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Der Israelit · 1886-08-09 · Heft 68 (9.8.1886) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 68 (9.8.1886)
Date
1886-08-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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117'.' Mini Besprechung diese Zeilen nauibiiicl sein foffnt, ili i*öii einem doppelten 2tiini»pimflc ans fmibifl lu'iin'iiu’ii. (vs!)iit zunächst einen rclutiucit ‘iiUlü), indem Wims zeigt, da st der Mampf, den das Iiidenthum gegcnwäiiig nach «nisten ljin durch- Nisechlen hat, doch Irop aller schwere und Hi ne nicht seine ganze geistige.M rafl absorbirt, sondern das; abweichend von der Siegel inior an«»' .silent musati abseits von dem Schlachtenlärme in einem niedlichen, vcschanlichcn Thale noch eine liebliche Gcisiesbliime hervorspricsten und sich prächtig cntsalten kann. LLährcnd ein Thci! unserer Intelligenzen mit dem Schwerte in der Hand sich den Angreifern, die von austen her cindringcn, cutgegenstellt, ist ein anderer Thcit ruhig und ungestört mit dem imicren Ausbau des Jndcnthnms beschäftigt. Und das hier in Rede stehende Buch, wir kommen damit zu dem zweiten Gesichtspunkte, dem absoluten inneren Wcrthc desselben — ist ein gewichtiger, schön geformter Srcin, ein wcrthvollcs Ornament für diesen Bau. lieber den Zweck des Buches, uni von dem Bilde zu der Wirklichkeit znrückzukehrcu, spricht sich der Bersaper in einem mit dichterischer Begabung und tiefer Empfindung geschriebenen Prologe ans. (vr will uns an den Sprüchwörtcrn, deren sich im Talmud gelegentlich einzelne Lehrer bedienen, das „wahre Leben," von welchem der Taluind erfüllt ist, enthüllen. Zu diesem Bchnsc har der Verfasser alle im Talmud durch die Eingangsworte omni inschi (die Leute sagen) als Sprichwörter, bezw. als dem Volke geläufige Gleichnisse bczeichnctc Aussprüche zusammengeftellr, sic in eine schöne poetische Form gegolten und den meisten eine in ancrkcnnenswerther Reserve gehaltene Auslegung hinzngesügt, um. die darin enthaltenen Schätze, die, — wie er im Prologe sagt — sonst -„umwoben Gcheimnistvoll von Allegoria!" Sind dem Auge zu enthüllen. Lesen wir diese einzelnen Gedichte, so sehen wir erst, mit wie viel Recht der Verfasser vom Talmud sagt: „Ein Jeder wird in ihm sich wieder finden, „Wenn er sich ernstlich müht, ihn zu verstehen." _ Wenn ich auf den Talmud ein von einem profanen, oft sogar frivolen, aber doch so unendlich geistreichen Tichter, wie Heine, gebrauchtes Wort anwenden darf, so wäre cs das, dessen er sich in seinem „Norderney" in Bezug auf Göthe bedient. Er sagt dort nämlich; wenn man wissen wolle, wie beschaffen die gelammte Anschauungsweise eines Menschen ist, so solle man ihn nur fragen: „Alle denken Sie über Gäthc'/" Göthe sei „eine gemeiiischatlliche Well" und darum können wir das Unheil, das Jemand darüber lüber Gölhe) fallt mit dem nnftigeu schnell vergleiche»; wir bckommen damil einen festen Maststab, womit wir gleich alle seine ökiwifni imb seine Gefühle messen können, und er hat nnbewnstl sein eignes Unheil gesprochen. In gewissem, aber leider nur beschränktem Sinne lästl sich das Wort auch vom Talmud sagen. Auch er, „eine gemeinschaftliche Welt," berührt und umsastt Alles, was des Menschen Geist mit» ('Jc-- iniilh zn bewegen oder zu erfüllen vermag. Aber leider gehört er für die meisten uuscrcr Glaubcnsgcuosscu noch zn jenen uucndccktcn Welten, über die Nichts oder nur Falsches bekannt ist. Wie Biele oder richtiger, wie Wenige dürfte man heute fragen: „Wie denken Sie über den Talmud 'i* ohne eine ciugclcntic Anderen uachgcsprochenc, aber nicht geprüfte Phrase als Antwort zu erhalten. Und doch ist auch er „uns Allen vor Augen und liegt der Betrachtung eines Jeden offen."' Zu ihm die Heranwachsende Jugend insbesondere hinzuführcn, ein offenes Verständnis; für ihn zu crschlicsteii, die Gebildeten unseres Volkes, welcher Konfession sic auch seien, mit jener ihm gebührenden Ehrfurcht zu erfüllen, — das ist des Verfassers Ausgabe gewesen. Er wollte zeigen und sagen wie cs kurz — er hat es gezeigt hier und in seinen anderen Werken, das; wissenschaftliche Forschung und eine geschmackvolle Behandlung dem Talmud nicht entgegensteheu, denn er ist selbst die Wissenschaft und die it Hilft, das Wahre und das Schöne. Aber auch das sittlich Gute ist er, das zeigt sich gerade in diesem Büchlein, aus dem nicht die Anschauungsweise cinzelner Geistcsherocn, sondern der schlichte Sinn des Volkes mit seinem natürlichen Humor und seiner andererseits ebenso natürlichen Melancholie spricht. Interessant müstte cs sein, die hier sich knndgcbcude Auffassung von dem Leben, seinem Werihe und Zweck und von seinen Pflichten in 'Vergleich zu bringen mit der in den modernen Sprichwörtern sich dokumenlircudeii sittlichen Weltanschauung. Doch dies sei einer anderen Gelegenheit Vorbehalten. Für heute sei es genug, aus diese schöne dankenswerthc Leistung des Herrn 'Verfassers hingcwicscn zu haben mit dem Wunsche, cs möchte sich dieses Büchlein in allen jüdische n H ä u s e r n c i n b ü r g e r n, der reiferen, modernen Bildung zugcsührtcu Iugend zeigen, was das Iudenthum ist, und was sein grostcr Prediger, der Talmud, ist. I. B.

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