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Der Israelit · 1886-09-20 · Heft 75 (20.9.1886) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 75 (20.9.1886)
Date
1886-09-20
Page
– (sequence 8)
Language
German
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„Neill!" erwiderte Brack, „trotz Deiner Juqeud habe ich großes Bertrarrea zu Dir. Meine Absicht ist unverändert geblieben: und deshalb bin ich anch entschlossen, kein Ovser zu scheuen, Dich an Dein Ziel zu führen. Du, mein armer Michael, ein LaterlandSloser, Deine neue Heimath Mähren erkennt Dich nicht als ihren Sohn an. Die Zahl der jüdischen 'Gemeinden in Mähren ist auf 55, jene der jüdischen Familien auf 5400 festgesetzt. In Mähren darf von den Juden nur der erstgeborene Sohn eines Familianten heirathen. Ausnahmen gestattet das Gesetz nur, wenn ein ausländischer Jude ein Vermögen von zehntausend Gulden in's Land bringt und mit demselben eine Fabrik anlegt. Ein solches Vermögen besitzen wir nicht und wenn uns Gott nicht ein Wunder erweist, weist ich auch nicht, wie wir es redlich erwerben sollten. Darum ist es für unser Aller Zukunft am Besten, wenn Du Arzt wirst, an einer österreichischen Universität zum Medicinae - Doctor promovirft. Ich hoffe, daß man Dir daun gestattet, Dich an einem Orte, in einer Gegend, wo es an Aerzten mangelt, und Du in der Ausübung Deines Berufes nützlich und segensreich wirken kannst, niederzulassen und Du kannst dann vielleicht von der Hofstelle die Ehebewilligung erlangen; und wenn auch der allerärgste Fall einträte, daß man fetzt, nachdem Kaiser Josef zu früh gestorben, sich an^dcn todten Buchstaben verrotteter Gesetze hielte, steht Dir als Arzt die ganze Welt offen. Den Linderer menschlichen Elendes empfängt man überall mit offenen Armen; — dann gründest Du Dir in der Ferne ein Heim, einen häuslichen Heerd, mein Kind folgt Dir gerne in die Ferne." . „Und Du Vater, Du?" frug Michael dringend. „Was liegt an mir? — Mein Kind und Du, Ihr seid mir die Liebsten, die Einzigen auf der Welt. Wenn ich Gutes von Euch von der Ferne höre, so wird mich dies darüber trösten, das; ich einsam lebe." „Nein, nein!" ruf Michael, „wir verlassen Dich nicht! Wenn es kein Milte! gibt, daß wir in Deiner Heimath bleiben, so mußt Du mit uns ziehen, unser Glück wäre nur halb, wenn Du es nicht mit uns theilen würdest; — und wenn Tn Dich nicht glücklich fühlen solltest, so wollen auch lvkr nicht glücklich sein .... Willst Du nicht von der Heimath scheiden, bleiben wir bei Dir, so wie wir jetzt sind, nur als Deine Kinder!" Brack mußte unter Thräncn der Wehmuth lächeln. Es hatte wohl noch nie, seitdem der allmächtige Gott die Welt durch seinen Willen in's Dasein rief, der Vater eines achtjährigen Mädchens mit einem fünfzehnjährigen Knaben in gleicher Weise gesprochen. Brack wußte es, daß die Lebensverhältmffe noch verhüllt vor Michaels Augen lagen, und trotz alledern fühlte er sich dadurch beruhigt, daß der fünfzehnjährige Bewerber der achtjährigen Braut sich treu und standhaft erwies. Der kluge, denkende Mann wußte wohl, daß die Neigung, welche zwei Menschen in der Bluthezeit des Lebens zu einer echten, festen, unlöslichen Verbindung führt, eine andere sein müsse, als die eigenthünrliche, welche zwischen feinem Pflegesohne und seinem Kinde bestand; aber bei der ungewöhnlichen körperlichen Schönheit der beiden Menschenknospen schien es keinem Zweifel zu unterliegen, daß jene sich in diese verwandeln würde. — Schon im nächsten Momente war Brack wieder vollkommen ernst und sprach: „Ich wiederhole es, ich habe zu Dir und Deinem Worte volles Vertrauen, als wärest Tu schon ein gereister Mann. Du hast mich vollkommen beruhigt .... Jetzt aber Michael verrichte Tein Nachtgebet und gehe zu Bette. Wir mü)}en morgen früh aufstchcn."(Fortsetzung folgt). .Der Israelis erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, iebeSmat in minbcftenZ 2 Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Lesterreich 12 Reichs-Mark, fiir'S Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Pentzeile oder deren Raum. — Lesierreichische Banknoten laut Eours. — Direcre FrancoZusendung unter Streifoanb pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder S ft. ösierr., sür's Ausland 16 Reichs-Mark an die Expedition franco einzusenden. Inhalt <Havptblatt)r Leitender Artikelr Die Sprüche der Bärer. — Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Dpnzig. — Rumänien: 2mal Bukarest. — England: London. — Rußland: Petersburg. Ralisch. — Egypten: Kairo. — Mesopotamien: RistbiS. — Feuilleton: Michael. — Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Ludwig Lowe's Beerdigung.— Zeitungsnachrichten und Correfpsudenzen: Oesterr.-Ung. Monarchie: 'Aus Galizien. — Rumänien: Bukarest. — Inhalt der zweite» Beilage: Zeitungsnachrichten und Eorrcspondenzen: Deutschland: Breslau. Aus Ostpreußen. Ans Memel. Inhalt der Extra-Berlage: SpendenVerzeichnisse. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann in Mainz. — Expedition große Bleiche 2lr. 45. Druck und Verlag von Oscar Lehmann in Mainz. (Hierzu drei Beilage».)

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