Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 73 (13.9.1886)
- Date
- 1886-09-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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l: CBüyhiK. 3o Hai (io in 'lUnUiftocf mcfm'i'c :v\iihou fli’lücilifrtin nach dem Polizist ovr'orgoluacht, densojvon die Röcke hh Utcie und eine HaaUocke atz gefilmiKeii, um sie fo dom Spotte des Publikum) nusznsotzen. Der „Rlissi Kurier" meldet, das; 2iu„i jüdische Familien in Rostow am Don, um sich vor der augedrohtcn Ausweisung zu schiitzeu, sich haben taufen lassen. Wiederum zeigt es sieh, wie die rnssisohen Zeituiigeil zu übertreiben verstehen, da zuverlässige» Nachrichten zufolge, nur zwei jüdische Familien znm Ehristcuthumc übergetreten sind. F c ii i 1 l c t o tu WichaeO. Erzählung von S. Ko hu, Berfasser von Gabriel. (Fortsetzung.) Pfarrer Willibald war ein kluger Mann. Wenn er es beabsichtigte, vermochte er die bitterste Wahrheit in irgend einer Weise zu versüßen, und trotz seines Zornes mußte Golzinger doch erkennen, daß er ihm in wohlwollender Absicht einen guten Nach crtheile. Bei näherem Bedenken mochte er wohl auch erkennen, daß es in seines Sohnes Interesse gelegen sei, sich mit dem geistlichen Herrn nicht zu verfeinden und er sprach: „Herr Pfarrer, Sie haben eben keine Kinder, Sie fühlen es nicht, wie ein Vater sein leibliches Kind liebt. Ich wünsche, daß mein Lorenz hoch stiege, und ich bin leider ein Bürgerlicher, als solcher kann aber mein Sohn nur als Jurist zu einer hohen Stufe emporkliminen. Bei dem Militär kann er fast gar nicht avanckren. Man wird in unserer Armee selten einen bürgerlichen Offizier finden, aber daß es im ganzen österreichischen Heere keinen bürgerlichen Stabsoffizier, keinen Major gibt, darauf möchte ich ein Jnrament ablegen. Ich weiß das genau, meiner Frau Schwestermann ist ein Baron und jetzt ein Major in Pension, er hat als verschuldeter Lieutenant meine Schwägerin ihres Reichthums wegen geheirathct, der kennt die Verhältnisse in der Armee genau." „Die Verhältnisse, die Sie so eben angedeutet haben, können sich leicht ändern. Vergessen Sie nicht, daß jetzt Kaiser Josef in Oesterreich regiert, der ein Menschen-, und daher auch ein Bürger¬ und Bancrufrennd ist, ein Fürst, dessen Streben dahin gerichtet ist, dem Talente, wo er es auch findet, ahne Rücksicht ans <Mcluut und Abstammung, die freie Bahn zu öffnen." m trat in dom Gespräche eine kurze Panse ein, endlich meinte der Bürgermeister: „Alsa Sie sind soft und unabänderlich ent. schlossen, meinen Lorenz nicht mehr zu unterrichtend" „Gewiß, aber Sie brauchen sich darüber nicht zu grämen, cs ist in der That hierbei nichts verloren, Lorenz würde von meinem Unterrichte nichts prositircn." „Dann hätte ich mir noch die Bitte an Sie zu richten, hochwürdiger Herr, glicht zu erzählen, daß Sie den Unterricht meines Lohnes aufgegeben. Ich tvürdc glauben lassen, ich hätte mich bezüglich meines Sohnes anders resolvirt, ich ljöttc_ ihn znm Militärstande bestimmt und gelehrtes Minen wäre nur ein überflüssiger Ballast ans seiner Lebensbahn." „Ich bin kein Schwätzer, Herr Bürgermeister," erwiderte der Pfarrer. „Ich bin gewiß der Letzte, der ohne zwingende Nothwendigkeit etwas spricht, das einen Andern schädigen könnte. Abiw auch ich habe eine Bitte an Sie. ^Jn Ihres Lohnes und in Ihrem eigenen Interesse, ersuche ich Sie, Ihren Sohn strenger zu halten, er bedarf einer starken, unnachsichtigen Hand, ihn ans die richtige Bahn zu lenken, Namentlich muß ich Sie bitten, ihn vor einem Versuche Michael zu mißhandeln oder zu beleidigen, nachdrücklichst zn warnen. Es könnte dies nur zu Ihres Sohnes Nachthell aussallen. Michael ist ihm, wie ich mich heute zn überzeugen Gelegenheit hatte, an Kraft überlegen und ich müßte bei einer Wiederholung der heutigen häßlichen Scene, auf eine strenge, exemplarische Züchtigung Ihres Sohnes dringen, und würde ihn auch Ihre Stellung vor einer solchen nicht zn schützen vermögen!" Bürgermeister *Gol;inger kam in höchst verdrießlicher Stimmung beim. Sein Muttersöhnchen Lorenz war, er nmBte sich die Wahrheit trotz seiner Affenliebe zn diesem, gestehen, ein Taugenichts in des Wortes vollster und richtigster Bedeutung. Er hatte bisher in feinem Lorenz ein Spiegelbild seiner eigenen Jugend zu erblicken geglaubt; aber er selbst war als Knabe wohl ein heilloser, zn allen schlechten Streichen aufgelegter Gassenjunge, ein Schrecken aller schwächerer Kinder, aber er war wenigstens ein begabter Bursche gewesen^— und jetzt mußte er inüe werden, daß sein Lohn nur alle seine schlechten, aber keine seiner guten Eigenschaften besitze. Ter Bursche halte ihm nach allen Richtungen hin Verdruß und Lchande bereiter. Jetzt erkannte er erst, daß er trotz seiner Klugheit von speichet-