Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 69 (30.8.1886)
- Date
- 1886-08-30
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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$ Mt I ( I r t p li. Michael. «Zählung von L. iroh«. Eirlfaner von «Gabriel. (Fortsetzung.) nach der Kirche begleitete der Bürgermeister den Pfarrer in feine SMitutiß, ~ und; tritt] ihm die Bitte vor: Bei dem Umstande, als es - ihm schwer falle, sein einziges Kind von sich zu lassen, dessen Unterricht in den Gymnasialgegensiänden zu übernehmen, und envarte er die 6le- ' Währung seiner höflichen Litte um so sicherer, als - der Herr Pfarrer, ja freilich den unentgeltlichen Ulmerricht des französischen Iudenburschen überiiDiumen habe, während sein Sohn ein christkatho- Uischer Knabe, der Sohn des Bürgermeisters, und l cr recht gerne bereit sei, ein anständiges Honorar;u bezahlen, eine Versicherung, die aber nicht ernst /gemeint war. — Pfarrer Willibald hatte, nachdem iki Bürgermeister seine Bitte beendet, nicht sogleich geantwortet, er schien die Angelegenheit eingehend Urr überdenken, endlich sprach er: „Ich bin, wie Sie wissen, in meinem schweren Amte angestrengt beschäftigt. Ich habe gar keine Zerstreuung hier im Orte, Niemanden, mit dem ici mich auch nur durch ein anregendes Gespräch zu unterhalten vermöchte. Michael Klein ist ein liebenswürdiger Knabe, der die schönsten Gaben vereinigt. Er folgt dem Unterrichte mit gespannter Aufmerksamkeit, faßt rasch und richtig ans, und besitzt einen eisernen Fleiß. Auch har das Kind durch sein sittliches Benehmen nie Grund zu einer ülage gegeben. Einen solchen Knaben zu unterrichten, wird mir ein Vergnügen, eine geistige Erholung gewahren. Ich bin überzeugt, meine geringen Bemühungen fallen auf fruchtbaren Boden * •. Endlich ist Michael Klein eine elternlose lem Pflegevater ein wenig bemittelter Mann, örl Ihrem Sohne Liegen alle Verhältnisse anders. />ch will nicht rmnöthig Ihre Vatereitelkeit verkett, aber Sie sind ein kluger, ftudirrer Mann, j« die Wahrheit erkennt, auch wenn sie ihm nicht >''agt, wenn sie ihm verheimlicht, ja wenn sie geradezu gefälscht wird. - Ähr Sohn ist ein schwer zu behandelnder Aabe, der seinen Lehrern, die ans Rücksicht für f‘cr viel zu nachsichtig mir ihn! umgehen, vielen nnnmer, vielen Verdruß bereitete und durch sein orrige» Benehmen nicht nur sich selbst schädigt, -ndern die Nachsicht der Lehrer mißbrauchend, Ansehen untergrub, die Schnldisciplin in bervurchster Weise lockerte. Ihr Lorenz hat nicht die geringste Lust etwas zu lernen, er war in der Schule stets nnaufmerksam, und statt dein Unter, richte zu folgen, tvar er mir seinen Gedanken mir damit beschäftigt, neue Schelmenstreiche zu ersinnen. Er hat in den sieben Jahren, während tvelcher er die Schule besuchte, auch nicht eine einzige Ausgabe gebracht, die man loben hätte können. Bei seiner totalen Unansmerksamkeil und seiner Unlust etwas zu lernen, entziehen sich seine angeborenen Fähigkeiten, die er nie zur Geltung zu bringen suchte, nahezu jeder Beurtheilung; — aber trotzdem glaube ich, daß ihm doch die Gabe guter Auffassung ganz abgeht und zwar.aus dem Grunde, weil er j'onst während der langen Zeit seines Schulbesuches vom bloßen Zuhören, doch wenigstens etwas hätte lernen mülien, aber sein Wissen steht nicht viel über Null. Ter dreizehnjährige Knabe schreibt die gröbsten orthographischen Fehler, spricht und schreibt Sprachfehler . . . ." Der Later war bei der so wenig schmeichelbaftcn Schilderung seines einzigen Sprossen vor Zorn purpurrorh geworden. „Herr Pfarrer," sprach er zornig, „mein Lorenz hat ein Zeugniß mit durchgehends Vorzugsklanen erhalte!!, ha kann es denn doch nicht gar so arg mit ihm bestellt sein, als Sie es schildern „Das Zeugniß, in welchem auch sein sittliches Betragen als ein mnsterhaftes bezeichnet wird, ist mit alleiniger Ausnahme des Namens Ihres Sohnes," der Pfarrer lächelte, „der richtig angeführt, ist. vom ersten bis zum letzten Buchstaben falsch .... Ich hoffe, Herr Bürgermeister," fuhr Pater Willibald wieder ernst und'hoheitsvoll fort: „Sie werden meine Worte nicht bezweifeln, aber Sie können sich, wenn Sie Ihren Sohn prüfen wollen, leicht von der Richtigkeit meiner Behauptung überzeugen. — Ihr Sohn ist für den Gumnasialumerricht nicht reif, er ist seiner Muttersprache nicht mächtig, und soll schon mit den Anfangsgründen einer fremden, todren Sprache verttaut gemacht werden, er hat die vier Spezies noch nicht inne und soll schon die Anfangsgründe der Algebra lernen. Ich glaube, Herr Bürgernieister, Sie werden, wenn Sie auf Ihrem Wunsche ich solle Lorenz die Gymnasialgegenstände lehren, bestehen, mir und ihm nahezu Unmögliches auferlegen. Auch glaube ich, daß Lorenz mir Verdruß bereiten würde. Allein, wenn ich auch von alledem adsehen wollte, ja wenn ich auch den schwerwiegenden Umstand, daß Loren; nicht mit Michael gleichen Schritt halten, und dieser dadurch im raschen Fortschreiten bcdinden würde, nicht berücksichtigen wollte, so bliebe mir noch immer die Besorgniß, daß Lorenz sich nicht mir Michael