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Der Israelit · 1886-08-30 · Heft 69 (30.8.1886) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 69 (30.8.1886)
Date
1886-08-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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weih, dasr bei feiner Arbeit das Atige stities Herr» aus ihtt ruht, so luirb er diese Arbeit mit größter £m*ti{<ilt mib Herzetrssrendigkeit uullbrinfleii. Tuber wollen wir uns stets vergegcmvärtlgcn, bau br, der Alleine, bei VlUflCflcmuüvtitjc mit mildem Vatcrauge auf uns nicdersieht, und dieses Bewufttsein Wird uns jede Last erleichlen, jede Muhe versüßen und jede Entbehr iiiiq znnt CSJemiffc tverden lassen. "ftoys *£• DTir’B' "nrsVo wn *oi. „Und wer der Herr deiner Arbeit ist, der dir zahle» wird den Lohn deines Wirkens." — Tiefer Ansspruch scheint im Widerspruche zu stehen mit der Lehre des AntigonoS ((5. 1. Mischnah der da lehrt: Seid nicht wie Knechte, die dem Herrn dienen, in der Absicht, Lohn z» empfangen. Wie kann Rabbi Elasar uns rarhen, des zu erwartenden Lohnes zu gedenken, wann dieser als Beweggrund für unser Handeln ausgeschlossen sein soll? Ter Widerspruch ist jedoch nur ein scheinbarer und ist in. der That nicht vorhanden. Wir haben bereits int ersten Buche bei der Erklärung des Lehrsatzes des Antigonos dargclcgt, das; dieser Weise nicht sagen will, daß der Mensch für sein frommes Handeln keinen Lohn zu erwarten habe: er will uns nur lehren, daß wir das Gute und Rechte um feiner selbst willen thun sollen und nicht des zu erwartenden Lohnes wegen. Nichtsdestoweniger ist cs nothwendig, daß wir von der Ucberzeugung durchdrungen seien, daß der allgütige Gott Leinen Frommen den Lohn nicht entzieht. Lft muß der Fromme gar traurige Erfahrungen machett. Er sieht, wie der Weg der Döseloichter von der Lonne des Glückes bestrahlt wird. Schlechte Menschen, die Gottes Gebote fortgesetzt übettreten, ihren Nebenmenschen nur Schlimmes zufügen, werden gleichsam vom Glücke verfolgt, werden reich, vornehm und angesehen, erfreuen sich der besten Gesundheit, leben in den angenehmsten Familienverhaltniffen. Dagegen trifft es sich gar häufig, daß der Fromme von Kummer und Schmerz belastet seinen Lebensweg wandeln muß. Was er unternimmt mißlingt. Ihn quält die Sorge für das tägliche Brod, und die Mitmenschen sehen ihn über die Achsel an. Solche Wahrnehmungen haben schon Manchen abirren lassen vom rechten Wege. Daher soll der Mensch es willen und erkennen und niemals ans dem Auge verlieren, daß der allmächtige Gott Derjenige ist, der ihm die Arbeit aufgelegt hat und daß Er Seinen Arbeitern den wohlverdienten Lohn nicht entziehen wird. Nicht deßhalb sollen wir das Gute thun, um Lohn zu.empfangen, wohl aber soll das Bewußtsein uns aufrecht erhalten, daß dieser Lohn uns nicht entgcht. Rabbi Lchimeoit Deit Zentach Daran beweist aas dieser itulaer Misthuah, daß es nicht allein erlaubt, sondern geboten ist, daß man'die prosauen Wissciischasteuerlerne, tun dcn'Epilnräeril mit) anderen Philosophen ans ihr eigenes (Gebiet folgen und ihre irrigen Ansichten znrnckwciscn zu können. Freilich mnß das fleißige, eifrige nnd liebevolle Studium der hcllgen Gottcslchre zuvor den Menschen gestärkt nnd gekrüstig und für die Thora begeistert haben; dann erst soll man auch andere Kenntnisse zu erwerben suchen, die uns befähigen, alle Gegner mit den Waffen des Geistes zu bekämpscu und siegreich aus dein Felde zu schlagen. — In den jüngstvergangenen Jahrhunderten waren die Israeliten von ihren nichtjüdische» Mitbürgern vollständig abgeschlossen. Da gab cs nur in höchst seltenen Fällen einen Kamps, einen Widerstreit mit nichtjüdischen Gelehrten, nnd dcßhalb trat die Rothwendigkeit, die Thora zu vertheidigcn und Angriffe von ihr abznwehrcn, in den Hintergrund. Unsere Voreltern durften sich ausschließlich dein Studium der jüdischen Wissenschaft widmen. In den jüngstverflossenen Jahrzehnten aber haben sich die Verhältnisse ganz anders gestaltet. Wir stehen wieder inmitten des öffentlichen Lebens, unsere Kinder besuchen nichtjüdische Schulen und Universitäten und die Versuchung tritt gar mächtig an sie heran, von nnjüdischen Anschauungen sich durchdringen zu lassen. Wie einst zur Römerzcit die epikuräischc Philosophie, so sucht heute eine materialistische Welt- und LebcnSanschauung der Geister und Gemüther der Menschen sich zu bemächtigen. Da ist cs nothwendig, mit aller Macht cinzutrcten, um die große Wahrheit zu schönen, die unser köstlichstes Eigcnthum ist, sie unseren Kindern nnd Kindeskindern zu erhalten für alle Zeiten. „Sei emsig, Thora zu lernen und wisse, was du dem Epiknräcr zu entgegnen hast! Ach, die Arbeit erscheint nur zu oft als eine vergebliche, die Mühe als eine fruchtlose. Ueberhand nehmen die gotteslängnerischen Ideen, die der ewigen Wahrheit feindlichen Vorstellungen. Du aber, der Tu Dich bemühst, Tein Volk zu belehren und vor Irrthum zu schützen, verzweifele nicht am Erfolge! Erkenne, vor wem du dich mühest, und wer der Herr deine Arbeit ist — Du darfst Ihm vertrauen, Er wird dein Wirken segnen, ans daß cs des Erfolges nicht. entbehre, nnd beglückt wirst du schauen den reichen Lohn, den Er seinen Frommen bestimmt. (Fortsetzung folgt.)

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