Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 72 (9.9.1886)
- Date
- 1886-09-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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ihren Watten als aiirtclUii1)t,u nngaiisthen Glaat*; luii'tU'V lu’im l. f. On'mval t'oiijnlati' in Alexandrien die Slrasatizcige wegen Bigamie, und es wurde der Reutraer Sliasgeiimtshos;uv Verhandlung dieser Strussaehe delegitt. Dieser Strasprozeß dielet jedoch, abgesehen von bov Crifliimtiini des Tlialbeßaiides, der Frage über die Kompetenz nnd die Strasbarkeil selbst, wegen der dabei handelnden Personen lebhaftes Interesse, denn die Privatklägerin wird der Laiidtags-Tepnlirte Advokat Mail Eötvös vertreten, währerrd die Bertheidigung von Tr. Armin Mallai geführt wird. (Rachbemerkung der Red. des „Israelit"): Unsre geehrten Leser sehen, das; es sich in dem vorliegenden Falle um „Iibbnm" handelt. Im 5. B. M., (5. 2f>, B. r>—l () ist vorgeschrieben, das; der Bruder die Wittwe seines kinderlos verstorbenen Bruders heirathe (Iibbnm); kann diese Hcirath nicht stattfinden, so must an deren Stelle die „(5halizah" vorgenommen werden. Unter den Weisen des Talmuds, herrscht eine Meinungsverschiedenheit, ob (in gegenwärtiger Zeit) Ehalizah oder Iibbnm vorzuziehen sei. Bei den Israeliten des Occidents findet ausschließlich Ehalizah statt, während die orientalischen Glaubensgenossen noch heilte dem Iibbnm den Vorrang eiuränmeu. Herr Inges Salama ans Alexandrien (Aegypten) hätte also vollständig corrcct gehandelt, wenn er ägyptischer Uuterthan wäre. Ist cs aber wahr, daß er ungarischer Staatsangehöriger ist, so hatte er, nach dem ($runb* satze sn (die Staatsgcsetze sind für den Juden verbindlich) die zweite (5'he nicht eingchen dürfen, sondern hätte die Ehalizah an sich vornehmen lassen müssen. Italien. Padua, 2. September. Mit dem Eingchen der österreichischen Herrschaft in Italien begann auch der Glanz unseres einstigen Rabbiner-Seminars, das Jahre lang unser Gesammt-Baterland mit Rabbinern nnd Predigern versorgt hatte, langsam zu erlöschen, um nach wenigen Jahren der Agonie gänzlich aufzuhören zu existireu. Die jüdischen Gemeinden unserer Halbinsel begannen nun der Zukunft mit Besorgnis; entgegenzuschen, wußten sie doch nicht, woher sie in späteren Jahren, wenn einst die wenigen jüdischen Gelehrten und Kenner des Wortes Gottes, die zur Zeit noch in unserer Mitte lebten, auch hcimgegaugen sein werden zu ihren Vätern, ihre Synagogenlehrcr und geistlichen Berarher hernehmen werden. Zwar bestanden stets und bestehen theilweise noch heute in Livorno und Rom kleine Borhc-Midraschim, in denen der Talmud und die übrigen rublünisthen Wissenschaften vorgetragen werben: aber weder die Lehrer mul) die Schüler in denselben waren je von der Weihe und Heiligkeit ihres ernsten Berufes gänzlich durchdrungen, denn Beide hatten mit Lebenssorgen zu kämpfen und Beide gingen mit Ungewißheit ihrer Zukunft entgegen. Dazu kam noch, das; in diesen Boche« Midraschim stets die größte Lehr- und Lerufreiheit herrschte, denn wer da wollte, wurde Lehrer, auch wenn er nicht das nöthkge Wissen dazu besaß, nnd die Schüler lernten gewöhnlich das, was ihnen gerade behagte, aber nicht das, was ihnen Roth rhat. Es stand daher zu befürchten, daß eines Tages die Thora gänzlich in Italien vergessen sein und dessen Gemeinden sich schließlich geuöthigt sehen werden, ihre Rabbiner ans fremden Ländern herbeizuholeu. Indessen auch an uns bewährt sich das Wort des Propheten -rriv' zr^x '2 (Israel ist nicht verwitlwct), denn in jedem Zeitalter und in jedem Geschlcchte stellt Gott Männer in unserer Mitte auf, die es sich angelegen sein lassen, für die Erhaltung unserer Thora mit aller Kraft cinzustehen und das Licht, das einst Moses am Sinai entzündet, auch am Fuße der Alpen und Apenuineu nicht erlöschen zu lassen. So erhielten wir erst diese Woche jvon dem in Rom zur Gründung eines Rabbincr-Seminars coustituirren Eomitö folgendes Eircular zugeschickt, das wir seinem vollen Inhalte nach mitthcilen. Dasselbe lautet: „Schon im Juni 1882 wurde vom unterfertigten Eomitö ein Eircnlar erlassen, welches änseinandersetzte, wie die Fortschritte der Eivilisatiorr und Eultur gewaltig ansporncn zur Errichtung einer Rabbinerschule als UnterrichtS-Eentrum für die hohen jüdischen Wissenschaften, znm Zwecke^ um das Studium der heil. Sprache und der Wissenschaften des Judenthums, welche soviel Antheil hatten au der Erhaltung _bcr religiösen Gefühle bei unseren Glaubensgenorsen, gänzlich vom Verfalle zu retten. Es würde daher den Juden Italiens znm großen Rachthcile und auch zur lluehrc gereichen, die früher der civilisirten Welt das Beispiel einer solchen Schule gegeben, wollten sie jetzt nicht Fürsorge treffen, um diese Studien wieder zu heben, die doch auch bei den anderen Rationen in großen Ehren^ gehalten und die nun Gefahr laufen, ganz vergessen oder blos von Jenen gepflegt zu werden, die gar nicht zu unserem Glauben gehören und die dennoch die wichtigen wiffeuschafllichen und literarischen Borcheile, die aus denselben hervorgchen, zu schätzen wissen. Um ein solches Schicksal zu beschwören, strenget das unterfertigte Eomilö alle seine Kräfte an, um -- IWI,I||[1 Ul,UWkm.MM-2J.