Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 73 (13.9.1886)
- Date
- 1886-09-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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lt>.sr> IttftrifdKii Schmeichlern gröblich über feinen Sohn getänschl worden war. Die Lehrer an der slädttsthen Schule, die von ich» abhingen, i-utten, wenn mich nicht die Litten nnd den Fortgang, so doch die Fähigkeiten und Anlagen seinem Sohnes hochbelobt, ihn in dem Wahne gelassen, 6)assenbübereieu und Schelmenstreiche wären nur entschuldbare Auswüchse eines überregen Geistes, und wenn er einmal die Turbulenz der Knabcnjahre abgestrcift haben und zur Einsicht gelaugt sein werde, werde er auch all den Witz und Scharfsinn, den er jetzt freilich nur auf übermüthigc Streiche verwende, in besserer Weise zur Aneignung von Wissen verwerthe», und in den später» Knabenjahren, durch rasche Auffassung das Versäumte nachhole». Und nun hatte ihm Pfarrer Willibald erklärt, sein Sohn sei ein total unfähiger Bursche. Es war seit der Geburt seines einzigen Kindes sein Lieblingsgedanke gewesen ihn einst Juri siudireu zu lassen, nnd er hatte sich mit der Hoffnung geschmeichelt , es noch zu erleben, ihn auf einer hohen Stufe der Beamtcnhicrarchie zu erblicken; — und nun war der schöne Traum des eitlen Vaters zerronnen. Bei weiterem Bedenken trat zu der Sorge für die Zukunft noch die Befürchtung mit dem Grafen Andrassn in einen unangenehmen Conflict.zn gcraihen. Sein Bube hatte den jungen Offizier in unverantwortlichster Weise geschädigt, hatte seine Lieblingspferde in grausamster Weise, gequält. Mit einem heißblütigen, jungen Magnaten, welcher einer der ersten ungarischen Familien angehörte, war in jener Zeit kein Scherz zu treiben. Der Lieutenant war vollkommen berechtigt, von dem knickerigen Golzingcr, vollen Ersatz für den ihm von dessen Sohne zugcfügten Schaden zu beanspruchen, und dieser konnte sich bei der seltenen Schönheit der beschädigten Pferde, welche überdies xrerium Lfl'eetioms sehr hoch taxirt werden, konnten auf eine sehr^ großen Summe belaufen, auch konnte Graf Andrasiy eine exemplarische Züchtigung seines Sohnes verlangen, und so tyrannisch Golzingcr gegen unter ihm Stehende war, eben so kriecherisch und furchtsam benahm er sich einem hochadeligen Herrn gegenüber. Zu alledem hatte „der dumme Lorenz," wie der erboste Golzingcr seinen sonst geliebten, verzogenen Sohn in seinen Gedanken das Erstemal nannte, diesmal seine Gapenbüberei nicht einmal genial dnrchgcführt, er war bei seiner Thierqnälerei in flagranti betreten worden und Hane corenu populo einen scharfen Peitschenhieb in's Gefickt erhalten. „Herr Gott im Himmel!" mußte der Bürgermeister nmvrllkührlich halblaut ansrnfen, „wenn das ein anderer als der-junge Gras Andrassti gewesen wäre, ich hätte den Eonjon halb oder ganz todtprngeln lassen! .... nnd der neunjährige Inder,junge hatte, wie der glaubwürdige Pfarrer berichtete, den, nur vier Jahre ättern, „gntgenährten, langen, dicken Jungen," so bezeichncte er ihn irr seinen ärgerlicher! Gedanken, dje Reitpeitsche entrissen, zerbrochen nrrd ans dein Fenster geworfen. Wen» sei«', schwarzes, steinernes Herz einer dankbaren Regung fähig gewesen wäre, hätte er noch die lästige Verpflichtung gehabt, den „landstreichcrischen Judenbuben." so titulirte er Michael in seinen Gedanken, dafür dankbar zu sein, daß er seinen Sohn nicht tüchtig durchgewammft hatte. Einem unedlen Menschen ist nichts bedrückender, als das Gefühl der Ohnmacht, als wenn auch verdiente Zurechtweisung nicht durch zugesügtes Leid vergelten zu können. Golzingcr hätte am liebsten dem Grafen Andrassti, dem Pfarrer nnd dem kleinen Michael alles erdenkliche Böse zugefügt. Aber der junge Magnat war seiner Rache völlig unerreichbar, der Pfarrer durch seine Stellung vor seinem Grimme geschützt, ja sogar der kleine Judenknabe, schien seiner Machtsphäre dadurch entrückt, daß Pater Willibald erklärte, ihn vor jeder Unbill zu schützen. Sein Zorn fand in dein Momente keinen wünschcnswerlhen Ableiter und lenkte sich gegen seinen ursprünglichen Witten ans seinen Sohn. Alles erschien ihm heute an diesem .strafwürdiger als sonst. Wenn sich sonst Lorenz in der Schule bei einer Schelmerei in unverschämtester Weise herausgelogeu, hatte er nichts dagegen einznwenden, aber ihn selbst hatte er nicht in solcher Weise belügen sollen und so entlud sich Golzingers volle Zornesschale auf Lorenzens schuldig Haupt; und es trat das Erstemal in seinem Leben ein Ereigniß ein, das früher eiugetretcn nur förderlich hätte eimvirken können, nämlich zu Lorenzens namenloser nnd unangenehmster Ueberraschung prügelte ihn sein Vater mit musterhafter Gründlichkeit durch, und Lorenz schrie als wenn er amSpicße stäke. Seine Mutter trat ans Seite ihres .müdes nnb.es kam bei dieser erfreulichen Familienscene zu einem niedlichen Handgemenge, zwischen den Ehegatten, in welchem dem Familienoberhäiiptk ein. von Feiner Gattin mit weit mehr Geschicklichkeit als Zärtlichkeit gehandhabrer Stiefelknecht an den Kopf flog, und ihm eine biruengroße Beute schlug, während die zartere Ehehälfte von ihrem lieben Gatten mit einem Rippenstöße der vorzüglichsten Sorte bedacht und überdies auch reichlich mit.Ohrfeigen regalirt worden war. Tie Sollcnilät dieser Scene wurde wesentlich dadurch erhöhr, daß der Bürgermeister in wildem Ungestüme dic Execution an seinem nriß-