga,lge H ijniiii M-j), „wie später sein (Md, der 3ul)it seiner Tochter, Rabbi Jakob, die Ijdliflc Schrift erklärte, er wäre kein Abtrünniger geworden.. Es heißt in der heiligen Schrift: •??' pyw»;yo7 27 2v", damit du lange leben und es dir wohlgche. Gibt es denn in dieser Wett ein langes Leben? Und wenn Jemand das höchstmögliche Alter erreicht, ist es nicht, tvie wenn er nur kurze Zeit gelebt hätte? Gibt es in dieser Welt ein ungetrübtes Wohlsein? Ist nicht sorgen- und schmerzensreich säst jeder Tag des menschlichen Lebens? Die Verheißung der heiligen Schrift bezieht sich auf das Jenseits: Damit du lange lebest, im Leben der ewigen Dauer; damit es dir wohlergehe, im Leben der ewigen Seligkeit. Wie mit diesen zwei Mizwoth, verhält es sich auch mit allen andern. *c*7 vra rvn*D -crir. „Der Lohn für die Erfüllung der Gottesgebote wird nicht in dieser Welt ertheilt; er harrt der Frommen in der ewigen Seligkeit." Schon vor Jahrtausenden ist die Frage aufgeworfen worden, warum es den Frommen manchmal so schlecht ergeht, während den Frevlern oft alles gelingt. Da ist ein vollkommen Frommer, und an seine Fersen heftet sich das Elend. Niedergedrückt von Krankheit und Armuth, unglücklich in seinen Familicnverhältuincn, muß er sehen, wie die Verächter der göttlichen Gebote in Gesundheit und Kraft, in Ehre und Ansehen, in Rcichthnm und Fülle ein hohes und glückliches Alter erreichen. Es gibt viele Antworten auf diese Frage. Die eine ist, daß es sich unserer Leurtheilung entzieht, Wer vollkommen fromm und wer durchaus schlecht ist. Manchmal erscheinen Leute als fromm, edel, brav und gut, wahrend sie es in der That nicht sind, während sie im Geheimen große Sünder sind. Andrerseits gibt es Menschen, die als schlecht verschrien werden, während sic im Geheimen derart Gutes rhun, daß ihre öffentliche Gesetzesübertretungen dadurch ausgewogen oder gar überwogen werden. Nur der allwissende Gott, der Herz und Nieren prüft, kennt die Geheimniire der Menschenbrnft. Er vergift nicht nach äußerem Anschein, sondern nach den wirklichen Gesinnungen, und Thaten. . Eine andere Antwort ist die, daß auch in Le- Mg aus unser Unheil über Glück oder Unglück der Schein oftmals trügt. Es kann Jemand arm und elend, ja schwach und krank, und dennoch glücklich sein. Es erwachsen ihm aus dem Bewußtsein der Pflichterfüllung viele und große Freuden, die ihm reichlich Ersatz bieten für die Schmerzen der Krankheit, für Kummer nnd Sorge. Dagegen gibt.es Menschen, die äußerlich glücklich erscheinen, deren Wohlsiand und Famiiieiiainck, deren Ruhm und Ansdien vielfach beneidet wird'— in der That sind sie aber im höchsten Grade elend nnd unglücklich. Gewissensbisse verscheuchen den Schlaf von ihrem Lager, verbittern ihnen Ns leckere Mahl; Zwistigkeiten im engsten Familienkreise, von denen die Wett nichts erfährt, machen sie so elend, daß selbst der Ärmste nicht mit ihnen tauschen möchte. Beide Antworten geben keine vollständigeLösung, da cs immerhin Fälle geben wird, in denen sie nicht zutrefsen. Eine ausreichende Lösung dieser anscheinend so räthselhaften Vorgänge gewährt die Erwägung, daß unser Leben mit dem Tode nicht abgeschlossen ist, sondern, daß es ein Jenseits gibt, in welchem der Fromme Belohnung und der Böse Bestrafung findet. Es gibt keinen Menschen auf Erden, der, wenn auch noch so fromm, nicht auch sündigt. Ihn straft der Allgerechte in dieser Welt für das wenige Löse, das ev gcthan, damit er in der zukünftigen Welt der vollkommenen Seligkeit thcilhaftig werde. — Es gibt keinen Menschen, der, wenn auch noch so schlecht, nicht manchmal auch etwas Gutes vollbringt. Ihn belohnt der Allgerechte für das wenige Gute, das er gethan, in dieser Welt; um so vollständiger wird feine Strafe im Jenseits sein. — Daß eine Belohnung des gottgefälligen Lebens hicniedcn nicht immer ftattfindet, das hängt mit einem fundamentalen Grundsätze unserer heiligen Religion ans das Engste zusammen. Dieser fundamentale Grundsatz ist die Freiheit des Willens, das höchste Gut, welches der Allgütige dem Menschen verliehen hat. Würde Jeder, der die Säbbathrnhe sorgfältig beobachtet, sofort reich werden, derjenige aber, der sie verletzt, ersichtlich verarmen, würde die Beobachtung der Spuscgesetze und der ehelichen.Reinheits- Vorschriften die Gesundheit ersichtlich erhalten, während die Verletzung derselben stets Krankheit und Tod im Gefolge hätte, so wäre damit die Freiheit des Willens aufgehoben. Würde jeder Betrug und jederTiebsrahl an den Tag kommen und bestraft werden, während Ehrlichkeit und Rechtlichkeit sofort reichliche Belohnung fänden, so wäre damit die Freiheit des Willens rhatsächlich aufgehoben. Nur dann, wenn das Laster oft unbestraft und die Tugend oft unbelohni bleibt, kann von einer wirklichen Freiheit die Rede sein. Taber hat es der allgürige Gott in seiner Weisheit so eingerichtet, daß die Belohnung für die Vollbringung der GorlcSgebote und das Übertreten derselben in dieser Welt nicht stattnndet. Wer nunmehr eines gottgefälligen Lebens sich befleißigt, thut