Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1886-08-23 · Heft 67 (23.8.1886) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 67 (23.8.1886)
Date
1886-08-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2446951-2449600-2449664--24881-2514624
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

11 2. Ans der Itcbcrtrafliuiß der Zuständigkeit des E e u t v a t f o i!f i ft o x i u w s auf die Bezirksfoufiftoricii folgert Gekgcl mit Recht: u) die lebenslängliche Ernennung der Oberrabbiner, 1>) ihr Veto gegen Anordnungen bezüglich . der Lehre oder des Gottesdienstes nnd c), daß nur auf ihre n Antrag ein Gemeinderabbincr vom Konsistorium disciplinirt werden kann. 3. Die Befähigung zmn Gemeinderabbiner wird anf Vorlage des Nachweises der gemäß Berordnnng vom l5.Oktober 1632 gemachten Studien, seitens des Lezirkskonsistorinnis ertheilt, die zum O b e r r a b b i n e r anf Vorlage noch des Zeugnisses der Reife eines deutschen Gymnasiums. 4. Die Ernennung und Absetzung eines staatlich besoldeten Vorsängers bedarf der Bestätigung des Bezirkspräsidenten. 5. Die Kultusbeamten haben jederzeit Zutritt zu den Gemeindeschulen, um die religiöse Erziehung der Angehörigen ihres Vekenntnisses zu überwachen. 6. An Stelle der Pariser Nabbinatsschule ist die zu Colmar getreten. Die Gehälter der Rabbiner schwanken von 1440 bis 1920 M., Pension können aus Landesmitteln bis zum Höchstbetrage von jährlich 1200 M. bewilligt werden.*) Oesterr. - Ungar. Monarchie. Wien, 14. August. In Lemberg kam es gestern anläßlich des Probegesanges des neuen jüdischen Kantors zu Ausschreitungen vor der Synagoge. Die vor dem Tempel angesammelte Menge verlangte stürmisch Einlaß; es mußte die Polizei cinschreitcn nnd Militär requirirt werden, das den Pöbel auseinander jagte. Beim Zusannnenftoß kamen einige leichte Verwundungen vor. Die Rädelsführer wurden verhaftet. *) Stitm. d. Correspondenten. Innerhalb des Reichslandes ist Straßburg die einzige Gemeinde mit einer zweiten Synagoge. Mit staarttcher Bewilligung besteht nämlich daselbst nebrn der allgemeinen Synagoge, welche durch den staatlich besoldeten Oberrabbiner geleitet wird, eine orthodoxe DereinL-Snnagoge mir dem durch Bercinsbeträgc besoldeten Rabbiner Teulsch. Die Zereinsrnitglieder sind aus der allgemeinen Xulrusgemeinde nicht ausgetreten und bekielien demgemäß aktives wie passives Wahlrecht zum BezirkSksirnäorium und;um örtlichen Synagogenrache, sowie die Theilnahmsbrrechtigung am jZriedbofe. Spirale und sonstige ^uNu2;:rf:ungrn. Der '»freie" vom Verein angefte!.!re Schächter, dem das Bürgermeisteramt v. I. 18S5 vorüdrrgehend die Aulassnug znm allgemeinen städtischen Schlachchanse verwehrt Hane (Zeiget S. 772), ist dem Schächter der staatlich privrlegirrrn allgemeinen Synagoge längst wieder gleichgestellt worden. M Pcfth. Unser i^tandensgenosse Dr. Isidor Banlngarletl wurde zum Staatsanwalt am hiesigen Gerichtshof ernannt. tv ii ß t a n d. Namsgate, 17. August. Heute ist der Jahrzeitstag von Sir Moses Montesiore. — Gestern Abend fand sich eine beträchtliche Menge voll Badegästen in der Synagoge ein. Herr Dr. Löwe trug nach dem Gottesdienste einen mreps (pass p">s) im Tract Sabbat vor. Alsdann wurde von demselben eine herzergreifende, höchst geistvolle Ansprache an das Auditorium, welches sich in dem Saale des Colleges versammelte, gehalten. — Die Wände dieses großen Saales sind durch über ino in Gold gerahmte Dankadressen der verschiedenen cllropäischen und morgenläudifchen isr. Gemeinden, welche dem sel. Sir Äoses bei verschiedenen Gelegenheiten überreicht wurden, geziert. Herr Tr. Löwe schilderte einige besonders ewig denkwürdige Reisebegebenheiten des edlen Dahmgeschiedenen, und wer könnte ein getreueres Bild derselben entwerfen, als eben Herr Dr. Löwe, welcher der stete Begleiter und Dolmetscher des Sir Moses war! Dennoch können wir nicht unerwähnt lassen, daß die Verwandten des sel. Sir Moses ihrer Pflicht nicht vollständig genügten, indem keiner derselben bei der Tranerscier anwesend, noch dafür gesorgt war, daß beim Morgengottesdienste ps vorhanden sei. — Leider war dies nicht der Fall und das ^p-Gebct konnte deßhalb nicht verrichtet werden, was durchaus nicht mit den Anforderungen, die Sir Mose» an seine Hinterbliebenen, sowie an die Gesammthcir Israels zu stellen berechtigt war, im Einklänge steht und deßhalb nicht ungerügt bleiben darf. Mesopotamien. Hillch (Babel) am Euphrat. Aus Bagdad wurde dem „Israelit" im vergangenen Herbste gemeldet, daß der Euphrat sein Bett vor der Stadt Babel verlassen und sich weiter östlich davon^ ein ganz neues gegraben hat und stehe daher zu befürchten, daß die einstige Residenzstadt^ des Königs Rebuchadnezar aus Mangel an Wasser baldigst gänzlich verlassen und verödet daliegen werde. Run so schlimm steht es mit unserer Stadt noch nicht, nnd haben wir sogar Hoffnung, daß der Flüchtling baldigst wieder in sein^ altes Heim, in fein uraltes Bett, das ihm der ^chövser beim Entstehen des Weltalls angewiesen, zurückkehren, und unsere Aecker, Wiesen und Gärten noch wie zuvor mir seinem gelben schlammigen, aber nichts deftoweniger sehr gutem Wasser befeuchten nnd erfrischen werde. Ganz vcr-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.