Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 69 (30.8.1886)
- Date
- 1886-08-30
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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IU0«! der Munde grenzt. Wie nahe liegen doch oft iru Vcbcii /Vveu'D und 'yttb beieinander! Dran neu flulhet die frohbcwegte Menge all Den Strand nnd da dünnen, „im Hause-des Lebens", hallen Hunderte ihren Todesschlunriner! Ephen umrankt die cin= [auici! Trader, und and dem Grase sprießen duftende Blumen. Die älteste Buhl, die ich aus dein verknitterten Gesteine entziffern konnte, war das Jahr 1821. Am meisten fesselt uns ein hoher Grabstein, dessen Inschrift uns kündet, das; hier der Staub einer unglücklichen 2l jährigen Braut Elfe Lewimhal ruht, die vor zwei Jahren vom unerbittlichen Lode dahingeraffr wurde, wenige Wochen, bevor sie unter den Traubaldachiu treten sollte, tlnd zu derselben Stunde, als ich an den Gräbern ernsten Sinnes dahinschritt, eingedenk des Wortes unserer Weisen, das; der Hingang der Frommen dem ^empelbrande gleichzustellen sei, da haben sie auch ihn zu Grabe getragen, den Unersetzlichen, Unvergeßlichen, unseren Rabbi G e d a l j a T i k t i n. Wer kannte sie nicht, die imposante Gestalt, wie sie so oft auf der Kurpromenade vor Endowa in dem lang herabwallenden Rips- oder Sammttalar sich zeigte, von Iud' und Christ gleich ehrfurchtsvoll begrüßt! Wie schwer und bitter mußte der so Lief gelehrte nnd doch so unendlich bescheidene Mann ob der Ränke seiner Widersacher dulden und leiden, bis ihn plötzlich eine flammende Kabinetsordre seines Königs ans den curulischen Stuhl der Ahnen setzte und ihn auf die Sonnenhöhe seines Ruhmes führte. Es war am Anfang der fünfziger Jahre, als Friedrich Wilhelm IV. Breslau besuchte und schon am zweiten Tage seiner Anwesenheit feinen hoffähigen Schützling zu sich berief. Lange hielt der Monarch mit dem Rabbi Zwiespräch über theologische Dinge. Da trat R. Gedalsa an das Fenster des Palastes, das einen prächtigen Ausblick auf den Exerzierplatz und weiterhin auf die berühmte Breslauer Promenade gewährt. Die Natur war aus ihrem Winterschlafe erwacht, und in herrlichem Grün blühetcn die Bäume: „Majestät", so sprach der Rabbi den Fürsten an, „so wie dort ans der Promenade ein Baum dem andern, eine Blattform der andern gleicht, und wie alle jene Bäume dieselbe grüne Farbe schmückt, w werden einst die Mensche» sein auf Erden. Ein Glaube wird sie alle umschlingen, zu einem Gotte werden sie alle emvorschauen und zu einem Gebete werden sie sich alle verbinden." Der Mund, welcher diese Worte gesprochen. ist ans immer verstummt, und die Worte, sie haben sich-noch nicht erfüllt, die raufend, tausend Jahre deines Richters fhib noch \\\d)t zu Ende! Aber sie kommen. Lder haben Sie es nicht in Blättern gelesen, daß nunmehr selbst der Vorsitzende des großen deutschen Antiseinitenbundes. der Israel vernichten, der den Talmud censiren, verstampfeu, verbrennen wollte, wegen einer 'Weinschuld von ü:l Mark und vierzig Pfennigen hinter die stillumsriebeteu Mauern der^ Sladtvoglei wandern^ mußtet Auch Tu, mein ^sohn Brutus 2 0, inchi mehr lange, nnd die Stimme des ZahrhundertS wird den „übriggebliebenen" Darstellern der tolle» Hetzkomödie die Worte zurnfen, mit denen der große Satiriker Rabelais seine Augen aus ewig geschlossen: „Büksez le ride au, la farce est jouee!** Vorhang herunter! Die Posse ist aus!" Doch, verehrte Leserin, wie habe ich mich da hiueingeplaudert! Nur „Weltgeschichte zu treiben", hat mir mein Arzt geboren, und was mache ich da für Geschichten! Nun denn, so leben Sie wohE im nächsten Jahre aber, da müssen Sie selber das see-,- Sool- und Moorbad Colberg aussucheu und es^ mir berichten, ob ich wahrheitsgetreu über die Ttadt an der Persante geplaudert; „o, es soll herrlich werde": Dann wird die See gar freudig rauschen. Musik ertönt aus dem Bosguet, Da:::r wollen wir einander lauschen — Für heut' mein herzliches Ade! Ihr getreuer "Adolf Blumenthal. Zeitungsnachrichten und Svrrefporrverrrerr. Deutschland. Breskan, 20. Aug. Landrabbiner Ti kt in hat in seinem letzten Vermächtnisse u. a. für das heilige Land dreißig tau send Mark gespendet. Amerika. New-Zork. Von den mit dem Dampfschiffe „State of Georgia" Ende Juli dahier angelangten russischen Juden sollten von der Auswanderungscommission viele derselben, weil aller Exiftenzmrttc! bar, wieder zurückgeschifft werden. Dem Vorstande der hcbr. Auswanderungs-Unierstützung-sgefellschaft, den Herren Ferdinand Lcvy, Tr. Henry Gcrorri, Tr. Judelsohn ist es nach langen Bemühungen gelungen, den meisten derselben die Erlaubnis M Landung zu verschaffen. Palästina. Jerusalem. Tie Herren Rabbmen ans Kuttna und Pietrikow (Rußland) haben vor ihrer