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Der Israelit · 1886-09-20 · Heft 75 (20.9.1886) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 75 (20.9.1886)
Date
1886-09-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXVII. 3af)Vß<mß. J\q 7&t Ein Zentral - Hrgan für das orthodoxe Zudentfium. Heransgegeben von L-r. Lehmann in Mainz. Montag, den 20. September 5646 (1886). f*— Da mit dem 1. Oct. 1886 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement stühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. Leitender Artikel. Are Sprüche der Waler. II. Buch, zweite Abtheilung. xxxx. Mainz, 16. September. renn 12V *':m rain min cs. „Wenn du viel Thora gelernt hast, so gibt man dir vielen Lohn." In Bezug auf diesen Ausspruch Rabbi Tarphons, sagt der hohe Rabbi Löw aus Prag, ist eine große Frage zu erörtern. Ans unsrer Mischnah scheint hervorzugchen, daß die Fülle des Lohnes sich nach der Fülle des Gelernten bemißt, während wir an verschiedenen Stellen im Talmud anders belehrt werden. So wird uns im ersten Abschnitte des Traktats Berachoth erzählt: Rabbi Elasar war krank, und Rabbi Jochanan kam, um ihn zu besuchen. Er fand den Kranken weinend: und er fragte ihn: Warum weinst Du? Vielleicht deßhalb, wett Du fürchtest, in jungen Jahren sterben zu müpen und es Dir noch nicht gelungen ist, viel Thora zu lehren. Haben wir doch gelernt: einerlei, ob jemand viel oder wenig vollbringt, wenn er nursein Her; daraus richtet. Alles, was er thut, in reiner Absicht, zu Ehren des göttlichen Namens zu thun! — Demnach ist kein Unterschied zwischen dem, welcher viel, und dem welcher wenig gelernt hat, während in unsrer Mischnah gelehrt wird, daß der Lohn nach der Menge des Erlernten sich richtet. Die Lösung dieses Widerspruches werden wir finden, wenn wir aus die Mischnah Sebachim zurückgehen, die Rabbi Jochanan hier anführt. Dort heißt es: Ni *r;n nrw m nrx nrrc 12-ü £>*2wn TiXi raisn ihn:? 1277 ,nrr: m ”1:22: nn2 : 2*2177 127 jID'CT 12721 „Beim Stiere zum Ganzopfer wird gesagt: zum Dufte des Wohlgefallens; beim Vogel, zum Ganzopfer wird gesagt: zum Dufte des Wohlgefallens; beim Mehlopfer wird gesagt: zum Dufte des Wohlgefallens; das will uns lehren: einerlei, ob jemand viel oder wenig vollbringt, wenn er nur sein Herz gen Himmel richtet." — Damit soll nicht etwa gesagt werden, daß kein Unterschied sei zwischen einem Opfer, welches aus einen: Stiere und zwischen einem solchen aus einem Vogel oder aus Mehl besteht; wenn dem so wäre, so würde sich jeder hüten, einen Stier für 300 Mark zu opfern, wenn er dasselbe durch eine Mchlgabe für etwa 2 Mark erreichen könnte. Der Sinn ist vielmehr der, daß die Gabe des Armen, welcher unter Kummer und Schmerz und Entbehrungen das Geld zu einem Mchlopfer sich vom. Munde abspart, vor Gott ebenso wohlgefällig ist wie die Gabe des Reichen, der einen werthvollen Ttier zum Opfer darbringt. — Dieses ist der Maßstab, nach dem alle derartige Verhältnisse zu bemessen sind. Wenn Jemand z. B. von der Statur sehr begabt ist, und es gelingt ihm, in Folge seiner leichten Auffassung und seines starken Gedächtnisses in einem Monate mehr zu lernen als Andere in Jahren, so hat der Minderbegabte nicht deßhalb eine geringere Belohnung zu erwarten. Oder es ist Jemand in der glücklichen Lage, seine ganze Zeit dem Thoraftudium widmen zu können, während Andere mit schwerer Mühe sich und ihre Familie ernähren und nur kurze Zeit für das Thoraftudium zu gewinnen vermögen, so ist der Letzteren Lohn nicht geringer als der des Ersteren. — Wir haben also unsre Mischna so zu verstehen, daß nicht die große Menge des Gelernten den Maßftab für die Belohnung bildet, sondern die Größe der Mühe, die sich ein Jeder gegeben, um recht viel Zeit für die Thora zu gewinnen, und in dieser Zeit recht viel zu lernen.

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