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Der Israelit · 1886-09-13 · Heft 73 (13.9.1886) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 73 (13.9.1886)
Date
1886-09-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Zritrrirgönachrichtt'n und r^orrefporrdtttzr». Deutschland. Aus Thüringen. Am 2ll. und 24. August IhcII der „Verei u jüdische r u 11» vbeam t c n Mitteldeutschlands" in Eisenach seine Jahresversammlung ab. Anwesend waren die .Herren: l) Abel-Dessau, 2) Abrainowitz - Halle, ,'t) Banmgart-Stadttcngsfcld, 5) Engclberg-Ascheuhaukn, 0) Fackcnhcim-Mühlhausen, 7) Goldschmidt- Z'adja, 8) Holländer-Berkach, 0) Heidnngsseld-Eisenach, 10) Lcvi-Hciligcnstadt, H) Oppcnhcinr-Eoburg. l2) Nöthler-Götha, 18) Rothschild-Erfurt, 14) Landrabbmcr Dr. Salzer-Stadtlcngsseld, 15) Strauß- Wekßcufcls, 16) Wolf-Cöthcn und Rosenstein-Hcrlcshauscn. Seitens des Gemeindevorstandes waren anwesend: Die Herren Deputirten Sticbel, Steinb erg er und Löweustein. Die Versammlung wurde Nachmittags um 4 Uhr Seitens des stellvertretenden Vorsitzenden, Herrn Fackcnheim, durch eine entsprechende Au- und BewMommuungsrede erögnet. Herr Heidnngsfcld- Eisenach begrüßte die Versammlung im Namen der Gemeinde des Vorstehers Herrn Backhaus, da derselbe durch einen schweren Krankheitsfall in seiner Familie zu seinem Bedauern verhindert war, selbst dieser Ehrenpflicht zu genügen. Die Verhandlungen eröffnete Herr Dr Salzer mit einem Vorträge, welcher sich mit der Beantwortung der Frage beschäftigte: „W i e s i n d d i e Wundergeschichten der Bibel didaktisch in der Schule zu behandelnd" Der geehrte Redner schickte seinem inhaltreichcn und fctielnben Vorträge die Bemerkung voraus, daß bei der Beantwortung der zur Aufgabe gestellten Frage die Stellung, welche die Anhänger der naturalistischen Anschauung zu der Wunderfrage cinuehmen, hier außer Betracht bleiben müsse, da sie mit der Bibel und daher mit der Lehre des Judcnthums nicht in Einklang zu bringen sei. Darauf entwickelte er in fast einstündigcr Rede sein Thema, dessen Hauptgedanke in Folgendem gipfelten: Die Wunder, in der Schrift gewöhnlich mit ri'-rr und rz'z bezeichnet, werden in der Bibel als Schöpsungslhaten Gottes hingcstellt, als welche wir ste aufzufaycn haben. Als solche sei ihre Möglichkeit außer Zweifel. Das höhere Wesen, welches das größre aller Wunder, die Schöpfung des großen Weltalls aus Nichts vollbracht habe, miine ja auch ün Besitze der Macht sein, die eingesetzten Naturgesetze zeitweilig mib örtlich ändml zu filmtcif, wenn Seine Weisheit dieses zur Ei't'eichttirg großer Heilzwecke jür «vlhwcndkg eracht«'!. Der Eirrwilrf, cs sei der Gottheit nicht angemessen, zu Wuuftcu eines einzelnen Bottes außerordentliche, mit den Naturgesetzen im Widerspruche stehende Wunder zu üben, sei leicht zu widerlegen, da ja die Wunder der Bibel nicht diesem einzelnen Volte gelten, sondern die Erziehung des ganzen Menschengeschlechts dadurch erzielt werden sollte. Die Wunder, mit Ausnahme des Wunders der Offenbarung am Sinai, seien übrigens nicht als Beweisstücke znr Begründung ewiger Wahrheiten und als zu diesem Zwecke vollbracht auzuschc», da die Bibel stets nur die Offenbarung am Sinai als ein solches anführt, die übrigen aber als von der.augenblicklichen Lage bedingt hinstcllt. Die Wunder der Bibel zerfallen in d r e i Gruppen. Znr ersten Gruppe gehören diejenigen Wunder, welche absolut natürlich nicht zu erklären seien, bei welcher sich daher jeder Versuch natürlicher Erklärung hinfällig erwiesen hat und erweist. Diese müssen eben in der Schule einfach als Wunder, als Schövfungsthaten Gottes dargestellt werden, als Wirkungen der göttlichen Machtvollkommenheit, Weisheit und Güte, so z. B. die Spaltung des Meeres, die Offenbarung. am Sinai, das Manna h. s. w. Zur zweiten Grnppe gehören diejenigen Wunder, welche an und für sich eigentlich Wunder nicht zu nennen wären, es aber erst' dadurch geworden seien, daß sie zur b e st i m m t e n Zeit und am best!mmte n Orte eingetreten.sind, wie z. B. die Wachteln. Zur dritten Gruppe gehören diejenigen Wunder, welche eine allegorische Deutung zulassen, wie z. B. die kupferne Schlange. In der Unterklasse müssen die Wunder der Bibel einfach erzählt und auch die der zweiten und dritten Gruppe ohne Erklärung gegeben werden, da gerade in diesem Alter alles Wunderbare mächtig "auf das kindliche Gemnth cinwirke. Dieser Ansicht huldigt auch Kehr. Diesem Pädagogen entgegen aber müssen die Wunder auch in den Lberklapen Gegenstand des Unterrichtes sein und zwar die der c r st e n Gruppe als absolute Wunder und die der zweiten und dritten mit den ihrer Natur nach zulässigen Erklärungen. Dieses Letztere sei durchaus uothwendig, nm später anfrrerenden Zweifeln zu begegnen und der Schädigung des Glaubens vorzubeugen.

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