Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 75 (20.9.1886)
- Date
- 1886-09-20
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Ic« Ziele die La'lsbahil des Politikers betreten haben, er war durch feine innigste Ncberzellgnng nuf die Bahn gewiesen, und ich ums; ihm hier öffentlich die Anerkennung zollen, das; er ein Mann im öffentlichen Leben war, der so viel Herz hatte, das; er auch zornig werden konnte und diesem Zorn ans öffentlicher Tribüne auch Ausdruck zu geben wußte, und nie habe ich mehr mit Löwe empfunden, als in den Augenblicken feines Zornes. Und dieser Mann, der cs verstand, auf öffentlicher Tribüne dem Ansdruck seines Zornes eine solche Gewalt zu verleihen, er war stets zur Versöhnung geneigt, so daß er niemals die Folgen seiner augenblicklichen Erregung übertragen hat auf spätere Zeiten; er war immer Derjenige, der mit einer väterlichen Milde des Herzens dazu ricth, jede Verfolgung aufzugcben und. der Versöhnung offenen Weg zu laljeu. - Wir haben diesen mildernden Einfluß von Löwe in sehr kritischen Zeiten erfahren, in den Zeiten, als die Fragen des Glaubens, die Freiheit der kirchlichen Ueberzcugung zum Gegenstände der politischen Aktion gemacht werden sollten. Sicherlich war Niemand mehr darüber empört, als Löwe, und doch ist er immer wieder geneigt gewesen, zu vergeben, sobald die Gegner ihre Angriffe ver- —minderten. Ich darf wohl sagen, cs wird uns schwer werden, die vielen Gaben, welche sich in Löwe vereinigten, durch eine Reihe von Personen kümmerlich zu decken; daß eine einzelne Person im Stande wäre, ihn zu ersetzen, auf diesen Gedanken wird Niemand verfallen. Zn der städtischen Verwaltung war er ausgezeichnet durch die persönliche Kenntniß aller Verhältnisie und durch die Vorstudien jeder einzelnen Frage; in öffentlichen Dingen des Landes war er einer der Wenigen, welche im Stande waren, jem große Ziele, die durch die Arbeiterbewegung der neueren Zeit gegeben waren, mit dem wohlwollenden Auge des ArbcitSherrn und mit dem noch wohlwollenderen des Menschenfreundes zu beunheilen. jZn kritischen Zeiten ist er stets iu gutem Einvernehmen mit seinen Arbeitern gewesen, so sehr auch Versuche zur Verhetzung gemacht wurden. Hier au dieser stelle darf ich sagen: wir, die Hinterbliebenen, betrachten cs als eine lhenre Erbschaft, das Streben des Verstorbenen sorrzusexen, wir werden uns bemühen, die Gedanken der religiösen Duldung, der Hebung der Arbeiter, dem Gedanken, daß der einzelne Bürger verpflichtet ist, der Gemeinde und dem Staate seine Kräfte darzubringen, Folge zu geben, und ich sage, wenn ich diese große Versammlung hier sehe, ein solches harmonisches Verhältnis; gemährt uns. die Bürgschaft, das; es dieser große» Stadt gelingen werde, die Erinnerung au bcii Todten und au seine Gedanken wach zu erhalten und aus die Zukunft eine ähnliche Gesinnung zu übertragen. Tics ist die Hoffnung, mit der wir von hier - scheiden, und das Gelöbnis;, welches ich glaube, in Aller Namen anssprechen zu dürfen." Hieraus ergriff der Abgeordnete Träger das Wort, er sagte: Trauer und Ensctzen hat uns ergriffen, daß eine von den Angen der Wissenschaft nicht erkennbare Krankheit Ludwig Löwe heimtückisch gemeuchelt hat, und doch, wie versöhnend war schließlich sein Ende. Am Abend des letzten Tages war es, daß die scheidende Sonne noch einmal lächelte, daß die bis dahin gelähmte Zunge noch einmal sprach mit jener Schönheit des'Ausdrucks, wie wir es gewohnt waren, von ihm zu hören. Er hatte für Alle, die ihn umstanden, ein tröstendes Wort, und mit den: Wunsche, „Gott segne alle guten Menschen!" legte er sich hin, um nicht wieder zum Bewußtsein zu kommen. Löwe konnte als die Summe seines Lebens als Facit ziehen, daß Gott ihn, den guten Menschen, reich gesegnet hatte. Er hintcrläßt seinen Kindern das köstlichste Erbe, das Btto ves cdetften Mannes in vollendeter Bedeutung, der seine werthvollen inner« Schätze errungen hat im harten Kampfe des selbstgemachten Mannes in der vollsten Bedeutung. Was er erwarb, hat er gethan und erworben nicht für sich, sondern für die Allgemeinheit, denn er war sich bewußt geworden, daß der wahrhaft cdlcMcnsch nicht sich selbst gehört. Früh schon trat er in den Kampf ein, und ihm war cs keinen Augenblick zweifelhaft,' ans welche Seite er zu treten hatte. Nicht ans die Seite, wo Lohn und Auszeichnung ihm winkten, sondern ans die Seite der Armen und Unterdrückten, auf die Seite des Rechts und der Freiheit. Wenn die Steine der Stadt reden könnten, so würden sie für ihn zeugen, wie er bemüht gewesen, znr Ausdehnung des großen Städrewesens Stein auf Stein beizutragen. Dieselbe Eigenschaft hat er bewährt für unser großes, schönes deutsches Vaterland, und er War dazu befähigt, wie selten Einer. Jeder, der Löwe gekannt, wird ihm nachsagcn müssen, er war ein wahrhaftiger Mann, der so dachte wie er sprach. Löwe war keiner derjenigen Arbciterfreunde, welche mir Willigen Worten und Rezepten die arbeircnde Klane abspeisen woltten. man brauchte nur in seine Fabrik zu gehen, um zu sehen, daß hier der Weg