Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 75 (20.9.1886)
- Date
- 1886-09-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Kl 20 □•cn mit lauter Stimme mitirt, luaö -bnö-CMcmiitli mmemciii erschütterte. Vanliöeiu.mir die Mizivah (Pflicht) nun n’Vrn 'cXobtciibcflleitmirt) gehörig erfüllt hatten, kehrten wir in das Städtchen zurück und nahmen bei einem gewissen Mar Ichnda unser Absteigegnarlier. In Nisibis wohnen heute viernndzwanzig indische Familien, die sich eines leidlichen Wohlstandes erfreuen. Biele von ihnen haben sogar ausgedehnte Cefüuourieu nnd ist auch das Handwerk unter unseren Glaubensgenossen daselbst stark vertreten. So ist einer der besten Waffenschmiede des Oncs ein Jude, der zugleich auch mehrere Gesellen beschäftigt. Früh und Abends begeben sich Meister und Gesellen in corpore in die Synagoge, um daselbst ihre Andacht zn verrichten, was ein ungemein schönes Bild darbietet und jedes wahre jüdische Herz erfreuen muß. Zn meiner großen Neberraschung erfuhr ich dann, daß fast alle Gemeindemirglieder . mira 'pD'y (Thoraforscher) sind, und den Mischnajoth- und Soharvorträgen, die Früh und Abends nach Schluß des Gebetes in der Synagoge abgehalten werden, wohnen oft auch Greise als Zuhörer an. In der zweiten Nacht, die wir in Nisibis verbrachten, erkrankte plötzlich einer unserer Diener und ich ging daher, den einzigen jüdischen Arzt des Städtchens Hekim Musa, der zugleich Besitzer einer Apotheke ist, zu holen. Wie erstaunt war ich, als ich den Arzt, obgleich es nicht mehr weit von Mitlerttacht war, noch wach fand, wie eieben den Sohar las. Hekim Musa machte mich nun darauf aufmerksam, daß ihm seine doppelte Beschäftigung als Arzt nnd Apotheker während des Tages nicht gestatte, sich dem Thorastudium hinzugeben und müsse er daher seiner Nachtruhe einige Stunden rauben, so gleichfalls die Mizwah: rrun n n*:ro (Und forsche darin (in der Thora) bei Tag und hei Nach:)" erfüllen zu können. Tie Gemeinde besoldet auch zwei Ehachamim, wovon einer die Obliegenheiten eines Rabbiners Und der andere die eines trn vrarrn (Oberhauptes der Jeschibah) erfüllt. Da Nisibis an der türkisch-arabischen Sprachgrenze liegt, so sind beide Ehachamim sowohl des Türkischen, sowie auch des Arabischen vollkommen mächtig, doch werden gewöhnlich die Teraschoth (Predigten) in erstem und die Talmudnnd Soharvorlräge wieder in letzterem Idiome gehalten. Das Arabische ist überhaupt bei den Inden Asiens so beliebt, wie Las Deutsche bei den Juden Europas und wirkt auch eine in demselben gehaltene Predigt mehr aui Las Gemüth, wie eine in türkischer Sprache. Auf meine Erkundigung bei den beiden Ehachamim, ob sich in Nisibis feine schriftlichen oder andere Erinnerungen ans der Zeit der n'urn.n (Weisen des Talmud) erhalten haben, erhielt ich eine verneincnde Antlvort. Dagegen falt ich in vielen jüdischen Häusern daselbst ungemein lange Mcsnsom. die sich fast wie kleine Ierioty tTyorarollcu) ansnahmen, was mir nngentciu gefiel und dürste dieser Gebrauch noch ans der Zeit der Tancüm hcrstammen. Die Mesnsah, die immer in einer in der hölzernen Thürpsofte gemachten Aushöhlung ruht, ist dadurch auch vor baldiger Fäulnis; geschützt. Ich hielt mich in Nisibis nur fünf Tage ans, worauf ich voit dort nach Äossul am Tigris und von dorr wieder nach Eharkud (nwaa) ging, wo sich die Gräber von Daniel und seiner drei Genossen befinden. Doch darüber in einem späteren Briese. Michael. Erzählung von S. Ko hu, Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung.).. Als sich Michael zur Ruhe begeben wollte, sprach Brack zu ihm: „Ich habe bevor Du das Nachtgebet verrichtest noch mit Dir zu sprechen. Morgen wird der Wagen, den ich gedmtgen. Dich nach Rickolsburg zu fuhren, zeitig vor dem Haufe stehen und es wird hierzu nicht "mehr Zeit sein. Sara nnd ich werden Dich wohl eine Strecke Weges in dem Reiftwagm begleiten, aber ich will nicht, daß das Kind höre, was ich Dir zu sagen habe. Komm' in mein Schlafzimmer." — Tie Beidengingen in dieses, Brack setzte sich in einen Lehnstuhl, deulete Michael durch eine Handbewegung an, sich neben ihn zu setzen und begann: „Du bist an Verständigkeit Deinem Alter weit vorangeschritten, nnd ich kann mit Dir sprechen wie wenn Tu schon , ein erwachsener Mensch wärst. — Wir trenne» uns jetzt für längere Zeit. Wenn ich auch hone, daß wir uns Wiedersehen werden, — ich stehe in dem rüstigsten Mannesalter, Du bist ein kräftiger, gesunder Knabe — so wäre es ja immerhin doch möglich, daß Gott es in seinem unersorschlichen Raihschluge anders bestimmt hätte, nnd mich vor der Zeit abberiefe, und darum will ich mit Dir über die Zukunft meines Kindes, meiner Sara, sprechen."