Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 27 (1886)
- Issue
- Heft 67 (23.8.1886)
- Date
- 1886-08-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ein ßentrak - Hrgan für das orthodoxe Audenthunr. Heransgegeben von Vr». Lehmann in Mainz. Montag, den 23. August SS4S (1886). Leitender WLtiiteh Die Sprüche der Mlcr. II. Buch, zweite Adtheilung. XXXII. Mainz, 19. August. Eine Reihe von Erklärern machen auf eine Schwierigkeit in Bezug auf den Wortlaut unsrer Mischnah aufmerksam. Rabbi Schimeon sagt: Sei sorgsam in Bezug auf das Lesen des Schema und in Bezug auf das Gebet, und wenn du betest, so bedachte dein Gebet nicht als eine bestimmte Arbeit. Die Worte bbzrv nnNBoi „und wenn (oder sobald) du betest," erscheinen überflüssig. Ohne den Sinn zu verändern, hätte der Weise sagen können: ytosn wpn nfenai trps w vn Diese Erwägung hat dazu Anlaß gegeben, andere Lesarten vorzuschlagen. Einige wollen das Wort rtoui weggelasten wissen; dann sind die oben beanstandeten Worte ganz an ihren: Platz, und der Satz würde lauten: Sei sorgsam in Bezug auf das Lesen des Schema, und wenn du betest 2c. — Rabbenu Jonah will lesen: mp 1rp2 Tn; »in „Sei sorgsamer in Bezug' auf das Lesen des Schema als in Bezug auf das Gebet; wenn du aber betest 2c. — Die Zeit, welche für das Lesen des Schema bestimmt ist, ist kürzer Zugemeffcn als die fiir die Thephilla; daher müssen wir mehr darauf bedacht sein, den für das Schema bestimmten Zeitpunkt nicht zu überschreiten. Dagegen erfordert die Thephilla größere Herzensandacht. Auch nach dieser Lesart sind die Worte •:-nrüixssi am Platze. Y Nach einer wichtigen Regel der Kritik sind die ichwerverständlichcu Lesarten stets als die richtigen Zu betrachten, da es wohl keinem Abschreiber in den Sinn gekommen, einen klaren Satz in einen dunkeln zu verwandeln, während das Entgegengesetzte häufig vorgekommen ist. Es liegt uns demnach die Pflicht ob, die Lesart, wie wir sie in den ältesten Schriften und Manuscripten vorfinden, zu erklären und dadurch zu rechtfertigen. Zu diesem Zwecke wollen wir zunächst das Wort jap näher bestimmen. In der 15. Mischnah des ersten Abschnittes unsrer Maßechta lehrt Schammai: ntry jap *jm*n, was Bartinora in folgender Weise erklärt: Mache das Thoralernen zu deiner bestimmten, feststehenden Arbeit, zu deiner Hauptbeschäftigung, während die Erwerbung deines Lebensunterhaltes dir im Vergleich damit nur als nebensächlich erscheinen soll. Nehmen wir das Wort jap in unserer Mischnah in derselben Bedeutung, so müssen wir hier übersetzen: Und mache dein Gebet nicht zu deiner Hauptbeschäftigung. Wir haben bereits oben bemerkt, daß Rabbi Schimeon ben Neßanel ein Schwiegersohn des Rabbou Garnlic! ha Säten war/ daß er also in der Zeit vor dem Untergänge des heiligen Tempels lebte, wie auch sein Lehrer Rabbi Jochanan ben Sackai, der jedoch dieses traurige Ercigniß überlebte, da er ein ungemein hohes Alter, ein Alter von 120 Jahren erreichte. In jener Zeit gab es eine jüdische Secte, die Essäer, welche den eigentlichen Zweck des Lebens in einer frommen Beschaulichkeit, in einen: fortgesetzten und kaum unterbrochenen Beten suchten. Das damals jungausftrebende Ehristenthum hat Manches von denEssäern ausgenommen. Die Einsiedler und Mönche finden ja in diesen: beschaulichen und dein fortwährenden Gebete geweihten: Leben die höchste Vollendung. Für ein frommes Gemüth hat eine solche Anschauung etwas Verlockendes und Bestrickendes. Allein, sie widerstrebt den Grundanschaunngen des