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Der Israelit · 1886-09-20 · Heft 75 (20.9.1886) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 75 (20.9.1886)
Date
1886-09-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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■ Michael's Augen scnchtetcn sich, einen Angeld blick zncktc» stinc Lippen, sein warmes Gefühl legte ihm den Gedanken nah, seinen, geliebten Pflegevater darin zu widersprechen, daß, cs möglich wäre, ■ bau der grnndgntigc Gott, ihn so bald abbernfen, ihn seinem Kinde, feinem Pflegcsohne entreisien würde, aber sein Heller Verstand gewann rasch die Oberhand über sein Herz, - das was Brack sprach, war ja pollkommen richtig; er schwieg. ' „Du lveißt, Btichael," fuhr Brack fort, „ich habe Dich von dem Momente, an, wo Dn vor die Schwelle meines Hanfes tratest, lieb gewonnen, ich habe Deinen Werth bei'Deinem ersten Anblick erkannt. Ich habe Deiner Mutter in ihrer letzten Stunde gelobt, für Dich, .so tvcit dies ei» Mensch für einen andern thnn kann, z» sorgen'; und Michael, D» kennst mich ja, auch wenn ich Dir's nicht sage, wirst Dn cs glauben, ich hätte so mach gethan, wenn ich cs nicht versprochen hätte. Auch als . mir mein Kind, meine Sara, geboren wurde, liatte sich meine Liebe für Dich, meine Sorgfalt für Dein Wohl nicht vermindert, ich habe Dich ihr völlig gleichgchalten an fürsorglicher Liebe. Ich sag' es fürwahr, nicht um inich zu rühmen, oder Deine Neigung zu gewinnen, deren bin ich ohnehin sicher, ich sag' es bloß weil es wahrest, und die Wahrheit" jederzeit gesagt werden darf, weil Dn es ja ohnehin weißt und c3 zum Zusammenhänge gehört." Statt einer iiliterbrechende» Einschaltnng, führte Michael Bracks Haiid ehrerbietig an seine Lippen. „Ich habe mich, so viel es eben ein Mensch vermag, nm Deine Zukunft gekümmert, ich habe Dich in den Gymnasial-Gegenständen unterrichten lassen. Der Unterricht hat allerdings^ nichts gekostet, der würdige Pfarrer hat ihn unentgeltlich ertheilt, aber ich habe Dir mitunter kostspielige Bücher und Lehrmittel angcschafft., Dich, gekleidet, genährt; während Du bei Deiner Anstelligkeit und Klugheit schon drei Jahre in meinem Geschäfte hättest behilflich sein, oder Dir als Handelsgehilfe bei einem Fremden so viel erwerben hättest können, als Du eben bedurftest. So geschah es, daß ich für Sara nur eine so mäßige Summe auf die Seite legen konnte, daß diese, wenn ich inmitten meiner Lebensbahn abgerufen würde, schon nach wenigen Jahren hartem Mangel' preisgcgeben lväre. ..Sara hak, wie Du weißt, außer mir keine Blutsverwandten, und. es würde mir den letzten Moment verbittern, wenn ich mit dem Gedanken sterben wüßte, daß mein elternloses Kind von der Gnade und Barmherzigkeit' Fremder abhängig fleht sollte, uni) obwohl ich hoffe, daß Du Dich, auch wenn ich Dich hierzu nicht ansfordere, im gegebenen Falle," ihrer brüderlich annehmen würdest, so wird es mich doch bernhigeie, wenn Du mir versprichst, Sara , nicht zu verlassen, sie zu beschützen." . Brack war ein starker Mann, der in der Regel seine Fassung zu bewahren, seine Gefühle zu beherrschen vermochte; aber in dem Momente des Scheidens von dem geliebten Pflegcsohn war er, ungewöhnlich weich gestimmt, er mußte abbrechen und sein Gesicht abwenden, um seine anfsteigenden . Thränen zu verbergen. - ' . „Vater, was sprichst Du da?" rief der fünfzehnjährige Knabe, sich jäh von seinem Sitze erhebend, und Helle Pnrpnrröthe überlohte sein Gesicht. „Ich hoffe, Dn wirst durch Gottes Gnade uns noch recht lange erhalten bleiben und mich und" Sara unter die Chuppc') führen; . > . . aber, hast Du denn^' ohne es mir zu sagen, -Deine Absichten geändert? . . Ich will ja unsere Sara, so lange ein Athenizng meine Brust hebt, nicht verlassen^ ich liebe das Kind, das kleine Mädchen endlos .... und Dn siehst es ja, Deine Sara hängt an mir wie an ■ keinem zweiten Menschen. Sie liebt, sie verehrt Dich, sie erfüllt jeden Deiner Wünsche, den sie Dir nur von de» Lippen ablescn kann; und trotz alledem, wage ich es nicht zu entscheiden, ob sie mich'" nicht noch mehr als Dich liebt .... Und, Dn hast mir ja einst, als ich noch ein Knabe voik sieben Jahren war, gesagt, meine zweite Mutter, Deine edle Gattin habe es gewünscht, und auch Du wünschest es, daß ich und Sara einst Mann und Frau würden, .und ich habe mich mit dem Gedanken so vertraut gemacht,-, daß ich -die Trennung chou.Sara nur ertrage,' weil ich hoffe, -einst für immer mit ihr. vereint zu werden . l. . Ich weiß es nicht," fuhr Michael fortj „ob Alles,. das was ich jetzt gesprochen und picht für eine Welt unausgesprochen gelassen, hätte, nicht unpassend ist. Ich habe, ich erinnere mich dessen, schon Aehnliches gesprochen, als wir von dem Grabe iPiner zweiten Mutter heimkehrten, und ' meine Worte schienen^ir nicht zu mißfallen tallein damals war ich ein siebenjähriges Kind, und jetzt bin ich verständig genug es einzusehen, daß es sich in meinem Alter und meiner Stellung nicht schickt, so vorlaut zu sprechen und . . . ." je länger Michael sprach, desto verwirrter wurde er, sein Blick sucht verlegen den Boden, der sonst redegewandte Jüngling mußte stocken, seine- Rede verlangsamen, —- „vielleicht hast Du . damals, innerlich Fächelnd, mit meinemkindischen Geschwätz Nachsicht geübt, diesem -keinen Werth beigelegt . .-. ." Michael mußte abbrechen. 1) Den Trarihimrnel.

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