Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 68 (9.8.1886)
- Date
- 1886-08-09
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXVII. Jahrgang- Erste Keilage z» Ur. Oi{ -es Ilse ne Nt. Leitender Artikel. Kokverger Plaudereien.^) Kolb erg, l6. 3tiiß»jr. Wenn man aus der schattigen Lindenallee zn Eolbcrgermünde rechts in die Psannschmiedenstraße einbiegi und etwa hundert Schritte entlang dem prächtigen Steg wandelt, erblickt das Auge plötzlich ein zierliches, vierfcnftriges Häuschen, über dessen Eingang die Worte prangen: „I n d is ch e s_M? urhofp ital nrr'Di rt'ü." Haben Sic, geschätzte Freundin, schon einmal von dem berühmten jüdischen Kurhospirale des See-, Sool- und Moorbades Eolbcrg gehört? Nein? Nun, dann folgen Sie mir und ich will Ihnen getreulich berichten, was ich, des Wissens beflissen, gehört und erschaut habe. Seitdem Eolberg durch die Herstellung einer Eisenbahn im Jahre 1859 „Weltstadt" geworden, und sein bis dahin nur schwach besuchtes Seebad immer herrlicher erblühte, wurde am I l.Juli 1864 eine geordnete Krankenpflege armer Badegäste unter den! Namen „EomitL zur Unterstützung armer jüdischer Badegäste" ins Leben gerufen. Doch die Mittel, die dem Comite aus freiwilligen Gaben zur Verfügung standen, waren zu gering, jals daß mit ihnen die immer steigenden Ansprüche auch nur entfernt hatten befriedigt werden können, und Noth und Sorge wuchsen von Jahr zu Jahr. Da regte das Eomitemitglied Dr. Löwenthal aus Berlin im Schosste der Verwaltung die Stiftung eines Kmhospitals an; eine Versammlung einflußreicher, im hiesigen Bade weilender Männer trat im Augujt 1872 zusamnien, um über die erforderlichen Bl irret und Wege zu berarhen, und aus dieser Versammlung ging das „Eomitö zur Erbauung eines jüdischen Kurhospitals in Eolberg" hervor, welches einen flammenden Aufruf an die deutschen Glaubensgenopen erließ. Der erste Erfolg war erfreulich. Das Eamite theiltc sich in ein Eentral-Eomit^ mit dem Sitze iu Eolberg und in ein Lokal-Eomiv? mit dem Sixc iu Berlin. Schon im Juli 1879 konnten die Mitglieder über die Grimdznge eines Sratntencntwurfs zur Bcrarhuug zusanunentreten; in erster Linie wurde der streng konfessionelle Eharakter der *) 3>rn erfreu 51 erbebriefe ist nidu Tr. 3)ab», sondern Tr. Hah» uuo »ich! T cufuial ,vr. L'irhcm II., ionbern des Tnueu;n lesen. Red. Anstalt festgestellt. Herr N. Oppenheim ans Beritu stislete, „um das gute Vorhaben zu fördern und der sofortigen Ausführuug näher zu bringen",.zwei Kurbetten in oenl ans Kolbergermünde zu errichtenden Hospital. Inzwischen wurde sleistig weiter gesammelt, ein Grundstück angetanst, wieder einmal eine Versammlung abgehalten, und am 28. Juli 1*74 wurde die Anstalt in Gegenwart der Spitzen der Behörden und zahlreicher Deputationen feierlich eingcweiht. An demselben Tage übergab Herr N. Oppenheim dem Bürgermeister von Eolberg 1500 Mark als ersten Grundstock zum Bau eines christlichen 5lurhospitals. Bei der Eröffnung vor elf Jahren war das Grundstück mit 21000 Mark Schulden belastet, und die Anstalt hatte keine anderen Mittel als die Jahresbeiträge von 36 Mitgliedern iu Höhe von 380 Mark; heute sind sämmtliche hvpothekarische Schulden getilgt, der Grundstock eines Baarvermögcns von 12000 Mark vorhanden, und die Anstalt zählt 425 Mitglieder in Höhe von c. 3600 Mark. Die weitere Entwickelung, der äußeren Verhältnisse, wie sie die wir gütigst zur Verfügung gestellte Festschrift zur Feier des zehnjährigen Bestehens ausführlich bietet, dürfte Ihnen.recht, recht langweilig erscheinen, darum wollen wir die gelehrte, historische Abhandlung schließen und einen Nnndgang durch die Gesundheit und Frohsinn spendende Anstalt antreten. Eine von duftenden Beeten umsäumte steinerne Treppe führt uns zu der Vorhalle des Hospitales, zu deren Rechten der Betsaal des Hauses liegt, während uns auf der linken Seile eine Inschrift verkündet, daß daselbst Herr Rabbiner Dr. Goldschmidt sein idgllisches Heim aufgeschlagcu, ein Mitbegründer des Instituts und jetzt Schrislsührer im Vorstände und eifrigster Förderer der Anstalt. Reben der in der Mitte gelegenen, zum Hofe nach den Austaltsräumcu führenden Thür ist aus einem Tisch ein voluminöses und ob seiner Größe aller Welt recht sichtbares „Buch des Gedächtuisses" ausgeschlagen, in dem schon viele Namen und Zahlen verzeichnet sind und das noch für cbcnsvviele Rainen und Zahlen Raum in seinem Innern birgt. Nachdem wir unsere Schuldigkeit gcthan, schreiten wir weiter nach dem Hose und stehen plötzlich zweien in ihrem rohen Ziegelbau recht primitiv dreinschancnden Scirenflügctn gegenüber. Tic Pflegerin des Hauses, eine junge Eolbergerin, die zur weile-