Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 67 (23.8.1886)
- Date
- 1886-08-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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lassen hatte eigentlich der Euphrat nnsere Stadt nie, da er bei seinem Abschiede von hier einen kleinen Arm in seinem alten Rinnsale zmückließ nnd dann mit seiner Hanptwassermasse.ans die Sache nach einem neuen Bette nitifl. Unterdessen har 1111-- ser Statthalter schon von den Provinz-Jngcnicnercn mit den nöthigen Borarbeitcn zur Anssührnng eines groben Dammes, der den Strom zwingen wird, wieder seinen alten Lauf aufzusuchcn, beginnen lassen, »nd sollen die Hauptarbeiten mit dem Eintritte dcsHerbstes beginnen. Uebrigens sind solcheFälle, daß ein Bach oder Fluß sich plötzlich ein neues Bett gräbt, in der mesopotamischcn Ebene, wo der Loden aus Mangel an einer jeden Steinader, weich und schlammig ist, nichts Seltenes, nnd ereignete es sich schon sehr oft, das; ein Nebenarm des Tigris oder des Euphrats plötzlich über Nacht verschwunden war und für seine Wasscrmasse eine ganz neue Straße gesucht hatte. Aus der Geschichte ist auch bekannt, daß der Euphrat und Tigris noch im 12. Jahrhundert, ihre ganz separirten Mündungen in's Meer hatten; später aber begannen beide Mündungen näher aneinander zu rücken, bis sie sich endlich berührten und gänzlich vereinigten, so das; sie jetzt eine einzige Mündung bilden. Dieselbe heißt Schott El-Arab (Arabiens Zusammenfluß) und hat eine Länge von etlichen Meilen. Auch in der Umgegend unserer Stadt hat der Euphrat schon einige Male seinen Lauf, wenn auch nicht in dem Hauptstrome, so doch in einzelnen seiner Nebenbcttc, geändert. So sind noch heute Anzeichen davon vorhanden, daß einst im Westen unserer Stadt, also im Nucken derselben, gegen die syrische Wüste hin, ein bedeutender Arm dieses Fluges existirte und die Gefilde daselbst, an deren Stelle heute ein sandiger fruchtloser Boden getreten ist, tränkte. Später aber versandete das Einflußthor dieses Stromarmcs und bald nachher troknete derselbe gänzlich aus, so daß beute in dem ehemaligen Flußbettc die Zelte der Beduinen stehen, denen zahlreiche Raubthiere Gesellschaft leisten. Geologische Spuren lagen sogar noch jetzt erkennen, daß der Euphrat hier in der Stadt Babel selbst vor ungefähr dreitausend Jahren nur ein einziger breiter Strom ohne jeglichen Nebenarm war; später aber theilte er sich und cs entstanden so mehrere Nebenarme, die bald eine längere, bald eine kürzere Zeit fortbestandcn und dann wieder versiegten. Auch die zahlreichen Kanäle, welche die babylonischen Herrscher, von der myrischcn Königin Semiramis*) an bis auf den *) Tiefer Name entstand wahrscheinlich aus den assyrischen | werten (Taube) und ~zk (hold) und bedeutet a!''o „eine ' König Nebnkadnezar herab, zwischen hem Euphrat und Tigris hatten anlcgen lagen, um so bell Ackerbau, die Viehzucht und den Schiffsverkehr in ihrem Reiche zn fördern, trugen sehr viel dazu bei, das; die Nebenarme der beiden Ströme oft ihre Bette wechselten und sich neue Niunsale schufen. — Vom Könige Nebnkadnezar, ebenso auch von seinen Nachfolgern auf dem Throne, ist zwar schon längst keine Spur mehr hier vorhanden, aber die Nninen des Palastes, in dem derselbe rcsidirt haben sott, cxistiren noch, und gedenkt jetzt unser Statthalter in deren Nähe und womöglich auch mit deren ttebcrresren eine Infanterie-Kaserne zu erbauen, da Babel eine wichtige Etappe für die türkische Armee auf ihrem Marsche von Syrien längs des Euphrats nach Bagdad, Bagorah und dem persischen Meerbusen, ist. Diese Ruinen, welche eigentlich unter eine Glasstürze gestellt zu werden verdienten, bilden schon seit Jahrhunderten eine unerschöpfliche Hilfsgrube an Ziegeln nnd Steinen für unsere Bevölkerung, wenn dieselben ein neues Hans, eine neue Moschee oder einen neuen Viehstall bauen will. Seit einigen Jahren beginnt jedoch die Regierung, die besonders interessanten historischen Ruinen hier scharf im Auge zu behalten, damit sie nicht noch weiter zerstört werden, während sie die Dcnwlirung und Niederreißung der anderen baulichen Ueberreste aus der vergangenen Glanzzeit Babels nicht nur gestattet, sondern sogar gerne sieht, damit sich nicht wilde Thiere und Wegelagerer daselbst einnisten sollen. Die Juden hier pflegen immer am Tischa- Bcab (Zerstörungstag Jerusalems) die Ruinen des erwähnten Königspalastes zu besuchen und daselbst, indem sie sich auf einen Stein- oder einen Ziegel- Haufen setzen, eine nrp (Klagelied) oder oft auch den Psalm 79: b’n ruv ics? •n'rnjD D'u ita c’pV« Q'.-Lni' r.« vsv “trip: (0 Gott, es sind Heiden in dein Erbe eingedrungcn, die deinen heiligen Tempel schändeten nnd aus Jerusalem Trümmerhaufen machten) abzusingen, wobei ihnen die Thräncn über die Wangen laufen. Manche werden dabei von. der Wehmuth soweit fortgeripen, daß sie sich ans die Erde nicdcrwerfen oder mit dem Kopfe an die Ruinen anrennen. An dieser Trauer um Jerusalem bethciligen sich nicht nur Männer, sondern auch bolde Taube." Zum ewigen Andenken an diese grosse Frau, wrlLe a!S dir Gründerin der Stadt Labet betrachtet werden kann, führten dann die asfynfch-badmrifchen Könige eine Taube als Wappen oder im L?avven und daher sagt der Prophet Jeremias (f. 46, P. 16: px Vjo ki? ^x -cm: rnrp mx»i nr«v:;-rr *:cc cp:: (llrtb sie sagten: Auf, kehren wir zurück;u unserem Volke und in unser Vaterland vor dem Schwerte der Taube d. h. der assyrisch-babylonischen Könige. Anrnrrk. d. Corrripondrmrn.