Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 69 (30.8.1886)
- Date
- 1886-08-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1200 Zeitmrgö-rachrjchrcn m;d Correfpottdeuzezr. D e u t s ch l a n d. Wnr.zburg, 12. August. Tic Beilage zu Nr. 00 deS „Israelit" enthält eine Mittheilnug aus Württemberg zur Frage der Gleichstellung der Juden. Dieser gegenüber ist ans Bayern zu berichten, das; daselbst vollständig die Gleichstellung der Konfessionen in Kraft besteht. GS gibt z. B. mehrere jüdische Reserve-Offiziere in der bayrischen Armee und an der hiesigen königl. Realschule ist ein Jude, Tr. Bacharach, als Lehrer der. Mathematik und Physik, angcstcllt. TaS Rektorat der Realschule dahier ist auch dem orth. Judeuthnnl sehr entgegenkommend; bei den Ausflügen der Schule werden gewöhnlich nur Orte gewählt, wo iÄr. Restaurateure sich befinden; es wird darüber zuvor immer Erkundigung, cingeholt. W. Berlin. (Protest des Deutschen Fleis ch er-Verb an des wider die Agitation der Tb ier-Schutzvercine. Das „rituelle Schächten" und der „Zehnte Deutsche Fleischer-VerbandStag zu Creselb" am 11. u n d 12. A u g u st 188U). „Die Bestrebungen der Thierschutz-Vereine in Bezug auf unser Gewerbe" lautete der 12. Punkt der Tages-Ordnnng auf dem „Zehnten Deutschen Fleischer-Verbandstags zu Ercfeld", welcher am 11. und 12. d. Monats abgehalren Der Referent Herr Burg-Berlin äußerte sich wörtlich wie folgt: Die Bestrebungen der Thierschutz-Vereine in Bezug auf unser Gewerbe, haben eine Gestalt angenommen, welche uns zwingt, dieser Bestrebung unsere Aufmerksamkeit zu schenken, um so mehr, als dieselben eine» Erfolg erzielt habe», welcher nicht nur schädigend für uns, sondern ohne jeden Nutzen in humanitärer Beziehung ist, aber auch in Rechte'ciugrcift, welche wir zu vertheidigen haben. Zunächst erwähne ich die Petition, welche die vereinigten Thierschutz-Vercine in den Reichstag gesandt haben, in welcher Folgendes verlangt wird: „a. die Schlachtthiere nur nach voransgegangeuer Betäubung durch BluL-Entziehuug getobter, und — b. daß Schlachtungen überhaupt nur durch geprüfte lizensirte Personen und in allgemeinen Schlachthäusern nnr durch angestellte Schlächter auSgcführt werden dürfen." Die erste Forderung., berrim das rituelle Schächten der Thiere zum Genuß für die Bekenner der jüdischen Religion. Es steht zu erwarten, daß hier die .intcressirten sireife alle Mittel in Bewegung ftxen werden, um zu vermeid«!, daß jemals dieser Forderung Rechnung getragen wird; im Nebrigen bat Se. Tuiditoiuht Fürst Bisinank sich ja auch hierüber derartig ausgesprochen \m durch Geh. Reg.-Rath Dr. Rottenbnrg knndgegebcn: „daß die Reichsregierung dem Verlangen der Thierfchutz-Vereiue, das einen Eingriff in die religiöse» Satzungen des Indenthums bedeute, niemals ihre Zustimmung geben werde. Die zroeite Forderung der Threrfchuv-Vcrclne, das Schlachten nur durch geprüfte, lizenfirte Personen vornehmen zu lasse», ist unsrerseits entschieden zurückzuwcisen; cS ist vor dieser Versammlung nicht nöthig, die Gründe dafür einzeln anzustthren — wohin sollte es führen, wen» für jedes Stück Vieh, für jeden Hammel, Kalb u. s. w. erst der „Tödter" herbeigerufen werden müßte. Gerade in den öffentlichen Schlachthäusern werden die Thiere am sichersten und schnellsten getödtet u. s. w. Ich bitte daher, dem Anträge zuznstimmcu: „Gegen .die Petition der vereinigten Thierschutz-Vercine einen Protest bei Sr. Durchlaucht dem Fürsten von Bismarck einzurcichen, ferner eine Gegenpetitiorr beim Deutschen Reichstag, dahingehend, daß das Tödten der Thiere jedem gelernten Fleischer oder jedem das FLeischergewerbe Lernenden, letzterem unter Aufsicht sachverständiger Äeister oder Gesellen, zustehen muffe. Wir alle verwahren uns gewiß dagegen, nicht ebenso human gegen die Thiere zu sein, wie alle Mitglieder der Thicrschuv-Vereme zusammengenommen: in Folge bellen erheben wir gegen einen Erfolg Protest, den die Bestrebungen eines derartigen Vereins schon errungen habe». In Frankfurt a. M. ist ein Mann augesrellt, welcher sümmtliche Rinder, die auf dem dortigen Schlacht- Hof geschlachtet werden, tödten muß. Dieser angcslellte „Schläger" ist links, muß also mit der linken Hand das Beil beim Schlagen leiten, mithin jedes Thier nach solchem Schläge, auf die rechte Seite fallen :n::ß, also ein Stechen des Thieres nicht in üblicher Weise vor sich gehen kunn, dies beweist, daß bei solcher Wahl von Beamten eher die Thierquälerei begünstigt als vermieden wird. Ter Antrag des Rcferemen wird einstimmig angenommen. Ter Breslauer Fleischermeister Herr Bckker bemerkt noch, daß vor Allem sehr zu empfehlen sei, das; rechr viele Fleischer Mitglieder in den zugänglichen Thierschutz-Vereinen würden, damit durch praktische Mittheilungcn die humanen Bestrebungen derartiger Vereine von falschen Bahnen abgelenkt würden. _ Frrida, im Monat Aw. *) Eine Schmerzcnshoüdjafi ift es, welche ich heute zu melden bade. *) Unlieb verspäler.