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Der Israelit · 1886-09-20 · Heft 75 (20.9.1886) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 75 (20.9.1886)
Date
1886-09-20
Page
– (sequence 9)
Language
German
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xxyf I. aafmimifl. Erste Ktlinlle /•) es Jsi*nc Leitender Artikel. Lldwig Löive's Ac't'rdijpuig. Berlin, 14. Scpt. Dem edlen Volksvertreter und Bürger, der vor wenigen Tagen die Augen für immer geschloffen, gab am heutigen Vormittag ein nnabs-ehbarcS Trunergefolge das letzte Geleit. Wie hätte es anders fein sollen bei einem Manne, der in einer langen Kette von Jahren in den legislativen Körperschaften des deutschen Reiches nnd des preußigen Vaterlandes, sowie in der städtischen Verwaltung die Jnterenen der Nation nnd der Bürgerschaft Ln rastloser Thätigkcit und mit treuer Hingabe vertreten, und der als Fabrikherr sich den Chrennahmen eines höchst humanen Arbeitgebers erworben? So wies denn das Trauergcleit eine zahlreiche Vertretung des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung Berlins, der Korporationen und Vereine, der Bürgerschaft und Parteigänger, der persönlichen Freunde nnd Arbeiter deS Etabliffemcnts auf, das in dem Verstorbenen seinen Gründer und Leiter verloren. Und in dieser außerordentlichen Theilnahme gelangte wohl ein ansehnlicher Bruchtheil an Dank, Verehrung und Liebe für die reiche Aussaat des Verblichenen an edlen Bestrebungen zum Ausdruck. Lange, bevor die Pforten erschlaffen wurden, staute sich an den Gittern der neuen Synagoge in der Oranienburgersiraße eine dicht gedrängte, Einlaß heischende Menge. Etwa zehn Minuten nach der angesevtcn Zeit wurde den mir besonderen Karten Versehenen der Zutritt gewährt und bald füllte sich das Haus mit einer Tranerversammlung, wie sie so erlesen und vornehm, so ernst nnd thcilnahmsvoll selbst dieses so reich bedachte Gotteshaus wohl selten in seinen stimmungsvollen Räumen beherbergt haben mag. Am Ende des großen Mittelschiffes war der Leichnam ansgebahrt. Tie Familie des Verewigten. nahm dicht vor dem Katafalk Platz. Auf den reservieren Plänen in der Nähe der Bahre bemerkte man u. A den Staatsminister a. T. v. Bernurh, den zweiten.Vizepräsidenten des Reichstages Hofmaun, den Abgeordneten v. B e n d a, Prosenor M o m in s e n, die Frakttonsgenossen A le ra n d er M ey er, Jnftizrath Horwitz, Pros. Virchow, Albert Trägger, Eugen Richter, M. Brönicl, Direktor Schräder, K n ö rcke u. A. Magistrat und Stadtverordnete, Künstler nnd Schriftsteller uuncii ebenfalls zahlreich erschienen. Wir bemerkten n. A.: Fräulein Lola Beeil), Marimilian Ludwig, Paul Meyerhcim, die leitenden 'Redakteure der hervorragenden liberalen Zeitungen nnd viele Professoren der Universität, mit einem Wort, das geistige Berlin in seinen Spitzen war amvcsend. So wären denn alle Kreise vertreten, um Ludwig Löwe die letzte Ehre zu erweisen. Herr Rabbiner Tr. Maibaum hielt die Gcdachtnißrede; er suchte zu beweisen, daß man ein echter frommer, gottcsfnrchtigcr Jude fein könne, wenn man auch in Lehre und Leben dem Judcnthume fernftehe. Tiefe. Reformrabbiner-sind doch bedancrnSwerthe Menschen I Schon geraume Zeit vor der für die Trauerfeier festgcsevren Stunde begannen sich die Vereine zu dem Leichenzuge zu formircn. Aus allen Stadtgcgenden kamen die Mitglieder der Wahl- und licberalen Lczirksvercine mit ihren Fahnen herangczogcn und nahmen zunächst in der Auguststraße Aufstellung, wo sie von den Ordnern ihre Plätze angewiesen erhielten. Als sich der Trauerdienst in der Reuen Synagoge seinem Ende näherte, marschirten sie langsam durch die Arlillcriestraße nach der Oranicuburgerstraßc. Hier hatte sich bereits eine nach Tausenden zählende Menschenmenge ckngesnnden, die ans dem Trottoir zu beiden Seiten der Straße in dichtgedrängten Reihen Spalier bildete. Kurz nach 10 Uhr war die Trauerfeier in der Synagoge beendet und nun setzte sich der gewaltige Zug in Bewegung. An der Spitze desselben schritt der Bezirksverein Alt-Cölln, dem der Wahlverein des ersten Reichstagswahtkrciscs, welchen der Verstorbene lange Jahre im deutschen Parlamente vertreten, folgte. Nunmehr folgten die Bezirksvereine aus dem Gebiete des ersten Wahlkreises, denen sich der Reihe nach die Wahlvereine der fünf anderen Neichstagswahlkreise anschlonen. Auch der Berliner Arbeiterverein, der mir seiner großen schwarz-rorh-goldenen Fahne erschienen war, haue ein stattliches Kouringenr gestellt. Sodann und noch der ebenfalls zahlreich vertretene Verein „Waldcck", der dcurschfrcisiunige Arbeiterverein aus Eharlorrcuburg und der jüdische Wohlrhärigkcüsverein zu erwähnen.

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