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Der Israelit · 1886-09-20 · Heft 75 (20.9.1886) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 75 (20.9.1886)
Date
1886-09-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1310 Der hohe Nabln Lörv hat jedach mich diese seine (ytTIrti'iuifl einen ocu>it1)riocii Einwand. Dernnach saslke es nicht heißen m:n nab c.v „wenn dn viel Thora gelernt hast," sondernnm rfrcy cn* ■ nnn ,,wenn dn dich viel nur die Thara bemüht Haft." Allein, trotz dieses Einwandes ist die gegebene Erklärung richtig. Diese Warte Rabbi Tarphons beziehen sich aus das Vorhergehende. So Jemand Arbeiter mielhet für ein bestimmtes Werk, so ist er nur daun verpflichtet, den Lohn zu bezahlen, wenn die Arbeiter das Werk vollenden; lassen sic cs unvollendet, so erhalten sie keinen Lohn. Nicht so verhält es sich in Bezug ans die Vollendung unserer Bestimmung ans Erden. „Nicht dir liegt cs ob die Arbeit zu vollenden, dn hast aber auch nicht die Freiheit, dich ihr zu entziehen." Nun könnte aber Jemand in das andere Extrem verfallen und meinen : Gerade so wie z. V. beim Lnlaw, den der Mensch in den Tagen des Hütten festes einmal in die Hand nimmt und dann wieder fortstellt, so hätte er auch in Bezug auf das Thoralernen seine Pflicht erfüllt, wenn er fünf oder zehn Minuten täglich sich damit beschäftigt hat. Um vor dieser irrigen Ansicht zu schützen, sagt Rabbi Tarphon: Wenn du viel Thora gelernt hast, so gibt man dir vielen Lohn. Dn darfst die Thora', wenn du täglich einmal in sie hiueiublickft, nicht fortlegen, wie das Lulaw, nachdem du es täglich einmal genommen, sondern du mutzt ihr jeden deiner freienAugeublicke widmen; denn je mehr und länger und eingehender du dich mit ihr beschäftigst, 'desto größer ist dein Lohn. — Dieser Gedanke wird im Talmud (Ehagiga 9d) näher ansgeführt: Bar He He fragte unfern großen Lehrer Hillel: Was bedeutet der Vers (Äaleachi E. 3, V. 18): Dann werdet ihr in euch gehen und den Unterschied sehen zwischen dem Gerechten und dem Frevler, zwischen dem, der Gott dient und dem, der ihm nicht dient. Ist denn der Gerechte nicht der, welcher Gott dient, und der Frevler der, welcher ihm nicht diente — Ihm antwortete Hillel: Der Prophet versteht unter Demjenigen, welcher Gott dient und dem, welcher ihnr nicht dient, unter Beiden, vollkommen Fromme, nur mit dem Unterschiede, der, welcher Gott nicht dient, ijt ein solcher, welcher einen Abschnitt hundertmal lernt; wer aber Gott dient ist ein solcher, welcher einen Abschnitt hundertundeiumal lernt. — Es ist eine große Lehre, die Hillel uns hier gibt. Der wahrhafte Gottesdiener ist derjenige, welcher sich Mühe gibt, das Werk, welches er begonnen, soweit ^eo in seinen Kräften steht, auch zn vollenden. So . Jemand fromm und gut und goitcsfürchrig ist, dabei aber sich mitten auf feinem Wege beirren. durch die ihm cntgegentretenden Schwierigkeiten sich ab sä) retten läßt, so das; das Begonnene unvollendet bleibt, der ist kein wahrhafter Gottesdiener. Hundertmal, sagt er, habe ich das gelernt, und kann es noch nicht -- ich werde es anfgeben: habe ich doch mehr als das Meinige gerhan. — Der wahrhafte Gottesdiener hingegen wird eine» Abschnitt, und sollte er auch noch so schwierig sein, so lange lernen und durchforschen, bis er ihn versteht und kennt und weist, Und sollte er zum Hundertstenmale das Ziel noch nicht erreicht haben, so wird er wieder von Borne beginnen; er wird seines Mähens nicht überdrüssig werden; er wird nicht ruhen und rasten, bis das zu Erlernende sein volles Eigenthum geworden. So lehrt auch Rabbi Jehuda den Rabbi Simon (Sanhedrin 100): Jeder, der um des Erlernens der Thora willen sich Entbehrungen anferlegt in dieser Welt, dem wird Gott in der künftigen Welt herrlichen Glanz verleihen, wie es heistt (Schir Haschirim C. 4): Herrlich wird er erscheinen wie der Libanon, groß wie die mächtige Eedcr. Rabbi Tanchnm bar Rabbi Ehanilai sagte: Wer in dieser Welt um des Thorastudimns willen Hunger leidet, den wird Gott sättigen in der zukünftigen Welt, wie es heistt: (Psalm 36, V. 8—10): Wie köstlich, Gott, ist Deine Güte! Du schützest Menschenkinder im Schatten Deiner Flügel! Sie laben sich vom Segcnsmahle Deines Hauses; Du tränkst vom Strome Deiner Wonne siel Denn bei Dir ist des Lebens Urquell, in Deinem Lichte schauen wir Licht. (Fortsetzung folgt). Zeitungsnachrichten und Corresponderrzcu. Deutschland. Danzig. Heber eine neue Ausweisungs-Tragödie berichtet die „Tanz. Ztg.„: Der feit 36 Jahren in Preußen wohnhafte, seit 22 Jahren in Lantenbnrg verheirathcte Handelsmann Jakob Lewin ans Lantenbnrg erhielt im Anfänge des Sommers gleich vielen Anderen die Ordre, mit seiner Ehefrau und seinen sechs Kindern (das jüngste 2 Jahre alt) das preußische Staatsgebiet zu vertanen. Lewin begab sich demgemäß nach seinem Geburtslande Rußland, wurde von dort aber nach Preußen zurückgcwiesen, weil sich ans den russtschen Registern seine dortige Sraalsangehörigkeir nicht ermitteln ließ. Da er völlig mittellos war, blieb ihm nichts übrig, als nach" seiner bisherigen Heimath Lautenburg zurückzukehren. Dort erhielt er eine vom Landrarh des Srrasburger Kreises initenii 21. Juli gegen ihn

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