Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 76 (23.9.1886)
- Date
- 1886-09-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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- Tunis 3× ep/1048155
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und War wahrscheinlich für inuner verlassen bat und eine russische Intervention in nnserem i/aufte devmstcht, haben viele unserer Glanbeusbrüder hier ihreHoffnung, noch weiter ruhig ledert zu können, gänzlich ansgegcben und sie sannen nun an, nach der Türkei auszuwaudcrn. Sie rufen nun ebenso wie es einst unsere Vorfahren gelhan haben: mb ~z'z' b'pr rjsnro r.Ni3 nb -.sw 1*2: pN ab il-j zlh ayu nb nn'Pi j?2su nb (Zu sagen: Nein, wir wollen in das Land (Ägypten (Türkei) kommen, da wir dort keinen Krieg sehen, keine Kriegsposaune hören und nach Brod nicht hungern werden, und dort wollen wir bleiben. (Jeremias E. 42. V. 14.) 2i>ir kehren nun langsam wieder zurück unter die türkische Herrschaft, die stets eine milde und gerechte für uns war und die uns auch stets kräftigst schützte und beschirmte. Die meisten dieser ans Bulgarien' auswanderuden Juden wenden sich nach Adriauopel und Konsiaminopcl. Viele derselben aber auch nach Salonichi, welche Handelsstadt tagtäglich mehr an Bedeutung und Wichtigkeit gewinnt. Türkei. Konstantinopel, 6. September. Vorgestern, Samstag Abends, hat in dem Tekegartcn hier eine Vorstellung stattgesundcn, welche die hiesige Gesellschaft „Israelitische Brüderschaft (Franternite Israelite)" zu Gunsten ihrer Annen veranstaltete. Um 9 Uhr war der Garten schon vollständig mit einem gewählten Publikum gefüllt und bot mit seinen zahlreichen Decorationen und Lampions einen recht hübschen Anblick dar. Tie Herren Selvclli und Z'anthopnlo führten mehrere Musikstücke mit besonderem Erfolge auf; namentlich hat die von Erfterem gespielten Rhapsodie von Liszt ungemein gefallen und ihm auch vielen Beifall eingebracht. Hierauf sang Herr Sucanow eine Arie aus der „Traviata" und liest uns seine schöne Stimme bewundern, woraus Herr Raphael Bitati eine Phantasie aus dem „Ballo in Maschera" vortrng, die ibm mehrere Hervorrufe einbrachte. Die amüsanteste Parthie der Soiree waren jedoch die Kunststücke des Taschenspielers Herrn. Prosepor Robert, die einen allgemeinen Sturm von Beifallsklatschen erregten. Zum Schluffe wurde ein kleines deutsches Lustspiel ausgeführt, das feine Amateure vortrefflich imerprerirr haben. Tie Soiree war im Allgemeinen eine höchst gelungene und wußte zugleich Jeder, der sich unterhielt, düst auch sein Schärsiein 3nm allgemeinen Wohl beigctragen habe. Das Reinerträguist belief sich auf sechzig türkische Pfund (1200 Mark.) A f r i k fl. Tunis, 4. September. In den nächsten Tagen werden wir einen seltenen Gast in den Mauern unserer Stadt beherbergen. Wie uns nämlich der. Telegraph ans Algier berichtete, erhielt der Eommandant der dortigen Garnison, General Lew), vom Kriegsministmnm in Paris den Auftrag, sich nach der Provinz Tunesien zu begeben, mu in allen längs der Küste daselbst gelegenen Städten die Garnisonen zu inspiciren und sich von dem Fortschritte ihrer , militärischen Ausbildung durch den Augenschein zu überzeugen.. Es wird dies nun kein geringes Aufsehen erregen, sowohl unter den Arabern, wie auch unter den Inden hier, einen jüdischen General vor sich zu sehen, eine Frucht, die bekanntlich nur auf dem humanen und toleranten Bodcu Frankreichs wachsen und gedeihen kann. Der General wird in allen Städten, die er passiren wird, sowohl von den Eivilwie auch von den Militärbehörden daselbst begrüßt werden. Hier in Tunis wird der General auch von unserem Fürsten Ali Bcy und seinen Ministern empfangen werden. Da General Lcvy sich während seines Aufenthaltes in Algier, wie Privatbriefe von dort uns meldeten, durchaus nicht schämte, die Synagoge dort, zu besuchen, so wird er hoffentlich auch hier in der Synagoge erscheinen und darf er dann ans einen festlichen Emfang von Seite seiner Glaubensbrüder rechnen. — Tunis. Bor Kurzem starb in GoulettaHcrr Baron Giacomo dcl Eastelmwvo, ein hervorragender ital. Jude, im Alter von 66 Jahren. Derselbe nahm eine hohe sociale Stellung ein, war Leibarzt des Königs von Italien und der königl. Familie; auch vom Bey von Tunis wurde er consnltirt. Der König von Italien richtete von Monza ein Kondolenzschreiben an die Familie. Die Leiche wurde nach Pisa überführt, wo sie auf bcni isr. Friedhöfe beerdigt wurde. Feuilleton. Michael. Erzählung von S. Kohn. Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung.) Don dem Gespräche mit seinem Pflegevater aufgeregt, konnte Michael erst sehr spät rinschlafcn. Er hatte alle Erinnerungen seines noch jungen Lebens wach gerüttelt, alle Bilder seiner Zukunft, wie er sich sie in seiner Knabcnphantasie ausgemalt, heraufbeschworen, und diese verschwammen in seinem Halbschlaf und in seinen Träumen in einander. Er sah sich als Kind an dem Todrenbette