Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1886-09-20 · Heft 75 (20.9.1886) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 75 (20.9.1886)
Date
1886-09-20
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2449600-2449672--25067-2514818
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

urjß iicinicfni uutvk, kr flcrtaii^cii merk» muH, wenn in dcni kfiirtcii .Stumpfe eine Versöhnung gefunden werden soll, Pt luar ein Arbeiter unter seinen Arbeitern, der feine Vorrechte vor diesen verlange. Wer Vüiuc im öffentlichen Leven )'al), wer ihm nicl.t näher trat, hat ihn nur halb kennen gelernt und von seinen liebenswürdigsten Eigenschaften nichts gesehen. Lbelch ein Freund war Löwe! Wer ihn zum Freunde hatte, hat einsehe» lernen, welches Gluck in diesem Worte liegt. Gr war von einer frauenhaften Fürsorge für seine Freunde, er hat mit ihnen geweint und gelacht. Gr war ein Mensch von einer kindlichen Reinheit der Seele und des Herzens nnd machte sein Hans zu einem gesegneten Tempel der Freundschaft, in dem er als oberster Priester waltete. In diesem Hanse durfte der Streit des Tages sich nicht erheben und hier begegneten sich Männer, die draußen im Leben sich feindlich gegcnüberstanden. Wohin wir sehen im öffentlichen Leben, überall wird Löwe fehlen. In diesem Augenblick können wir die Größe unseres Verlustes noch nicht begreifen, und es erfüllt mich mit gerechtem Stolze, daß ich sagen kann, er war nicht nur mein persönlicher Freund, sondern er war der Vesten Einer, er war unser. Es war der trübste Schatten, der ans sein Lebe» geworfen wurde, die Vewegnng, lvclche die Schande unserer Nation war nnd deren schärfsten Stachel er gegen sich gerichtet sah, nnd wenn auch alle giftigen Pfeile an der blanken Rüstling seiner Ehrenhaftigkeit abprallten, cs hat ihn doch geschmerzt. Wir gehen jetzt zum Winter, aber wir fürchten ihn iiicht, wir wissen, das; der Frühling kommen muß, der die Blüthen wieder ans den Gräbern lrcrvorrnft, und das; einst eine Zeit kommen wird, wo unsere-Güter für ewig gesichert sind. Wenn dann an-unsere Stirn der Lorbccrkranz sich siicht, dann wird auch das Blatt nicht fehlen, ans dem der Name Ludwig Löwe steht. Und nun, heißgeliebter Freund, schlafe wohl, wir werden treu halten zu Dir. Schlafe wohl, Ludwig Löwe: Endlich ergriff der Stadtverordnete nnd Vorsitzende des ersten fortschrittlicher: Wahlvcreins. Herr Tr. Hermes das Wort, ini Namen des ersten Wahlkreises., Auch dieser Redner schilderte noch einmal die/Vorzüge des Verstorbenen mit warm empfundenen Woneu nnd schloß feine kurze Ansprache mit folgender Anrufung: Tein Geist bleibt lebendig unter uns: in diesem'forrzurvirken. wollen wir uns in dieser feierlichen Stunde geloben. Wir bleiben Tir treu bis über das Grab: wir nehmen die Slreuarr ans und lassen sie nicht eher ruhen, als bis in dem .Stampfe die guten Geister des Lichts die schwarzen Dämonen der Finstcrniß iUuTiimukif haben. Im Namen der sechs freisinnigen Wahlbezirke Berlins, cm Namen der ganzen wahrhaft frei» sinnigen Bewohner Berlins sage ich Dir h^'mit ein letztes Lebewohl, Ludwig Löwe! Ter letzten Rede folgte der von dem Rabbiner Herrn Tr. Ungcrleider gesprochene geistliche Abschicdsgrnß: derselbe schloß mit einem in hebräischem Text gesprochenem Gebet und den Segen in deutscher Sprache. Dein Sarge voran schritten nur die Theilnehmcr der Trauerfcier zn der Grabstätte, die dem Verblichenen neben seiner ihm im Tode voranfgegangenen Gattin bereitet worden ist. Es folgten der Sohn und die Tochter des Hingeschiedenen, die Verwandten und Freunde. Damit endete eine Bcerdignngsfcker, die sich durch die allgemeine BeLheiligung der hauptstädtischen Bürgerschaft zu einer so großartigen Huldigung gestaltete, wie wir sie in den letzten Jahrzehnten nur in höchst vereinzelten Fällen zu verzeichnen hatten. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Cefterr. - Ungar. Monarchie. Aus Galizien. Die Polizeibehörden' in der Bukowina und Galizien haben den Auftrag erhalten, darüber zu wachen, das; die durch diese Länder reisenden, nach Amerika answandernden, rumänischen Juden sich nicht in diesen Ländern niederlassen. R u m a n i e n. Bukarest. Unter den Agenten der verfchredencn Tampfergeseüschaften herrscht eine wahrhafte Wuth durch erstaunliche Herabsetzung der Ucberfahrrskostcn nach Amerika die bedanernswerihe jüdische Bevölkerung Rumäniens zur Auswanderung zn veranlassen. Es ist dies sehr zn beklagen, da hierdurch sich Biele zur Auswanderung entschließen, ohne die Folge zu ermessen. Jüngst wandcrte ein junger Jude ans. welcher den türkischen Mricg miigemachr, vom Mönig von Rumänien und vorn Malier von Rußland wegen seiner Tapferkeit dckorirr ist worden und uaturalmncr rumänischer Bürger ist, weil er von seinem bisherigen Wohnsitze ausgewiesen worden ist.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.