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Der Israelit · 1886-08-30 · Heft 69 (30.8.1886) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 69 (30.8.1886)
Date
1886-08-30
Page
– (sequence 8)
Language
German
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lim vertragen würde. Jener ist sehr hochmüthig, er glanbt als Lohn des Bürgermeisters das Recht zu haben, alle anderen Binder zn mlstlmndelu. O'o fiiib mir anch in dieser Nichtluig, trotz versuchter Bertttschnng, seitens der Lehrer, mehrere Klagen zn Ohren gekommen; — endlich hat Ihr Lorenz noch nie mit Jndenkindern, welche ja hier ihre eigene Schule besuchen, näher verkehrt — das; er einige von ihnen als sie aus der Schnle gingen, mit Steinen beworfen, kann kaum als freundschaftlicher Verkehr betrachtet werden — und ich fürchte, das; er den um vier Jahre jüngeren Knaben, der auch durch sein größeres Wissen und voraussichtlich raschere Fortschritte, seinen Neid herausfordern wird, necken, beleidigen, ja möglicherweise thalsächlich insultiren wird." Trotz der großen Abneigung, die der Pfarrer bewies, Lorenzen's linterricht zu übernehmen, glaubte der schlaue Golzinger doch daraus, daß Pater Willibald die verschiedenen allerdings ungünstigen Eventualitäten in Erwägung zog, doch zu erkennen, daß er möglicherweise doch seine Bedenken besiegen würde. „Hm," meinte er in einem Tone, als herrsche bei ihm gar kein Zweifel darüber, daß der Pfarrer seinen Wunsch erfüllen werde, „beabsichtigen Sie denn meinen Sohn mit dem Judenknaben gemeinschaftlich zu unterrichten? Das wäre mir schon aus dem Grunde nicht lieb, weit Lorenz, wie Sie selbst sagen, .nicht so gut vorbereitet ist und daher besonderer Aufmerksamkeit bedarf. Könnten Sie nicht Ihrer Güte dadurch die Krone aufsetzen, daß Sie Lorenz allein unterrichten?" „So viel entbehrliche Zeit besitze ich in der That nicht," erwiderte der Pfarrer, trotz seiner großen Sanftmuth und Milde schon ein klein wenig gereizt._ „Oder," fuhr Golzinger ohne die Unterbrechung zu beachte!;, fort, „den linterricht des Indenjnngen ganz anflaffen? Sie werden ja nicht nm des Judenbnrschen willen, meinen Sohn znrückweiscu? Ich habe Ihnen ja gleich im Vornhinein erklärt. Hochwürden, daß ich gerne jedes von Ihnen geforderte Honorar zahlen rvill, und, das versteht sich von selbst, daß ich als Bürgermeister gern Alles thml will, Ihr Interesse zu fördern." Einen Augenblick schien es, als wolle der Pfarrer auffahren, aber schon in dem nächsten, bezwang er sich und erwiderte ruhig: „Herr Bürgermeister, ich habe Ihnen schon im Laufe unserer Unterredung erklärt, daß der Unterricht des kleinen Michael mir Vergnügen bereitet, und Sie werden wohl nicht fordern, daß ich mich des einzigen Vergnügens, das ich mir hier zn verschaffen vermag, beraube. Ferner muß ich Sie anch wiederholt darauf aufmerksam machen, daß Brack nicht die großen Drittel besitzt, seinen Sohn nach Brünn oder einer andern Gymnasial - Stadt zn senden, während Ihnen das ein Leichtes ist. Sie erwähnten auch schon zweimal, daß Sie mich für den Unterricht Ihres Sohnes bezahlen wollen. Dieses Offert muß ich mit aller mir von der Würde meines Standes gebotenen Energie zurückweisen. Mein Amt trügt mir so viel, als ich für meine mäßigen Bedürfnisse benöthige. Es wäre für mich zwecklos, mehr erwerben zu wollen als ich brauche, und mehr als das, es wäre geradezu erniedrigend für mich, wollte ich überflüssiger Weife durch Nebenbeschäftigungen mein Einkoinmen vergrößern. Ihr Angebot, mir für meine Gefälligkeit als Bürgermeister dankbar zu sein, will ich nur als eine bedauerliche Uebereilung betrachten." (Fortsetzung folgt.) .Der ISraeliterscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Logen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnier ganzjährig, halbjährig oder dierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Inserate 25 Pfennige die dreigespalrene Petirzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut EonrZ. — Dirrere Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr.. für'S Ausland 18 Reichs-Mark an die Expedition franco einzusenden. Inhalt <Hauptblatt): Leitende Artikel: Die freie Bereinigung für die Interessen des orthodoxen Iudemhums. — Die Sprüche der Pater. — Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland: Würzbnrg. Berlin. Fulda.— England: London. — Eentral-Asien: Bchima. — Türkei: Konsranrinopel. — Amerika: Philadelphia. — Marocco: Fez. — Feuilleton: Michael. — Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Kolberger Plaudereien. — Zeitungsnachrichten und Earrespondenzen: Deutschland: Breslau. — Amerika: New Bork. — Palästina: Jerusalem. — Feuilleton: Zum Heidelberger Universitäts-Jubiläum. — Inhalt der Cxtra-Beilageu: Sxenden-Berzeichnme. Verantwortliche Redacrion: vr. Lehmann in Mainz. — Expedition große Bleiche N'r. 45. Druck und Verlag von O Scar Lehmann in Mainz. (Hierzu drei GeUagerr.)

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