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Der Israelit · 1886-09-16 · Heft 74 (16.9.1886) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 74 (16.9.1886)
Date
1886-09-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Inf) lucbcr bei* Gerichtshof noch das zahlreich auuirfciibc Publicum dum* verstarlden. 'Jhiil) abi]c[d)loiTciu’m Berveisversalrren. welche-) sich durch energisches Eingreifen de) Vertheidiger) für dcu Angetlagten Immer günstiger ftefniltctc, plaidjne der Staalsanivalt, trotzdern mariche wichtige Monrenle keine Aufklärung gesunden haben, für die Ausrechthaltnng der Anklage, indem er die Bestrafung des Angeklagten nur wegen Vergehens der Bigamie verlangte. Nach dem Staatsanwalt ergriff Advocat EÜtvös das LtZort, um in geistvoller Weise für die Rechte seiner Etieulin einzutreten. Vertheidiger Tr. ArminKalla! bekämpfte mit vielem Geschick die Anklage und bestritt insbesondere die Strafbarkeit der seinem Clienten impulirten Handlung, selbst wenn dieselbe als wahr zugegeben werden könnte. In Folge der sichtlichen Wirkung der Bertheidigung beantragte Karl EötvöS eine NachttagsunLerfuchung und vorläufige Verhaftung des Angeklagten, welchem Anträge sich die Staatsanwaltschaft anschloß: der Gerichtshof behielt sich die Entschließung über diesen Antrag für die memorische Entscheidung bevor und zog sich zur Urtheilsschöpsuug zurück. Nach mehrstündiger Berarhnng erklärte der Gerichtshof, in ineriw kein llrtheil bringen zu können, und beschloß, die Untersuchung in Bezug auf die Zuständigkeit des Angeklagten, solvie über den Gebrauch des ,,Jbun," dessen Rechtswirkung und noch andere bisher unaufgeklärte Thatsachen durch das k. k. österreichisch-ungarische Gencral-Consulat in Alexandrien ergänzen zu lassen; nachdem kein gesetzlicher Grund zur Detenirnng des Angeklagten vorhanden ist, wurde derselbe auch weiter aus freiem Fuß belassen. M e s o p o L a m i c n. Nisibis (z'I'L)). Es war am Hoschanah-Nabbah. Ich hatte dieses Halbsest und selbstverständlich auch die beiden nachfolgenden Festtage: Schcmiui-Azerclh und Simchath-Thora in dem Städtchen Karkcsich (-'22^2, die Griechen nannten diesen OrrKirkesinm) am Euphrat verbracht, wo es nicht nur außerordentlich hübsche Hoschanoth, jede derselben war zwei bis drei Fuß lang und ihre Blätter so dunkelgrün wie Oliven, sondern auch herrliche große und fette Flußfische gab, die noch dazu spottbillig waren. Ich logirte bei dem Schamcs der Gemeinde oder, wie man ihn gewonlich nannte, Chacham Ibrahim, da er ein rmn (jüdischer Gelehrter) und zugleich auch Dasan (Viccrabbiner) der Gemeinde war. Ehacham Ibrahim war damals ein Mann von 50 Jahren, befaß aber dennoch schon, da man in Babnlonicn recht zeitlich heirathet, ein ganze Schaar von t^nlel» und Enkelinnen. Ta) Miktagsessen war eben vorüber, und ich begann nun mit meinem Winhe über meine Reisepläne zn sprecherr. Da er wußte, daß ich die Absicht Halle, quer durch da) nördliche Mesopotamien nach Mossul (rnr;) am Tigris zn gehen, so meinte er, ich möchte die kurze nutz bequemere Straße über Sindschar, auch Singar genannt, (da) der Bibel) wählen, welche noch dazu den Bortheil bieret, daß ans ihr eine leidliche. Sicherheit herrscht. Ich hatte jedoch schon früher den Plan gefaßt, auf der Reise nach Mossul auch da) in den beiden Talmuden so oft erwähnte Städtchen (z'2'Uch zu besuchen, und so dankte ich daher bestens für die freundlichen Rathschläge meines lieben Wirthcs und erklärte ihm, daß ich bei meinem gefaßten Entschlüsse bleiben und über Nisibis (die Kurden, Chaldäer, nennen diesen Orr auch Niseb) gehen werde. Nisibis bietet heute, abgesehen davon, daß dort einige Tauann und Anroraim ruhen und daß dessen Gemeinde eitle uralte Synagoge befim, nichts besonders Schenswerthes dar-, dafür aber befindet sich unweit das berühmte Schlachtfeld, auf dem 1840 die türkische Armee von der egyptischen, von Ibrahim Pascha, dem Sohne des Bicekönigs Mchemed Ali, befehligte, gänzlich geschlagen wurde, wodurch der Fortbestand des türkisches Reiches selbst, dessen jugendlicher Herrscher, Sultan Abdul Mcdschid, eben den Thron bestiegen hatte, gänzlich in Frage gestellt wurde. Dieser Schlacht hat auch der greise deutsche Fcldniarschall, Graf von Moltke, damals noch Kapitän v. Moltke, aber nur als passiver Zuschauer angewohnt. Zwar harte Kapitän v. Moltke Tags vorher noch dem türkischen Obcrkommandanieu cindringlichst angerathen', unverzüglich Nisibis zn räumen und sich mir seiner Armee ans Bir am Euphrat .zurückznziehcn. Dieselbe hätte dann dort ein halbkreisförmiges Lager beziehen sollen, Hessen Sehne der Fluß gebildet hätte. Der Oberkommandant hätte dann seine sämmtlichen Truppen in der Front verwenden können und keinen llcberfall vom Rücken her befürchten muffen. Der türkische Feldherr wies jedoch den weisen Rath des deutschen Strategen mir einigen lävpiich-blgotten Worten zurück, und vierundzwanzig Stunden nachher eilte er schon als Flüchtling dem Euphrat zn, während reine halbe 'Armee sich in cgnvmcher Gefangenschaft befand. Ter Name Äolrke ist daher noch heute höchst populär in Nisibis, und viele Greise daselbst, die sich genau au die Vorgänge bei dieser Schlacht zu erinnern wußten, baren mich um eine Photographie des Kapudan alemau (deutschen Eapiräns)" eine

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