Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 73 (13.9.1886)
- Date
- 1886-09-13
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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ein so offene«* Wort redet, wie ea der Herr Mtitulier in seiner Antrittsredegetban. sei mio gestattet, in fm.U'n ^Oorieu den Olebaiifi’iiflniifl, soweit er uns noch im Oledachtniffe liegt, wieder.znneben, um denjenigen, die es ernst nnd auftichug mit nnö meinen, ein Beispiel vor.zusühren, das feine Wirkung nicht verfehlen kann. An den Text -t. B. M., E. -7, in nnd 17 sich anschließend, suchte er die Aufgabe des Rabbiners zu entwickeln. Zunächst solle er durch sein Beispiel und durch milde, liebreiche Worte sich die Herzen der Gemeinde gewinnen so» nyw -es. Dabei dürfe er aber nicht, wo es sich um die Auslegung des Gesetzes handele, ruhig zuschaueu, sondern müsse, über den Parteien stehend, mit Sanftmuth die Fehler tadeln. Doch nicht immer könne die Sanftmuth obwalten, denn, wenn Abfall nnd Laster einreißen, müsse er mit heiliger Entrüstung anftreten und Dinge.fagcn, wenn sie auch nicht gern gehört werden. Ldr'LQ "twi. Im zweiten Theil behandelte derselbe die Frage, wie die 'n my eine Heerde werde könne, die einen treuen Hirten hat. Hier führte derselbe die Talmudstelle an: tü3ras mna* nwn 'na nryo und leitete aus derselben die Begeisterung für die göttlichen Gebote ab; doch könne diese nur dann erblühen, wenn wieder Kenntnis; nnd Erkenntm'ß der Thora Verbreitung finde; denn diese allein befähige die Jugend, daß sie beim Uebergange ins reifere Leben mit Mnth und Freudigkeit die Gebote Gottes erfülle. So wolle er die Jugend erziehen und die Alten belehren, und er hoffe so oen Friedensbund mit der Gemeinde zu schließen. Wir werden nun in einem späteren Artikel auf die Thätigkeit selbst eiugehcu. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Prag. Dem Bericht über das Armenwesen der Prager isr. Eultusgemeinde im Jahre 1885 entnehmen wir: Die Prinzipien eines geregelten Armenwesens, wie sie von der Theorie festgestellt sind und auch von der politischen Gemeinde, der eben der staatliche Pflicht der Armenpflege obliegt, strenge eingehalten werden müssen, fordern eine stramme Een- ' tralisation, welche herbeiznführen wir als Enltnsgetneiude nicht die Macht besitzen. Ueberdies wird von.der jüdisch-confessionelten Armenpflege herkömmlich ein Hinausgehen über jenes Minimum, welches die ogentliche Armenpflege leistet, das Vermeiden der bei couseguenter Durchführung bestimmter Prinzipien in einzelnen Fällen sich ergebenden Härten verlangt. Wir haben daher als unsere erste Aufgabe be-! trachtet, die regelmäßige Unterstützung der luhfh.:*, armen, kranken, dauernd erwerbsunfähigen Pc'.st neu nuferer Gemeinde. Dann folgt die zeirm.i!^ .Unterstützung aller in dieselben .Kategorien gehorch den schon lange hier wohnenden wen» auch hieron-: nicht zuständigen Personen. Schließlich die eitn:u lige Unterstützung um.» Fremden, mögen sie blos durchreisen, Arbeit suche» oder nach überstaiideuer Krankheit aus einem der hiesigen Spitäler entlassen worden sein. Monatskarten erhielten nur notorische Bettler, um dadurch dem Hansbcttel vorznbengen; Purirr:- und Neujahrsgelder jene Personen, welche sonst das Einsammeln dieser Spenden in Öfter störender Weist selbst besorgten. Um den Gemeindeniitgtiedern dicst Belästigung zu ersparen, nimmt die Gemeinde-Repräsentanz sowie die Armeneommission die Gaben anläßlich des Neumonds, Purim und Neujahrs entgegen und verabfolgt über geäußerten Wurffs „Schutzmarken gegen den Hausbettel." Die sämmtlichen behufs Geldunterstützung der Armen-Eommiff'ion zur Verfügung gestandenen Geldmittel betrugen 19479 fl. 13 kr., wovon 10430 rl 71 kr. verausgabt wurden. Während jedoch die Ausgaben mit vollster Regelmäßigkeit und in immer mehr zunehmender Höhe wiederkehren, ist auf den präzisen Eingang der Einnahmen mit alleiniger Ausnahme der vei: der Repräsentanz bewilligten Subvention nicht mir gleicher Sicherheit zu rechnen. Die berühmte Woirtlhätigkeit unserer Gemeinde findet wohl ihren beredten Ausdruck in den Ziffern der Ausweise, aber den vielen Hunderten Familien gegenüber, die von der Roth gedrängt, bittend an uns herantreteu, ist es trotzdem sehr schwer das Anslangen zu finden. Und so ungerne wir dem Einzelnen das edle Vergnügen schmälern mochten, eigenhändig Almosen zu geben, minien wir doch im Jnterepe eines geregelten Armenwesens bitten, die Armeneommission als das hiezu berufenste Organ durch Zuweisung von Beiträgen und Spenden kräftigst fordern zu wollen. Dem Umstande, daß dem Armeninstute an Legaten und Spenden 134 fl. eingingen und daß lau: Entscheidung des h. Finanz-Ministeriums eine aeleiftete Mehrzahlung der 10 pEt. Widmungsgebülu der Steuerstistung im Betrage von 224 fl. zurückfloß. ist es zuzuschreiben, daß das Verwaltungsjal-r 1885 mir einem Vcrmögensznwachs von 685 st. 56 kr. abschloß. In der Joachim Wien'scheu WohnunaSst'munck befinden sich gegenwärtig acht Frauen, welche Wobnnng, .Beleuchtung, Beheizung und Bedienung uuentgeltlich genießen.