Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 72 (9.9.1886)
- Date
- 1886-09-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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12110 lebten z. B. die Inden in Spanien, tvohlhabcnd und angesehen, die Industrie, die Künste nild die Lltisseirschasten pflegend.' niete von iinien beneideten Ijoljc "lemter, andere zahlten zum Adel des Landes. Sie sollten bitter enttüilscht werden. Zn der Zeit, als .sie sich ain wohlslen fühlten, als einer der ihrigen, Don Iizchak Abarbanel, im Rothe der Morre saß, mußte,r sie erfahren, das; sie nicht festes l'fliib unter den Füßen hatten; der Fisch regte sich und schüttelte sie ab. — Haben wir in unsrer Zeit nicht Aehnliches erlebt? Hörten wir nicht überall die irrenden Brüder rnfen: Wir wollen nicht mehr Inden sein, wir wollen alle» specisisch Indische oblegen nild aufgehen in die Nationen, in deren Mitte wir wohnen! Da kam plötzlich wie ein Blitz auS heiterein Himmel, wie ein Erdbeben. die Antiscinitcnbewcgnng, um es uns znm Bewußtsein zu bringen, daß der Boden unter unsren Füßen nicht fest sei. Wir finden nur Ruhe und Sicherheit in dem Schifflein unsres heiligen Glaubens, das uns durch die sich lhürmenden Wogen des. Meeres sicher trägt, das den furchtbarsten stürmen Widerstand leistet. Ohne dieses rettende Schiff wären wir längst im Meere versunken. Wir müssen ruhig abwarten, bis Gott selbst cs in den Hafen des Friedens lenken wird. Tann werden rvir ans Land steigen dürfen, an das wirklich feste Land, wann Gott unsre Zerstreuten sammelt von allen Enden der Erde und die hcißersehnte Erlösung herbeksnhrt. rv^i „Und der Hausherr drängt!" Warum aber bedrängt uns der Herr des Hanfes so sehr, warum müssen wir, die Erwählten Gottes, so viel leiden, so viel erdulden, warum wohnen wir nicht, wie die übrigen Völker der Erde, in Ruhe und Sicherheit? Unsre Weisen geben uns auf diese Frage eine treffende Antwort (Abodah Sarah 4 a.): In alten Zeiten waren die - jüdischen Gekehrten von der Steuer befreit. Ter bei der Regierung hochangesehene Rabbi Abahn hatte bezeugt, daß Rarv Saphra ekrr großer Gelehrter sei. Daraufhin erließ man ihm dreizehn Jahre lang die Steuer. Eines Tages richteten die Regierungsbeamtcn an Raw Saphra die folgende Frage: Es beißt in der heiligen Schrift (Ainos E. 3. B. 2): Aus allen Geschlechtern der Erde habe Ich euch Mir erkoren; deßhalb werde Ich ahnden an euch alle eure Sünden. Wie. fragten sie, weil Gott Israel liebt, deßhalb bestraft er sie? — Raw Saphra schwieg und wußte nichts zu antworten. Daraus legten sie ihm eine Schlinge um den Hals und wollten ilm erwürge». Rabbi Ababu kam dazu und befreite ih». Sie aber sprachen: Du bist schuld, daß wir dem da dle Steuer erlassen. Tu hast ilm als großen Gelehrten gerühmt, und cr weiß uns rrkcht einrira! einen Vers ans der heiligen Schrift zu erklären. -- Er ist, antwortete Rabbi Abahu, ein Talmudgelchrker; von feiner Bibetkundc habe ich euch nichts gesagt. Wir, die wir mit euch viel verkehren, verlegen uns inehr auf das Studium der Bibel als die Babylonier. (Palästina [taub damals unter römischer Herrschaft, und das Ehristeutlmm war bereits römische StaatSreligkon geworden, während die heidnischen Babylonier von der heiligen Schrift nichts wußten). — So erkläre Du nns'den Vers, baten die Beamten! Ich will euch, antwortete Rabbi Abahu, den Sinn desselben durch ein Gleichnis; klar machen. Zwei Männer borge» von einem Neichen. Den Einen, der ihm gleichgiltig ist, läßt er Schulden aus Schulden hänfen, bis das Mas; seiner Schuld voll ist, worauf er dann seinem Schicksale verfällt. Dem Andern aber, den er liebt, mahnt und drängt er von Tag zu Tag, damit er die alten Schulden bezahle, ehe er neue mache. So verführt Gott mit Israel. Ermahnt und drängt cs stets, damit nicht voll werde das Maß seiner Schuld, damit es allmählich büße, was cs gesündigt, damit es erhalten bleibe für die Ewigkeit. Daß der allgutige Gott Sein Volk stets mahnt und drängt, das ist die größte Wohlthat, die Er uns erweist. Wo sind die Völker, die einst im Mittelpunkte des Weltverkehrs standen, die Äeghpter. die Assyrer, die Babylonier, die Perser, und Meder, die Griechen und Römer? Von allen Völkern des Alterthums hat nur Israel den Sturz der großen Nationen überdauert, und das haben wir dem steten Drängen unsres großen Gläubigers zu danken; Er läßt unsre Schuld sich nicht anhäusen, damit sie uns nicht erdrücke. Und wie mit der Gesammtheit, jo ergeht es auch mit dem Einzelnen. Gott schickt Temen Frommen oftmals Leiden zu, die an das, was wir unserem Gotte schuldig sind, erinnern sollen: auch sie gereichen znm Segen, wenn wir die Mahnungen unsres Vaters im Himmel verstehen und beherzigen. (Fortsetzung folgt.) Literarischer Bericht. rrp'127 na*nr n-::.-n5o. In deutscher Sprache nach etw mna -sd im Vereine gelehrter Freunde heransgegcbcn von Rabbiner SalomonVamberg er in Riederhagenrhal (Elsaß.) E. Dieses Buch, welches soeben die Presse verladen hat, ist in der That geeignet, einem wirk-