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Der Israelit · 1886-08-23 · Heft 67 (23.8.1886) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
27 (1886)
Issue
Heft 67 (23.8.1886)
Date
1886-08-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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NU2 Jndcnthnins. Der Jude soll .vor alten Dinger» lernen, forschen, erkennen, uiib zwar nicht allein, sondern, in Gemeinschaft mit Andern. Mache das Thoralernen zu deiner Hauptbeschäftigung, lehrt Schammai. — Wenn du inunerwährend betest, sagt Rabbi Schimeon ben Neßaucl, so kannst dn nicht lernen. Tn thnst genug, wenn du sorgsam bist in Bezug ans die vorgeschriebenen Gebetstücke in Bezug auf Kriath Schema und Thephitla (sanunt dem, was dazu gehört: die -»rwn. nona, die Nic’n 'pics, die rp bw mro rc.). Du genügst deiner religiösen Pflicht vollkommen, wenn dn die von unsren Weisen vorgeschriebcne Gebetordnung sorgsam beachtest. Fühlst dn jedoch den Drang in dir, noch außerdem deinen Schöpfer zu preisen und Gebete zu Ihm emporzusenden, so ist dir ein derartiges, freiwilliges Gebet rau rten gestattet. ^>2no nr.N3ai, wenn du aber freiwillig, aus dir, betest, 72p -pVsn rr^yn r<>, so dehne diese Gebete nicht derart aus, daß sie die Hauptbeschäftigung deines Lebens werden, sondern bete nur dann solche freiwillige Gebete, wenn der innere Drang dich dazu drängt, das Erbarmen des Allgütigen zu erflehen. In Verbindung und im Zusammenhänge damit können wir auch den dritten Ausspruch Rabbi Schimeon's erklären. Eine der Grundlehren der damals noch jungen. Religion, von der wir oben gesprochen haben, ist die Lehre von der Erbsünde. Nach ihr sind alle Menschen von Natur aus schlecht und böse und würden von Gott verworfen werden, wenn nicht der Stifter jener Religion für sic gestorben wäre, für sie sein Blut vergoffen hätte; nur durch seine Vermittelung könnten sie demnach Gnade finden. — Stach der Lehre des Judenthums gibt es keine Erbsünde. Wir sagen in unsrem täglichen Gebet: Mein Gott, die Seele, die Du mir gegeben, ist rein. Du hast sie erschaffen, Du hast sie gebildet. Du hast sie mir eingehaucht. Du bewahrst sie in mir. Du wirst mir sie einst nehmen, aber sie mir zurückgcben für das ewige Leben. — Wenn auch böse ist der Trieb des menschlichen Herzens von Jugend ans, wenn auch allerlei schlimme Steigungen und Leidenschaften den Menschen vom rechten'Wege abzubringen drohen, so ist doch die menschliche Seele an und für sich rein, von keiner Sünde befleckt, von keiner Schuld belastet: nicht bedarf sie der Vermittelung zwischen sich und ihrem Schöpfer; nicht braucht sie zu büßen für ftcmde Schuld und nicht bedarf sie einer Sühne für Fehler, die ihr nicht anhaften. Jeder Mensch hat die .Fähigkeit, seine Leidenschaften zu beherrschen, seine dösen Neigungen zu unterdrücken, die Reinheit seiner Seele zu bewahren, von der Geburt an bis zum Tode. Beten dürfe» »vir nur 31t dem einzige» Gott, keiner» Vermittler dürfen »vir anrufc», »veder einen lebendiger». r»och cinci» verstorbene»», »veder einen Engel, noch cuieti Heiligen, ttnmkttelbar treten wir hin vor das Antlitz des allgegenwärtigen Gottes. Gott ist überall in nnsrer Nähe, und nicht urnsonst sagt der Weise hier n"2 Qipan Siehe, unser Gott ist überall, die ganze Welt ist voll von Seiner Herrlichkeit, vAp bi? u’ps »n. Er ist der Ort der Welt, die Welt ist in Ihm. -- Wen» der Mensch durch die Erbsünde belastet, »venn er an und für sich verworfen wäre, so »väre es eine Vermessenheit, vor den einzigen, allmächtigen , all- »vcisen, allreinen Gott hinzutreteu und von Ihm die Befriedigung unsrer Wünsche zu erflehen. Aber kein Mensch ist an und für sich verrvorfen. „Mein Gott, die Seele, die Du mir gegeben, ist rein, so kann sie auch, selbst »venn sie befleckt und beschmutzt ist »vorder», durch den Menschen selbst, ohne fremde Beihilfe, »vieder gereinigt »verden durch auftichtige Reue, durch Zerknirschung des Herzens, durch Wiedergutmachung begangener Schuld, durch Uebung guter Werke, durch Buße und durch Rückkehr zu Gott. Daher braucht selbst der größte Sünder nicht zu verzagen; hintreten kann er an jedem One und zu jeder Zeit vor das Antlitz des allgütigeu Gottes, um von Ihm Gnade und Erbarmen zu erflehen. Diesen großen Grundsatz spricht Rabbi Schimeon ans, indem er sagt: -psy us2 ysn \-n b** „Meine nicht, daß der Mensch an und fiir sich sündig »'ei; keinerlei Erbsünde belastet uns, keinerlei fremde Schuld befleckt unsre reine, unsterbliche Seele und der allgntige Gott ist stets bereit, sich unser zu erbarmen. »vie der zärtlich liebende Vater sich seiner Kinder erbarrnt. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondevzeu. Deutschland. Aus dem Rheinlande. In unserer materielle» Zeit, in der sich Leider Jung und Alt so oft vom jüdischen Ideale abtvendet, ist es mehr und mehr zu bedauern, wenn die Schaar der wirklich ftomruen Jehudim durch die kalte Hand des Todes um ein Glied vennindert wird: und einen solchen wahrhaft sronunen Jehudi hat der Tod aus unserer Mitte hmweggerasft^ Am turn 2U2 (25. Juli) verschied nach kurzen» Kranksein, »m Alrer von 67'.» Jahren, Herr Gottschalk Löwentha! m Lennep, ein Man», der sein ganzes Leben dem Treuste der Religion gelviduret hatte. Tie überaus 32^»^

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