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Der Israelit · 1886-08-30 · Heft 69 (30.8.1886) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 69 (30.8.1886)
Date
1886-08-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1202 schüttet, erseht — und ist man daher hier schon gewöhnt, wenn irgend eilt Gebäude, jmiml, wenn dasselbe ans Hatz ist, in Brand gerätst, sogleich als verloren zu betrachten nnd unverzüglich dasselbe zu verlassen. Znni Glücke konnten wir ans der Synagoge noch, die dort vorhandenen mm nso (Gcsetzrollen) retten, wogegen in dem Baty Hamidrasch zahlreiche Druckwerke nnd Mannscripte, besonders zwei auf Schaffelle geschriebene Mischnajot, daml einige Sohar-Exemplare und mehrere;pjr yy in Wilna gedruckt, ein Raub der Flammen wurden. Die Bachurim und Schamoschkm, die in der Rächt in dem Beth-Hamidrasch zu schlafen pflegten, wobei ihnen Binsenmatten als Unterlagen dienten, während ihre zusammengerollten Kaftans die Stelle des Kopfpolsters vertreten, waren zum Glücke noch wach und konnten sie daher, als sie die Rnfe: Atescht! Atescht! (Feuert Feuer!) vernahmen, schnell noch zahlreiche Bücher auf eine Matte werfen und mit derselben dann in den Hof hinaustragen, von wo sie dann nach einem anderen Beth-Hamidrasch geschafft wurden. Mit diesem Beth-Hamidrasch ist ein höchst ehrwürdiges und antikes Gebäude unserer Gemeinde der Zerstörung anheimgefalten, denn dasselbe wurde der Überlieferung nach von dem größten Rabbiner unserer Gemeinde rvwsn naan znn rtap-^oi-rnici^va \7\2n Hw rri»*« w"> vncjn bazu* b:n .irniW» ^rn.NSfl JV2 rus» onr& H vpfcea vesi erbaut, der dann in demselben nicht nur nach dem Worte Gotte forschte, sondern hier auch Gott diente, wobei zehn von ihnen eignes dazu bestimmte Baale-Batim (Familienväter) sein Minyan bildeten. Rach dem Tode dieses Gottesmanncs wurde bestimmt, daß jedes Jahr an dessen Todestage für dessen Seele hier Mischnajot und Sohar gelernt und dann auch Thilim und Kadisch gesagt werden soll. Im Laufe der seit damals vergangenen Jahrhunderte wurde cs nun Brauch und Sitte hier, daß, wenn ein angesehenes, wohlhabendes Gemeindemitglied starb, dasselbe einen beträchtlichen Geldbetrag oder irgend eine werthvolle Liegenschaft dazu bestimmte, damit mau in diesem Beth-Hamidrasch gleichfalls Mischnajot lerne und Kadisch sage für seine Seelenruhe. So kam es, das; dieses Beth- Hamidrasch rasch in den Beste vieler Stiftungen oder Baknfs (von: wakaf: ftcstftehcn, herbräisch pp) gelangte, die noch heute jährlich ^iii schönes Zinfenerträgniß liefern: Wie ich indeneu höre, wird das Zinsenerträgniß ans diesen Stiftungen für heuer dazu verwendet werden, rrm das zerstörte Beth-Hamidrasch wieder vom Grunde aus aufzubanen und cs ansznftatten und mir den nöthigen Büchern zn versehen. Wir haben daher gegründete Hoffmrng. daß ans dieser Ruine baldigjl wieder neues jüdisches l'cbeii sprossen un& baldigst wieder ule Worte unserer heiligen Lhora von Renen« erklinge» werden. \m vr p. - Aor einigen Tagen machte unser Emir einen Spazierritt vor der Stadt und stieß er dabei auf unseren sw ntopn (EnltuSvorfteher), 0'hach am Mazliah. der eben in Begleitung feines Lohnes von einem sei,rer in der Nähe von Beni-Urgenasch liegenden Obstgarten beimkehrte. Ais diese nun den Landessürstcu erblickten, senkten sie sogleich nach Laudessitte ibre beiden Hände gegen den Boden, verbeugten sich tief und machten die übliche Berachah: pfnr *p: •u). Der IS’iiitr ritt sogleich auf den Borstcher zu. sprach mit ihm mehrere Almuten über die Verhältnisse unserer Gemeinde und entließ dann Vater Sohn aufs gnädigste. Unser Emir ist überbaust ein u:tk (Judenfreund.) Doch davon Näheres in meinem nachfolgenden Schreibe». Türkei. Konftantknopel. Dem „Jew. Ehron.- wird von hier geschrieben, daß der Oberrabbiner Most» Lcvy seine Stelle nicderzulcgcn und nach Palästina auszuwandern beabsichtige. An dessen Stelle soll der bisherige Präsident des n n*2, Herr Harsdi Haim Levy als Ehacham Baschi treten Amerika. Philadelpia. Herr Benjamm Levine dahier hat sein ganzes Vermögen im Betrage von r^M» Dollars dem Asyl für alte Israeliten hinterlaM. M a r o c c o. Fez. Die Folgen der am 24. Mai frattp habten Ausschreitungen gegen das Judenvierte! MH noch fortwirkend. Der Eommissär des Sultane. Sid Abdeslam El Mukre verlangte von den M.-- binen die Unterschrift zu einer Erklärung, wona-2 die Juden diesbezüglich keine Klagen zu n:!rrc:: hätten, was selbstverständlich von denselben verwes gert wurde. Hierauf ließ der Eomuckmr uj Bruder des Juden, der mit dem Mnhamcdarrcr r» Streit gerathen, mit noch zwei andern in Kcnulegen, ins Gesängniß sperren und spater Marocco absnhren. Man hoffr, daß es dcr^ Jsr. und der Jew. Anoc. gelingen wird. d:e dauernswerthen bald zu befreien.

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