Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 76 (23.9.1886)
- Date
- 1886-09-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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um vcidjiuti] der ■3tiftimiv3iirfiuibe hielt der Prediger unserer (siciitchibe, Herr ü c!v i u n ev, eine passende Ansprache, worauf der Jubilar, sichtlich gerührt, herzlich dankte. Italien. Nom, 26. Sept. (Privat-Tel eg ramm des „Israelit.") Dem Vernehmen nach wird der Chef-RedacLeur des hiesigen Tagblattes „La Libertü.“ Herr Arbib, zum Präfecten einer Provinz ernannt worden. Herr Arbib ist Jude und Mitglied der hiesigen Cultnsgemeinde. Spanien. Madrid, 16. September. Unsere huldvolle Königiu-Regentiu Marie Christine hat soeben dem jüdischen Bankier in Paris und Konstantinopel, Graf Abraham Camondo, das Großband des Ordens Karls LI., eine der erstenDecoratioucn am spanischen Königshof verliehen. Tie hohe Iran hat dadurch bewiesen, das; sie fest entschlossen ist, die religiöse;! Prinzipien ihres leider zu früh Heimgegangenen Gatten, des Königs Alfonsos beiznbehalten und allen Consesssonen die gleiche Duldung und die gleiche Achtung zu gewähren. — Ten wenigen Inden, die hier leben, deren Anzahl reicht kanrn für ein Minjan hin, war es bisher durchaus nicht möglich, den Neujahrs- und Versöhuungstag nach den Satzungen unseres uralten Glaubens zu feiern, da ihnen alles mangelt, was zu einer solchen Feier notbwendig ist. Sie besitzen kein Bethaus, keinen Vorbeter, keine Thorarolle, und auch nicht einmal die erforderlichen Gebetbücher stehen ihnen zur Verfügung. Der Neujahstag wurde bisher, wie man mir erzählte, gar nicht gemeinsanl begangen und jeder Jude, den sein religiöses Gewissen dazu anspornte, verrichtete an diesem Tage die üblichen Gebete still in seinem Kämmerlein, wobei ihm höchstens seine Gattin oder seine Söhne Gesellschaft leisteten. Am Versöhnungstage dagegen kamen die hier lebenden Israeliten ohne Unterschied des Standes und der Sprache in einem zu diesem Zwecke in einem Hotel eigens gcmicthetcn Salon zusammen, wo dann die Gebete von einzelnen Mitgliedern abwechselnd vorgetragen wurden. Wie es nun Heuer in dieser Hinsicht ausiehen wird, darüber ist noch nichts bekannt, und wird das Nähere erst am Sonntag, 26. d. in einer dazu einberufcnen Versammlung der jüdischen Familienväter beschlossen werden. Möglich, das; sich dieses Jahr hier schon ein Mirrjan züsammenftnden wird, und dürfte dann nichr nur der Versöbnungstag sondern auch der Nenjahrsrag in voller Weihe und Andachr begangen werden. Ties bezieht sich indes; nur ans die hier stabil wohnendeit französischen und deutschen Inden, denn die blos des Geschäftes halber hieherkonunenden, portugiesischen Inden (aus Lissabon), dann die englischen aus Gibraltar und die marrokkanischen ans Tanger und Tetuan, kehren schon in den nächsten Tagen in ihre Heimath zurück, um dort im Kreise ihrer Familienangehörigen den Neujahrs - und Versöhnungsrag und .das Lanbhürtcuftst zu feiern, worauf sie anfangs November wieder hier eintresfen werden. Bulgarien. Rnstschuk, 12. September. Fünfzehnhundert Jahre sind nun verflossen, seitdeur unsere Voreltern sich an den Gestaden der unteren Douan ansässig gemacht haben. Dieselben sind nämlich unter, dem römischen Kaiser Trajan gleichzeitig mit dessen Legionen nach dem heutigen Rumänien gekommen, von lüojie dann nach Überschreitung des genannten Flusses auch nach Mosten, wie damals Bulgarien htes;, vordrangen. Später als die byzantinischen Kaiser ansingen, die Juden in Konstantinopel, Thrazien, Macedonien und Kleinasien zu drücken und mit hohen Abgaben zu belasten, da flüchteten viele von ihnen über den Balkan nach Bulgarien, da dort die Herrschaft der genannten Kaiser keine allgemein anerkannte war, und schlossen sich hier an ihre daselbst schon von früher her ansässigen Glanbensbrüder an. Als dann die Bulgaren von der Wolga her in das nach ihnen benannte Land eindrangen und sich dasselbe unterwarfen, da ließen sie die jüdischen Gemeinden, die sie hier vorfanden. in vollem Besitze ihrer bisherigen Rechte und vermehrten dieselben sogar noch so, daß die Inden, die in dem hochgebildeten byzantinischen Reiche wohnten, ihre Glanbensbrnder, die unter den wilden und nncultivirten Bulgaren lebten, um ihre schöne Stellung beneideten. Und als dann im 14. Jahrhundert die Türken, Bulgarien eroberten, da wurden die Vorsteher der jüdischen Gemeinden daselbst und deren Rabbiner verständigt, daß ihre Glaubensbrüder noch weiter ihren Glauben werden ausnben können, nur müßten sie von nun an statt für ihren christlich-bulgarischen, für ihren mohamedanisch-rnrkifchen Herrscher beten. Bolle fünf Jahrhunderte. lebten wir glücklich und zufrieden unter der milden Herrschaft der türkischen Snlrane, bis das Jahr 1877 kam, das uns vom türkischen Reiche loslrennre und uns zu Vulgaren machte. Jndeß. wir harren auch unter der Herrschaft unseres vielgeliebten Fürsten Alexander keine Ursache zur Klage, da seine Regierung uns mir den übrigen Landeskindern glcichstcllle. Jetzt aber, da unser gmer Fürst Bulgarien