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Der Israelit · 1886-09-13 · Heft 73 (13.9.1886) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 73 (13.9.1886)
Date
1886-09-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XX VH. Jahrgang. Beilage ju 11 v. 73 öes Israelit. Zejttmgsnachrichten und Correspoudeuzen. Deutschland. Berlin, 12. Sept. Gestern Vormittag gegen 10 Uhr verschied nach schwerem Leiden der Reichsiagsabgcordnete Ludwig Löwe im Alter von 49 Zähren. — Derselbe war 1837 in H eil i gen st ad t geboren, besuchte daselbst einige Jahre das Gymnasium und widmete sich dann bcni Handelsstande. Nach B erlin gekommen, entfaltete er bald eine lebhafte politische Thätigkeit. Schon im Jahre 64 — im Alter von 27 Jahren — wurde er in die Stadtverordneten-Versammlung gewählt, in welcher er die großartige Entwickelung der späteren Reichshauptstadt nach Kräften zu fördern strebte. Seit 77, resp. 78 gehörte er dem preußischen Abgeordnetenhause und dem deutschen Reichstage an. Als Geschäftsmann, resp. Fabrikant hat sich der Verewigte um die Herstellung der Präcisionswaffen große Verdienste erworben. Auch war er Mitglied der Repräsentanz der isr. Gemeinde. Die Beerdigung findet Dienstag Vormittag von der Synagoge in der Oranieubergerftraße aus. (ZuieseLtin xaee! — Pr. Frichland. Am 30. August two my h'hü mn wurde hier eine ebenso seltene als ernste Feier begangen, welche sichtlich auf aste Anwesenden einen tiefen Eindruck gemacht hat; es war die Einweihung des neuangelegten Friedhofs der hiesigen Synagogengemeinde. Sie gestaltete sich um so feierlicher, als nicht nur die Mitglieder der Gemeinde dabei vertreten waren, sondern auch aus nichtjüdischen Kreisen, wie Herr Landrath Dr. Scheffer aus Schlochau, der eigens zu dieser Feier hierher gekonimen war, sowie Herr Bürgermeister Dannebaum und sämmtliche Magistrats- Mitglieder, die Herren Stadtverordneten, der evangelische Prediger (der katholische Prediger war krankheitshalber verhindert) Herr Amtsrichter D y es, die Herren Gymnasial-Seminar- und Volks-Schullehrer und viele der angesehensten Bürger unserer Stadt sich daran betheiligt halten. Nachmittags 123/* Uhr begann die Feier mit dem ^22 2-'- Gebete in der Synagoge, an welche sich eine Rede des Herrn Rabbiner Dr. Werner aus Danzig anschloß. Beginnend mit den Worten t ’tt. nnh deren Anfangsbuchstaben den Monat bilden, zeigte Redner, lute es gerade ctmn ms die Liebe und Güte Gottes ist, welche uns binführt zu dem pn dv. An der Hand talmndischer Aussprüche entwickelte Redner vier Eardinalpunkte „Können, Wollen, (Alanden, Wissen", welche unS auf dem Wege zu jenem pn cv leiten müssen. Ein Gebet beschloß die so inhaltsreiche und formvollendete als auch begeisternd gehaltene Rede. Hieran reihte sich der. eigentliche Weiheakt auf dem Friedhöfe, welcher mit Ps. 91, vorgetragcn von Herrn Eautor Rubi n, eingeleitct wurde. Nachdem ein zweistiinmiger Ehor, die Verse 15, 16, '17, aus Ps. 103 vorgetragen und Hci-r Rubin Ps. 23 rezitirt, trat Herr Rabbiner Dr. Werner abermals vor die Kanzel und hielt die weihevolle Festrede, welcher er den Vers ans Ps. 103 rv' tstd zu Grunde legte und darin die Benennungen n’2 nn2pn r>'2, o”nn rv2 □H’n eingehend erklärte. Hierauf rezitirte Herr Rubin die ersten 8 Verse des Ps. 16. Nachdem Herr Rabbiner Dr. Werner ein ergreifendes Gebet in hebräischer und deutscher Sprache vorgctragen, folgte ein Chorgesang, enthaltend die letzten 3 Verse des Ps. 16, welcher die ernste Feier beendigte. Wir freuen uns, einen Redner wie Herrn Dr. .Werner, zu Einweihung berufen zn haben, der es so recht verstanden, durch seine gehaltvollen Weben innigen Beifall bei allen daran Beteiligten hervorzurnfen und wird dieser Tag noch .lange in angenehmer Erinnerung bei uns bleiben. Wöllstein, Prov. Posen. X. S. Nach kaum 14tägiger Anwesenheit unseres allverehrten Rabbiners Herrn Höxter, konnte man es unserer Gemeinde anmerken, daß neues Leben in dieselbe gekommen sei, und wir hätten schon damals gern unserem vollen Herzen durch einen Bericht Luft gemacht, aber wir wollten uns den Vorwurf der Voreiligkeit ersparen. Heute aber nach vollen zwei Monaten dürfen wir mit unserem Urtheil frei hervortreten. Wir haben alle Veranlassung mit freudigen! Stolz auf die Wirksamkeit, unseres von allen hochgeachteten und geschämen Rabbiners zn blicken. Ein frisches, jüdisches Leben pulsirt in unserer Mitte. Es sprayet, blühet und knospet an allen Enden. In so kurzem Zeiträume solches zn leisten, ist nur einem möglich, der einmal solche standhafte Ausdauer zeigt, andererseits und hauptsächlich aber der

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