Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 68 (9.8.1886)
- Date
- 1886-08-09
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1187 von ihrer besseren Seile und bedauere daher ausrichtig, das; nicht alle Christen sie von dieser Seite her--kenne», Ich hasse jedoch, dasr die.'seit nicht mehr ferne ist, iu der das religiöse töesnhl bei Ser Menschheit gekräftigt sein und dieselbe daun begreift« wird, das; die erste und grösste Pflicht des Christen seinen Mitmenschen gegenüber die ist, welche in den wenigen Worte» ausgesprochen: „Liebe deinen Nächsten wie dich selb«." Ich sage, die Zeit ist nicht mehr ferne, wo die Christen begreifen tverdcn, das;, obgleich wir in unseren religiösen Anschauungen sehr weit auseinander gehen, wir doch insgefamutt nur einem ei nagen Ziele zustrcbcn, und das ist die Verherrlichung (Lottes. Wenn man nun den Juden vorwirst, das; sie Chistcnblut geniesten, so braucht Ihr Euch darob nicht zu grämen, denn auch unS Christen har man in den ersten Jahrhunderten unseres Bestehens beschuldigt, das; wir Menschcnblut gebrauche:: und geniesten. Verzaget daher nicht, denn die Zeit ist nicht mehr ferne, wo auch Ihr frohe Tage scheu werdet. Ucberbringet Euerer Gemeinde meinen Dank für die mir geschenkte Aufmerksamkeit und zugleich auch meinen Gruß." Türkei. Adrianopel, 10. August. DaS hohe Kriegsnriuistcrium lästt jetzt hier eine Kaserne bauen,_ wobei cs von der hiesigen Bevölkerung mit Geldspenden reichlich unterstützt wird. Das hiesige jüdische Geschäftshaus David de Toledo hat zu diesem Bau 1200 Francs gespendet. F e u i I I c t o u. Zodik. Don N. Keller. I. Der Vlctzgcrmcistcr Koppel Lengsfelder in Bcnlo hatte ein ausgedehntes Geschäft, und sein Wohlstand wuchs von Tag zu Tag. Seine Hauptstütze war fein Mefchores Zodik. Ter verstand cS, die besten Ochsen billig einzukaufen und das Fleisch des geschlachteten Biehcs derart ansznhackcn, daß alle Kunden, selbst die penibelsten, immer voll befriedigt wurden. Sein Prinzipal erkannte das auch an; er war ihm von Herzen zugetbau und gewährte ihm einen beträchtlichen Lohn. Koppel harre ciu einziges Kind, eine Tochter Namens Lea, ein schönes, schlankes Mädchen von 18 Jahren. Der Mefchores suchte in jeder Weise die Zuneigung seines Herrn durch Fleist und Uneigennützigkeit zu gewinnen; denn er dachte, dessen Schwiegersohn lind Erbe zu werden. Auch Koppel halle sich mil diesem Gedanken vertrant gemacht. Allein, Lca wurde höchst rinwillig, »renn man in ihrer Gegenwart derartige Znknnftspläne machte;, sie hatte eine nnnbmvindliche Abneigung gegen den Knecht ihres Vaters, den sie als einen falschen, heuchlerischen Menschen bezeichnerc. -- Um diese Zeit kehrte Laser, ein Brndersohn der Frau Lengsfelder, von der Jeschiwah zu Deutz, wo er sich unter der Leitung des damaligen Kurkölnischen Landrabdlners, Rabbi Jehudah Löb Mehler, einige Jahre dem Talmndstndinm gctvidmer hatte, in die Heimat!) zurück. Laser war ein schöner, liebenswürdiger, geistvoller, junger Mann, und es war nicht zu verwundern, daß er bald das Herz seiner schönen Cousine gewann, der er ebenfalls in herzlicher Neigung zugcthan war. Seine Werbung wurde von seiner Tante lebhaft unterstützt, während Koppel nichts davon Horen wollte. „Ich habe keinen Sohn", sagte er, „und brauche für mein Geschäft einen tüchtigen Kazow'), nicht aber einen gelehrten Stubenhocker." „„AuS einem Jeschiwohbochcr"", cutgcgncle Frau Lengsfelder, „„kann mau Alles .machen: Einen Naw, einen Szaufer, einen Mclammed und auch einen Kazow."" „Jawohl, aber was für einen! CS kömmt darauf an, wie er sich dazu stellt. Wenn ich den Zodik als Schwiegersohn cinsctze, so weist ich, was ich an ihm habe. Das ist der geschickteste Kazow in der ganzen Welt." „„Lca kann ihn aber nicht ansstehen, und Du wirft doch Dein einzige» Kind nicht unglücklich machen wollen?"" „Schumes BrientcS -), NarrenSposftn» Unglücklich machen. — Wciberj'chmucs. Ich will nichts mehr davon hören." Aber er mußte wieder und wieder davon hören, und endlich gab er den vereinten Bitten von Frau und Tochter nach. „Zodik", sagte Koppel zu seinem Mefchores, „ich must dir etwas mitthcilen, was mir deinetwegen großen Kummer macht. Gern hätte ich dich zum Eidam genommen; allein, Lca will nichts von dir Horen, sie ist in mciucn Neffen Laser verschossen. Was soll ich thun? Sie ist mein einziges Kind, und meine Frau lästt mir keine Ruhe. Heule Abend wird Knast.gelegt. 1) Meygsr. 2) Tummeä Zeug.