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Der Israelit · 1886-08-09 · Heft 68 (9.8.1886) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 68 (9.8.1886)
Date
1886-08-09
Page
– (sequence 10)
Language
German
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vcit Ausbildung im Winter au der Berliner Gharitü einen praktischen (Mujiio zn absol Viren gedenkt, geleitet liii3 durch die 1:1 Zimmer der Anstalt, die in ihrer sehr einfachen Bescheidenheit einen AUflenehmeil (S'iiibnuf ans den Fremden zn inachen nicht verfehlen. Im rechten Flügel sehen wir die von den Herren Oppenheim, Israel und Ginsburg gestifteten Kurbelten, während auf dem linken die Mehrzahl der Pfleglinge weilt, parterre die männlichen, im ersten Stock die weiblichen. Bon jeder Thnrpfoste leuchtet uns freundlich die Mefusa entgegen. Je nach der Grüfte der Zimmer wohnen m demselben ein oder zwei Insassen. Die Fenster gewähren meist einen prächtigen Ausblick auf die grünenden Wiesen und prangenden Felder. In einem großen Speiscsaale wird gemeinschaftlich gespeist und darauf, wie uns versichert wird, auch „gebetet". Die Mitte des Hofes nimmt ein geräumiger Garten ein, in dem tagsüber die Großen plaudern und scherzen, die Kleinen sich tummeln und spielen. Für die Soolbädcr besitzt die Anstalt drei große Badezellcn und eine Soolqucüe. Nach dein Statut finden in der Anstalt Aufnahme arme jüdische Kranke, die der Kur in Eolberg bedürftig sind und nicht an ansteckenden Krankheiten leiden. Sie ermatten alles unentgeltlich: Wohnung, Verpflegung, ärztliche Behandlung, Medikamente, Sool- und' Seebäder und endlich eine Fahrpreisermäßigung auf sämmtlichen Staatsciscnbahnen. Nur wirklich arme und würdige Personen finden nach den Statuten Aufnahme, daher die Patienten oft den verschiedensten Berufskreisen angehören. Bei unserem Besuche frcqucntirten die Anstalt u. a. eine Rabbincrin, ein zukünftiger Opernsänger, Studenten und, was das erfreulichste ist, eine reiche Anzahl schwächlicher Kinder. Tie c. 25 freien Stellen werden viermal in der Saison gewechselt, so daß etwa 100 Personen in jedem Sommer der Wohlthat theilhaftig werden. Im letzten Jahre nahm die Anstalt 98 Pfleglinge auf, von denen 01 ans Berlin stanimten. Nach der Hausordnung ist den Pfleglingen völlig freie Bewegung gestattet, soweit sie sich mit den Zwecken der Kur, der Ordnung des Hauses und der sittlichen und religiösen Zucht verträgt. Auch sind die männlichen über dreizehn Jahre alte Jnsaften zum Besuche des Morgen - und . Abendgottesdicnsre verpflichtet. Der Geist, der die Anstalt beseelt, scheint nach alledem ein vortrefflicher zu sein. So sehr nun die Leistungen der Anstalt auch allgemein anerkannt sind, so bedauernswert!; ist cs, daß sich dieselben wegen der geringen zur Verfügung stehenden Mittel noch in so engem Nahmen bewegen müssen. Die Anstalt könnte und müßte zu einer Kind er Heilstätte ersten Ranges sich entfalten, wozu in erster Reihe ein Umbau absolut erforderlich wäre, aber zn einer frohen Thal gehör! die Begeisterung weiterer .Kreise, denn nur die Begeisterung schasst Großes. „Der Werth eines milden Werkes mißt sich nach dem Maße der Liebe, die in.ihm waltet" — mögen dieses talmndlschenWahlspruches der Anstalt die Edlen und Guten gedenken, und das „Hans der Genesung", welches vielleicht richtiger die „Quelle des Heiles" heißen sollte, immer fester sich gründen und stützen; das zierliche Hänschen am Ostseestrande wird dem Müden und Schwacheil reichlicher als bisher Labsal und Erquickung spenden. — (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Oesterr.-Ungar.Monarchie. Wien, 19. August. Die amtliche „Wiener Zeitung" meldet heute: „Se. k. und f. apostolische Majestät haben mit Allerhöchsten Handschreiben vom 14. August d. I. dem Regierungsrathe Josef Ritter Weil von Weilen den Titel und Charakter eines Hofrathes mit Nachsicht der Taxe allcrgnädigst zu verleihen geruht! — Herr v. Weilen, von dem der „Israelit" schon im vergangenen Winter gemeldet hat, daß er ein Hauptmitarbeitcr au dem jetzt unter der Aegide unseres erlauchten Kronprinzen erscheinenden Werke „Oesterreich-Ungarn in Won und Bild," ist, ist einer der hervorragendsten Schriftsteller des deutschen Volkes und bekleidete er auch durch mehrere Jahre hindurch die Stelle eines Präsidenten bei dem hiesigen JournaUstenvereme „Eoncordia." Ter neue Hofrath gehört dem Jurhume an. Rußland. Krementschug, 15. August. Der Metropolit von Kiew, der bekannte russische Prälat Platon, hat vor einigen Tagen unsere Stadt mit seinem Besuche beehrt und fand er hier einen festlichen Empfang. Auch unser Gemeindcvorstand mit dem Rabbiner an der Spitze hatte sich zur Begrüßung dieses Kirchensürsien (in Rußland gibt es bekanntlich nur drei Metropoliten, den von Kiew, von Moskau und von Petersburg,) der sich der Gunst des Ezaren im höchsten Grade erfreut, ekngcfunden und überreichte demselben dann nach russischer Salz und Brot. Der Metropolit richtete daber folgende Worte an die jüdische Begrüßungsdermtatioii: „Ich kenne sehr gut die Juden und zwar * H"-,!1'- VrS" J. i, IJl,.

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