Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 75 (20.9.1886)
- Date
- 1886-09-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2446951-2449600-2449672--25060-2514811- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
l.'irli Mcdschidijc. Ordens verliehen. (Egypten, als Vasallenstaat des Sultans, besivt keinen eigeiren Orden, dagegen darf der Zthedive türkische Orden nach Belieben verleihen.) Ter Sultan hat dem llntcrstaalssccretär im cgnpttschcn Finanzministerium, Blum Pascha, einem ans Pcsih gebürtiglen Israeliten, das Großband des Mcdschidijc- Ordens verliehen. — Lar einigen Monaten wurde die Tochter eines hiesigen jüdischen Kaufmannes von einem im Miniftcrium für öffentliche Arbeiten hier angcslelltcn arabischen Ingenieur entführt, ohne daß man hätte erfahren können, wohin sich der Räuber mit seiner Deute geflüchtet habe. Erst jetzt wurde dessen Schlupfwinkel entdeckt und hat die hiesige Polizei schon die nöthigen Maßregeln ergriffen, um das entführte Mädchen wieder seinen Eltern zurückgeben zu können. — Egypten kann sich nun gleichfalls rühmen, daß cs seine rvoo ’‘rin mar; (zehn Regieruugs - Märtyrer) besitzt. Wie nämlich jetzt detaillirtc und verläßliche Berichte ans dem Sudan melden, sind anläßlich der am 20. Jänner 1885 erfolgten Einnahine der Stadt Ehartum am Nile durch die Truppen des Mahdi (dieser mohamcdanischc Judenvertilger ist bekanntlich unterdessen an den Blattern gestorben n prix b ii:s’ p), 'wobei der englische General Gordon Pascha und der österreichisch-ungarische Eonsul, Herr Hansal, abgefchlachtet wurden, auch kn dieser Stadt lebenden zehn jüdischen Kaufleute sammt ihren Frauen und Kindern maffakrkn worden, da die Mahdistcn keinen Pardon gaben. Ihre Leichen wurden in den Nil geworfen. Nun, auch an diesen Märtyrern wird sich das Wort des Psalmisteu erfüllen: paa -ex D' nibssa rtrx, zrsrx. (Der Herr spricht: Ich führe aus Baschan zurück, und führe auch aus des Meeres Tiefen zurück.) Hoffentlich werden unsere egyptischcn Glaudensbrüder nicht unterlaffcn, immer bei den rrcsrn (Seelengebeten) am Vorabende des Versöhnungstages auch dieser Märtyrer und ihren Angehörigen zu gedenken. t>23 nm:s cnrvcs %rn: (Aiöge ihre Ruhe eine ehrenvolle fein!). — Tie Erben des kürzlich hier verstorbenen jüdisch-italienischen Kaufmannes Jabes haben dem hiesigen italienischen Eonsul tausend Francs für den hiesigen italienischen Wohlthäligkeirsverckn und ebenso viel für das europäische Spital in unserer Sradt übergeben. M e s o p o t a m i e n. Nisibis. (p-s:.) (Schluß). Am nächsten Morgen erhoben wir uns zeitig, verrichteten mit Minjan das Morgengebet und bestiegen daun jenseits des Euphrars unsere Pferde. Sowohl die beiden Kaufleute, sowie auch Schreiber dieses, wir { führten jeder einen jüdischen Diener mit nnS, der gleichfalls beritten war, und so bestand unsere kleine .uarawane aus vollen sechs Mann, die über nenn Stück Feuergewehre verfügten. Wir umreit mit Lebensmitteln reichlich versehen und ein Schlauch mit Wein, der ans dem Rücken eines der Pferde lagerte, versorgte uns mit der nöthigen Erfrischung während der TagcShitze. Wir ritten volle sechs Stunden ohne Unterbrechung. Gegen Mittags erreichten wir einen kleinen Hain von Tamarindenbänmc, lvorauf wir abstiegen, um hier Siesia zu halten. Unweit von dem Haine ' sieht man noch heute die Ucberresie eines Altars, von dem die Sage geht, daß auf demselben dem Baal geopfert worden sei. Während wir nun in dem Schatten dieser Bäume ruheten, trafen daselbst auch die drei berittenen syrisch-katholischen Mönche ein, die von Nisibis kamen und sich nach dem schon genannten Singar begeben wollten. Sie unterhielten sich mit meinen zwei Neisegesährten in chaldäischer Sprache, in der auch ihre Gebetbücher, die sie mit sich führten, abgefaßt waren. Uebcrhaupt wird in ,.der Umgegend von Nisibis noch heute das Ehaldäische noch fleißig gesprochen, da dasselbe vor der Eroberung dieses Landstriches durch die Araber und Türken die allgemeine Umgangssprache daselbst war. Als die Abendkühle eintrat, vesticgen wir wieder unsere Pferde und setzten unfern Ritt' fort. Wir passirten dann eine Felsenschlucht, in der sich das Grab eines Amora (Xiex), dessen Name mir jedoch entfallen ift, befinden soll. Meine beiden Reisebegleiter stiegen hier ab und begaben sich in die Schlucht, wo sie ein kurzes Gebet verrichteten. Wir übernachteten in einem Hane (Einkehrhaufe),, der selbstverständlich, tute alle diese Gebäude im Oriente, ganz unbewohnt war und daher für Jedermann offen stand. Da in der Umgegend viele wilde Thiere Hausen, so zündeten wir vor dem Eingänge zum Hane ein großes Feuer an, deffen Flammen weithin sichtbar waren. Mit Anbruch der Morgenröthe setzten wir unsere Reise fort, bis wir gegen die neunte Bormiltagsstnnde eine lange Häuserreihe vor uns liegen sahen. Wir beschleunigten nun unseren Ritt. Gerade passirten wirdie ersten Häuser der Stadt, als uns ein iübijdjer Leichenzug entgegen kam. Wir stiegen daher sogleich von den Pferden ab. übergaben dieselben unseren Dienern und schloffen uns dem Tranerznge an. Man trug eben Ehacham Simon, einen gelehrten und frommen Mann, zu Grabe und hatten sich daher fast alle Gemeindemitgtieder zu dem Leichenbegangmfle eingefunden. Während der Zug sich zum Friedhofe | hin bewegte, wurde von den Anwesenden das -nsn